Lucius Columella

 

 

 

Columella, mit vollem Name "Lucius Junius Moderatus Columella, kam ursprünglich von Hispania Baetica (dem heutigen Cadiz in Spanien). Er gilt als einer der wichtigsten römischen Autoren über Weinbau. Es ist nicht bekannt, wann Columella von Spanien nach Italien umzog. Offenbar hat er aber einen grossen Teil seines Lebens dort verbracht. 

Sein Lehrbuch “De re rustica” (Von den ländlichen Angelegenheiten) schrieb er ca. 60 bis 65 n. Chr. und betitelte es genau so wie das Werk des Karthagers Mago (um 500 v. Chr.), den er auch zitiert. Sein Werk erschien in 12 Büchern und es ist anzunehmen, dass jedes Buch für sich alleine veröffentlicht wurde. So reagiert zum Beispiel Columella in seinem 4. Buch auf eine Kritik, die sich auf sein 3. Buch bezog - unmöglich, wenn alle Bände miteinander veröffentlicht worden wären.

Es gibt Autoren (z.B. Wein-Glossar, Norbert Tischelmayer), die von insgesamt 13 Werken ausgehen. Falsch! In seinen 12 Büchern "De re rustica" behandelt Columella systematisch alle Teilbereiche der Landwirtschaft und deckt damit das gesamte Fachgebiet ab. Er scheint im Gegensatz zu Varro vielmehr Praktiker als Theoretiker zu sein. Seine Angaben sind detaillierter und gehen oft über allgemeine Empfehlungen hinaus. Und obwohl er sich auf andere Agrarschriftsteller beruft (er zitiert auch  Vergil,70-19 v. Chr. mit dessen Werk “Georgica” und war Zeitgenosse des ebenfalls über den Weinbau schreibenden Autoren Plinius des Älteren ,23-79 n. Chr.), stützt er sich doch weitgehend auf eigene Beobachtungen und Erfahrungen ab.

Bis ins Detail beschreibt er Weinbau-Methoden, zum Beispiel die Pflanzdichte von Rebstöcken, Veredelung, Erziehungsform (anbinden an einen mannshohen Pfahl aus Kastanienholz mit Weidenruten), Rebschnitt, Rebsortenwahl je nach Bodentyp (er erwähnt als besonders fruchtbar und widerstandsfähig die Balisca = Biturica), Ertrag (20 Amphoren per Iugerum = etwa 20 bis 30 hl/ha), Weinlese und Wein-Bereitung. Insgesamt führt er 58 ihm bekannte Rebsorten an. Der Kosten- und Arbeitsaufwand ist ebenfalls ein ausführlich beschriebenes Thema. Bei den Sklaven unterscheidet er 3 Gruppen: Die Pflüger (aratores), die Winzer (vinitores) und die Hausknechte (medianisti). Ausserdem gab es mehrere Dekurien derselben Art auf seinen Gütern, die miteinander wetteiferten. Sie sollten sich gegenseitig kontrollieren. Columella besass nicht das geringste Vertrauen in seine Sklaven und wollte ihnen so wenig wie möglich Verantwortung übergeben.

Bei den Sklaven für den Weinbau differenziert er mehrere Spezialisten, die für eine bestimmte Aufgabe zuständig waren. Für diese Experten war er bereit, relativ hohe Preise zu bezahlen.

Columella erwähnte freie Arbeiter, weil er allein mit seinen Sklaven nicht auskam. Er empfiehlt z.B. dass man verschiedene Rebsorten anbauen sollle, die nicht zur gleichen Zeit reif werden. Dadurch könne man die Weinernte mit eigenen Arbeitskräften bewältigen und war nicht darauf angewiesen zusätzliche teure Arbeiter anwerben zu müssen.

Auch bei Columella erkennt man eine starke Profitmotivation. Er produzierte vornehmlich die Produkte, die sich auf dem Markt verkaufen liessen. Andererseits versuchte er, so wenig wie möglich selbst zu kaufen und seinen Hof autark zu führen. Unter Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen sollte das Gut einen grösstmöglichen Profit abwerfen.

Andererseits kritisierte er auch Zeitgenossen, die so grosse Landstriche besassen, dass sie diese nicht einmal mit Rundgängen umschreiten konnten. Wir können also davon ausgehen, dass zu Columella's Zeiten die Güter sehr gross waren aber oft nur notdürftig kultiviert wurden..   

Columella war auch Autor einer kürzeren Arbeit mit dem Titel "De arboribus". Man geht heute aber davon aus, dass "De arboribus" mit insgesamt 3-4 Bänden und nicht in dem einzigen kurzen, heute bekannten, Buch lange vor seinem Hauptwerk "De re rustica" veröffentlicht wurde. Cassiodorus erwähnte, dass Columella insgesamt 16 Werke mit landwirtschaftlichen Themen schrieb. Und das scheint richtig zu sein.