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Wacholder - genièvre
Juniperus communis L.
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Wacholder |
Wacholder hat viele Namen: Machandel heisst er im Märchen, Granwirlbeere im Gebirge, nach heidnischen Bräuchen klingen diese Namen:
Räucherstrauch und Feuerbaum.
Der Wacholderstrauch wächst in ganz Europa, vom Süden bis in die Öden
nördlicher Länder. In der Gattung Wacholder (Juniperus) gibt es etwa 50
Arten.
Das zypressenartig wachsende Nadelgehölz wird gern
in Gärten und Parks als Zierstrauch angebaut, meist wächst er aber wild,
besonders in kargen Heide- und Berglandschaften. Es gibt Wacholderbäumchen,
die jahrhundertealt und 15 m hoch gewachsen sind. Zwei Jahre brauchen die
kugeligen schwarzbraunen bis bläulichen Beeren bis zur Reife, sie überwintern
also im halbreifen Zustand und werden im nächsten Herbst gepflückt.
Die Wacholderbeeren riechen etwas harzig nach Tannen, sie schmecken
bitterwürzig und leicht süss. Der kräftige Wald- und Heidegeschmack
beruht auf dem hohen Gehalt an ätherischen Ölen, Harzen, Bitter- und
Gerbstoffen und Zucker. Das zähe, wurmfeste Wacholderholz ist ein gutes
Material für alle Drechslerarbeiten. Selbst aus dem Holz wird ein ätherisches
Öl und eine Teerart gewonnen, die beide seit altersher als
Volksheilmittel benutzt wurden.
Die Araber bereiteten aus den Beeren einen
zu Mus eingedickten Saft, der in ihrer Medizin eine wichtige Rolle
spielte. Wacholder ist eines der Gewächse, um die sich die meisten abergläubischen
und mythischen Vorstellungen rankten. In der Bibel und in religiösen
Legenden tauchte er immer wieder auf. Die Germanen benutzten
Wacholderzweige als Räucherwerk bei ihrem Götterkult, bei
Opferhandlungen und Toten- verbrennungen. Wacholderbäume waren heilig und
durften nicht frevlerisch abgeschlagen werden. Im Volksglauben hiess es,
dass der Rauch vom verbrannten Wacholderreisig und Wacholderstöcke vor
Pest, bösen Geistern und Hexen schütze.
Man schluckte die Beeren gegen allerlei Krankheiten, selbst gegen die
Melancholie! Heute haben Wacholderbeeren in der Medizin noch immer einen
weiten Anwendungsbereich: Kneipp empfiehlt sie in seiner "Kräuterkur"
in verschiedener Form - Wacholderöl und -Spiritus als Einreibung und
Hautreizmittel bei chronischen Erkrankungen, vor allem der Gelenke, und
bei tiefer liegenden Entzündungen sowie gegen Flechten. Innerlich wendet
er das Wacholderöl an gegen Magen- und Darmstörungen, überhaupt zur
Regelung der Drüsentätigkeit und der Magenbewegung, ferner bei
Leberleiden, Migräne Herzklopfen. Berühmt ist seine Wacholderbeer-Kur
bei Magenverstimmungen, wobei man am 1. Tag mit 5 Beeren anfängt, bis 15
Beeren hinaufgeht und dann wieder zu 5 Beeren am Tag zurückdosiert.
Die
Gewürzindustrie bezieht den grössten Ernteteil heute aus Jugoslawien, in
geringerem Masse aus Italien, das zum Teil seine Ware aus Jugoslawien noch
dazukauft. Der grösste Teil der einheimischen und eingeführten Ernte
geht an die Branntwein-Industrie: Gin, Genever, Steinhäger, andere
Wacholderschnäpse, und Liköre werden daraus gebrannt.
Der Name Wacholder
stammt wohl von den althochdeutschen Silben wach = wacker, immerlebend,
immergrün und ter = der Baum.
Wacholderbeeren
in der Küche
Ganz oder zerdrückt gehören die Beeren besonders zu Wild,
Wildpasteten und Wildgeflügel,
von der Beize bis zum Hasenpfeffer. Auch Schweine-, Hammelfleisch,
Sauerbraten, dunkle und derbe Fleischragouts, deftige Aufläufe, das
Kochfischwasser, Fischmarinaden, Sauerkraut, Steckrüben, Rotkohl, Rote
Beete brauchen das würzige Aroma. Mitgekocht in kräftiger Hausmannskost,
mildert Wacholder strengen Kohlgeruch und -geschmack.
Frisch getrocknete Beeren haben die stärkste Würzkraft und einen
bitter-süssen, harzigen Geschmack. Man sollte sie vor Gebrauch leicht
zerdrücken, damit das Aroma sich besser entfalten kann.
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