Weingebiet - Burgenland

 

 

Die Rebflächen im österreichischen Bundesland Burgenland belegen in vier Weinbau-Gebieten insgesamt 14.564 Hektar. In 230 Weinorten gibt es 9.654 Weinbaubetriebe. Gemeinsam mit Niederösterreich (30.004 Hektar in acht Weinbau-Gebieten) bildet es die größte österreichische Weinbau-Region Weinland mit insgesamt 44.568 Hektar Rebfläche. Der Ort Zagersdorf im Weinbau-Gebiet Neusiedlersee-Hügelland zählt neben Stillfried im niederösterreichischen Weinviertel zu den ältesten Weinbau-Gemeinden Österreichs, denn in einem keltischen Grabhügel aus der Hallstattzeit etwa 700 v. Chr. wurden Traubenkerne der Kulturrebe Vitis vinifera entdeckt. Im 1. Jahrhundert vor Christi drangen die Römer bis zur Donau vor und gründeten die Provinz Pannonien. Eine neue Weinkultur bildete sich durch die Aufhebung des Reben-Anpflanzungs-Verbotes durch Kaiser Marcus Aurelius Probus (232–282). Zu dieser Zeit standen den römischen Legionären pro Kopf und Tag drei Maß Wein zu. 433 n. Chr. eroberte Hunnenkönig Attila die Provinz Pannonien. Die Völkerwanderung wirkte sich sehr negativ aus und erst Kaiser Karl der Große (742-814)leitete einen Wiederaufbau ein.

Der größte Verdienst ist den Zisterziensern zuzurechnen, die das sumpfige und waldreiche Gebiet entwässerten und rodeten. Im Jahre 1216 bebauten in Heiligenkreuz die Mönche bereits 99 Weingärten. Von hier aus begannen sie, um den Neusiedlersee herum weitere Weinkulturen anzulegen. Aus Burgund wurde der Pinot Gris (Grauburgunder) eingeführt und auch der Riesling angepflanzt. Im 16. Jahrhundert hatte die Rebfläche die größte Ausdehnung erreicht und der Weinbau war zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Die ungarische Königin Maria (1505-1558) gewährte den burgenländischen Weinbauern große Privilegien. Sie verlieh den Weinorten Rust, Jois und Neusiedl das Recht, ihre Weinfässer mit den Anfangs-Buchstaben ”R”, ”G” (für Geusz) und ”N” zu kennzeichnen. Der berühmte Ruster Ausbruch wurde zu dieser Zeit kreiert und dem Tokajer gleichgesetzt. Burgenland war im 16. und 17. Jahrhundert besonders von den vielen Türken-Einfällen betroffen. Aus der Zeit der ersten Türkenbelagerung Wiens 1529 stammt auch die Legende vom ”Purbacher Türken” .

Trotz aller Kriegswirren, Seuchen, Wetterunbillen und sonstigen Schicksalsschläge war der Zeitraum vom 16. bis zum 18. Jahrhundert die absolute Glanzzeit des burgenländischen Weinbaus, wobei zu dieser Zeit vorwiegend Weißweine erzeugt wurden. Große Mengen wurden an den kaiserlichen Hofkeller in Wien geliefert und der besonders beliebte Ruster Wein erhielt den Ehrentitel ”Vinum imperatorum – imperator vinorum”. Damals gab es im Burgenland vier Qualitätsklassen: Vinum Nobile (edler Wein, Ausbruchwein aus Trockenbeeren der Rebsorte Furmint), Vinum Bonum (Qualitätswein aus Furmint, Augster und Muskateller), Vinum Mediocre (mittlere Güte) und Vinum Cibale (Speisewein oder Tischwein). Im Laufe der Zeit wechselten häufig die Besitzer der Rebflächen, denn die Habsburger verliehen die Pfandrechte immer wieder neu. Im Jahre 1622 erhielt Graf Nikolaus Esterházy (1583-1645) von Kaiser Ferdinand II. (1578–1637) die Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt als Lehen zugewiesen. Diese Adels-Familie förderte Weinbau und Weinhandel und wurde zum größten Grundbesitzer Gesamt-Österreichs. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Goldene Zeitalter vorbei. Ausgelöst durch die schlesischen und napoleonischen Kriege sowie Missernten mussten große Rebflächen aufgelassen und in Ackerland umgewidmet werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert schlug auch im Burgenland die Reblaus zu. Große Verdienste bei der Bekämpfung sind Paul Vetter anzurechnen, dem dafür in der Gemeinde Gols ein Denkmal gesetzt wurde. Die Weinbau-Region Burgenland ist in vier Weinbau-Gebiete gegliedert:

