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KASTANIEN, MARONI

(AUCH MARRONI GESCHRIEBEN)

 

 

 

Kastanien waren im wirtschaftlich darbenden Tessin früherer Zeiten ein Grundnahrungs-mittel. Die Kastanie war einst auch Hauptnahrungsmittel für die Bevölkerung des italienischsprachigen Bündnertals Bergell in der Schweiz. Die Bergeller Kastanienhaine sind einzigartig für die Schweiz und stehen unter Naturschutz. Seit einigen Jahren werden die Kastanienbäume dank Bundesförderung wieder intensiver bewirtschaftet und gepflegt. Die Ausbreitung des gefährlichen Kastanienrindenkrebses konnte mit krebsresistenten Neupflanzungen vorerst gestoppt werden. Jetzt besteht die Hoffnung, die Haine für die zukünftigen Generationen und das Tal erhalten zu können.

Früher galt die Kastanie als „Kartoffel" oder auch „Brot der Armen". Da sie sehr stärkehaltig ist wurde sie gemahlen und zu Brot verarbeitet. Damit hatte man allerdings keineswegs ein minderwertiges Nahrungsmittel, denn die Kastanie enthält Eisen, Phosphor, Kalium, Vitamin C und Betacarotin. Die Kastanien bestehen vor allem aus Stärke, aber auch Eiweiß und Öl sind darin enthalten. 100 g haben etwa 210 Kalorien und sind daher nicht unbedingt kalorienarm.

Die Edelkastanie wird in der internationalen Küche auch Marone genannt. Diese stacheligen Früchte kann man im herbstlichen Wald sammeln.

 

Vorsicht: Es gibt verschiedene Arten von Kastanien

Es gibt in der Schweiz ca. 100 Sorten Kastanien. Anhand der Jahrringe sieht man wie alt die Baumriesen werden können. Uebrigens... die Rosskastanie ist nicht mit der Edelkastanie verwandt! Bei der Rosskastanie sind die Kugeln die Samen und für Menschen ungeniessbar. Die Früchte dienen insbesondere Wildschweinen und Rotwild als Nahrung. Bei der Edelkastanie oder Marone sind die braunen Kugeln die Früchte - und deshalb auch für uns essbar.

Die Rosskastanie (botanisch Aesculus) ist eine Gattung der Rosskastaniengewächse (Hippocastanaceae).

Bis 30 m hoher Baum mit 5 bis 7fach geteilten, grossen Blättern. Charakteristisch im Frühjahr sind die grossen, klebrigen Knospen. Weisse Blüten in aufrechtstehenden Rispen. Blütezeit ist zwischen April und Mai. Es gibt Bäume, die über 2000 Jahre alt sind. In vielen Parks und Gartenwirtschaften sind sie nicht mehr wegzudenken. Sie tragen im Herbst grüne, mehr oder weniger bestachelte Kapselfrüchte. Die Samen der Rosskastanie enthalten zwischen 3% und 8% eines giftigen Saponingemisches, das als Aescin bezeichnet wird. In den unreifen Früchten ist der Saponingehalt noch etwas höher.

Die Rosskastanie ist zwar ungeniessbar, hat aber ihre Inhaltsstoffe in den Dienst unserer Gesundheit gestellt: Gerade für Menschen, die mit Venenleiden zu kämpfen haben, ist sie ein Segen; sie wirkt durchblutungsfördernd, kräftigt die Venenwände, ist entzündungs-hemmend und gleichzeitig auch geweb-entwässernd. Zu Heilzwecken werden die braunen Samen und z.T. auch die Blüten verwendet. Die Samen müssen in besonderer Weise aufgearbeitet werden, um die durchblutungsfördernden Inhaltsstoffe zu gewinnen. Sie enthalten Aesculin, Rutin, Querecetin, Flavon, Triterpen-Saponin, Adenosin und Bitterstoffe.

Mitte der 80er Jahre wurde in Mazedonien ein bis zu diesem Zeitpunkt unbekannter Kleinschmetterling, später als Miniermotte bezeichnet, entdeckt. Seine Larven leben in den Blättern der Kastanie und fressen sich genüsslich durch das Laub. Heute gilt der Larvenfrass als Hauptursache für vorzeitige Blattverfärbungen und Blattabfall bei der Kastanie.
 

Arten

  • Gewöhnliche Rosskastanie, auch Weiße Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.)

  • Rote Rosskastanie (Aesculus rubicunda Loisl.)

  • Strauch-Rosskastanie (Aesculus parviflora Walt.)

 

Die Esskastanie, auch Edelkastanie oder Marone (Pl.: Maroni) genannt, (botanisch Castanea sativa Mill.) ist eine Pflanze in der Familie der Buchengewächse (Fagaceae).

Edel-Kastanien können bis zu 30 m hoch werden und bilden häufig eine weit ausladende Krone. Ihre getrenntgeschlechtlichen Blüten erscheinen im späten Frühjahr. Aus den unscheinbaren, kleinen weiblichen Blüten entwickeln sich die stacheligen Fruchtschalen, in deren Innerem die braunen Maronen heranreifen.

Esskastanien sind sommergrüne Bäume oder Sträucher, verbreitet in Südeuropa, Nord-Afrika und Klein-Asien. Die Früchte sind essbar. Das Holz ist sehr wertvoll und wird verwertet. Möbel aus Kastanienholz halten besonders lange im Freien, sie sind haltbar im Wetter und werden wenig von Schädlingen befallen. Der Boden, in dem die Bäume wachsen, ist sauer, und das hat sich auch auf das Holz ausgewirkt. Dachbalken und Böden aus diesem Holz sind besonders edel und spinnenfrei! Da ihr Holz weitgehend resisitent gegen Nässe und Fäulnis ist, wurde es gerne zur Herstellung von Rebenpfählen sowie zur Produktion von Fässern und im Schiffsbau genutzt.