* Neusiedlersee mit 8.326 ha
* Neusiedlersee-Hügelland mit 3.912 ha
* Mittelburgenland mit 1.877 ha
* Südburgenland mit 449 ha

Das Gebiet ist durch pannonisch-kontinentales Klima, den klimaregulierenden Einfluss des 230 km² großen Neusiedlersees und relativ lange Vegetations-Zeiten von bis zu 250 Tagen geprägt. Auf Grund der hervorragenden klimatischen Bedingungen auch erstklassige Prädikatsweine gekeltert. Von vielen Marken-Gemeinschaften und Winzer-Genossenschaften werden gebietsspezifische Qualitätsweine produziert. Dies sind zum Beispiel Blaufränkischland, die Gemeinde Neckenmarkt mit dem Markenwein Fahnenschwinger, Pannobile, Pannonischer Reigen, Prädikatswein-Produzenten-Gemeinschaft, RWB (Renommierte Weingüter Burgenland), und Weinidylle Südburgenland. Das Burgenland gilt als das Rotweingebiet Österreichs, jedoch liegt interessanterweise der Grüne Veltliner mit einem knappen Fünftel der Rebfläche an der Spitze, erst danach folgt als rote Rebsorte der Blaufränkisch.

Der Rebsortenspiegel:

Rebsorte

Synonyme - Spielarten

Farbe

Hektar

%-Ant

Veltliner

Grüner Veltliner, Weißgipfler

weiß

2.736

18,8

Blaufränkisch

Blauer Limberger, Limberger

rot

2.493

17,1

Welschriesling

-

weiß

1.974

13,6

Zweigelt

Blauer Zweigelt, Rotburger

rot

1.875

12,9

Chardonnay
Pinot Blanc

Feinburgunder
Weißburgunder, Klevner

weiß

1.044

7,2

Müller-Thurgau

Rivaner, Riesling x Sylvaner

weiß

797

5,5

Neuburger

-

weiß

440

3,0

Gemischter Satz

-

weiß

392

2,7

Bouvier

-

weiß

337

2,3

Muskat-Ottonel

Feinschmeckerter

weiß

323

2,2

Scheurebe

Sämling 88

weiß

291

2,0

Goldburger

-

weiß

206

1,4

Cabernet Sauvignon

-

rot

190

1,3

Traminer

Roter Traminer, Gewürztraminer

weiß

188

1,3

St. Laurent

-

rot

185

1,3

Pinot Noir

Blauburgunder, Blauer Spätburgunder

rot

181

1,2

Blauburger

-

rot

179

1,2

Ruländer

Grauburgunder, Pinot Gris

weiß

175

1,2

Riesling

Rheinriesling, Weißer Riesling

weiß

163

1,1

Frühroter Veltliner

Frühroter, Malvasier

weiß

67

0,5

Gemischter Satz

-

rot

57

0,4

Sauvignon Blanc

Muskat-Sylvaner

weiß

55

0,4

Merlot

-

rot

46

0,3

Blauer Portugieser

Portugieser

rot

44

0,3

Jubiläumsrebe

-

weiß

25

0,2

Cabernet Franc

-

rot

18

0,1

Muskateller

Gelber Muskateller, Roter Muskateller

weiß

12

0,1

Silvaner

Sylvaner, Grüner Sylvaner

weiß

4,5

-

Blauer Wildbacher

Schilcher

rot

3,2

-

Roter Veltliner

-

weiß

3,2

-

Rotgipfler

Rotreifler

weiß

1,8

-

Furmint

Gelber Furmint

weiß

0,8

-

Zierfandler

Spätrot, Gumpoldskirchner

weiß

0,7

-

weiße Sorten

 

 

9.274

63,7

rote Sorten

 

 

5.290

36,3

GESAMT

 

 

14.564

100