 

Vorkommen

Die Edelkastanie ist in Deutschland z. B. am Rand des Pfälzer Waldes, der sog. Haardt heimisch und wurde dort von den Römern eingebracht. Der landessprachliche Name dort für die Frucht ist Keschde.

Ungewöhnlich grosse Edel-Kastanien befinden sich auch im klimatisch milden Süd-England. Im italienischen Nationalpark Foreste Cantinesi bilden Edel-Kastanien zum Teil Reinbestände und alte Kastaniengärten befinden sich auch auf Madeira und den Kanarischen Inseln. Reine Edelkastanienwälder können auch an den Hängen des Mecsek-Gebirges im Süden von Ungarn sowie in einigen sonnigen Abschnitten des Donauknies nördlich von Budapest gefunden werden.

Verwendung in der Küche

Esskastanien sind Nussfrüchte. 100 bis 200 kg Ertrag wirft ein Kastanienbaum bei guter Pflege ab. Ihr gelbweissliches Fleisch ist von einer Samenhaut und einer holzig-ledrigen Schale umgeben.  Vor dem Verzehr muss beides entfernt werden. Dafür schneidet man die Schale an der Spitze kreuzweise ein und kocht sie einige Minuten im kochenden Salzwasser oder röstet sie im 250 Grad heißen Ofen, bis die Schalen platzen. (Beim Rösten darf das Einschneiden der Schale nicht vergessen werden, da die Kastanie sonst explodiert.) Die Schale mit den Fingern lösen, die Samenhaut mit einem Messer vorsichtig entfernen.

Maroni entfalten ihre Süsse und Stärke erst durch Kochen oder Rösten. Sie schmecken köstlich zu Wildgerichten und Kohlsorten.

Beim Einkauf erkennt man gute Maronen an einer glatt glänzenden Schale, daneben müssen sie sich schwer anfühlen. Dauermaronen lassen sich an einem kühlen trockenen Ort zwei bis drei Monate aufbewahren. Die anderen Maronen sollten bald zubereitet werden, sie beginnen zu keimen und schmecken dann nicht mehr. Marroni können tiefgekühlt werden, was mit oder ohne Schale möglich ist. Die Schale muss in jedem Fall eingekerbt werden. Im Kühlschrank sind sie ca. 10 Tage haltbar, sollten aber nicht in Plastiksäcken aufbewahrt werden. Tiefgekühlt können Marroni direkt weiter verarbeitet werden.
 

Getrocknete Kastanien: können immer verwendet werden, wenn keine frischen verfügbar sind. Kastanien ca. 12 Stunden in kaltem Wasser einweichen. Dann im Salzwasser ca. 1–112 Stunden knapp weich kochen oder mit Wasser bedeckt ca. 30 Min. im Dampfkochtopf garen. 200g getrocknete Kastanien ergeben ca. 400g gekochte.

Kastanienbier: beim Brauen wird ein Teil des Malzes durch Kastanien ersetzt, das Bier ist etwas weniger bitter. Durch die lange Reifezeit von 2 bis 4 Monaten entsteht ein sanftes Aroma. In Reformhäusern, Bio-, Bier- und Getränkeläden erhältlich. Servieren Sie es kalt (8°-10°C) und dann schlürfen Sie es langsam, so dass das Aroma immer stärker wird.
Kastanienbier wird z.B. bei der appenzeller Familienbrauerei Locher gebraut.

Kastaniencreme oder -konfitüre: ein herbstlicher Brotaufstrich für Kastanien- Fans, der aus Kastanien, Zucker und Vanille hergestellt wird.

Marroni-Spätzli: eine feine Herbst-Beilage nicht nur zu Wild. Der hohe Anteil an Kastanien im Teig verleihen ihnen das intensive Aroma.

Marron Glacé: sind eine wunderbar süsse, leicht nach Caramel duftende Saisonspezialität, die oft von Confiserien selbst zubereitet wird. Ähnlich wie bei Orangen oder Zitronen werden frische Marroni kandiert. Die Früchte werden über mehrere Tage in Zuckersirup in steigender Konzentration eingelegt, bis sie vollständig durchtränkt sind. Durch das Kandieren werden die Marronis für einige Wochen haltbar.
 

 

Ehemaliges Kastanienland Zentralschweiz

Urkundlich treffen wir Kastanien erstmals um 1340 in Schwyz, 1378 in Weggis und 1378 in Walchwil an. Kastanienbaum in Horw wird 1434 erstmals erwähnt. Der Ort ist mit einer Sage verbunden, wonach hier die ersten Kastanien gesetzt und sich von da in der Zentralschweiz ausgebreitet hätten. Auch in Küssnacht nennt sich ein Hof Kastanienbaum. Dass die Kastanie ehemals grosse Bedeutung genoss, zeigen uns historische Belege, welche allgemein von Obst sprechen, aber die Kastanien speziell hervorheben. Eine Recherche aus Weggis (Kanton Luzern) kommt zum Schluss, dass dort vor ungefähr 120 Jahren der Kastanien-Erlös noch grösser war, als der Erlös aus der Milch.

Mehr darüber erfahren Sie hier...

 

 

 

 


 

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