Bordeaux -

und seine Weingebiete

 

 

Die Region Bordeaux rivalisiert mit Burgund um den ersten Platz der qualitativ "besten Weine" der französischen Weinbaugebiete. Die gleichnamige Stadt ist die Hauptstadt des Départements Gironde im Südwesten Frankreichs und wird als eine der schönsten Weinstädte der Welt bezeichnet. Schon im 4. Jahrhundert, als die Stadt noch Burdigala hieß, wurde hier Wein angebaut. Bordeaux gehörte 300 Jahre lang zu England (1154-1453) und in dieser Zeit nahm der Weinbau durch den Export nach England und Flandern großen Aufschwung. Ab Ende des 17. Jahrhunderts begann in großem Stil eine breitflächige Rebstock-Bepflanzung in Bordeaux, speziell im Bereich Médoc. Auf Grund dieser intensiven und umfangreichen Weingarten-Gründungen wurde damals die geflügelte Bezeichnung "Fureur de planter" (Pflanzwut) geprägt. Dies legte die Basis für die heutigen Rebflächen. Zu den größten Weingutsbesitzern zählte Marquis Alexandre de Ségur (1697-1755), der unter anderem Rebflächen im Médoc und in Graves sein Eigen nannte. Im Jahre 1925 setzte der Landwirtschafts-Professor und Abgeordnete des Département Gironde Joseph Capus (1867-1947) entscheidende Initiativen bezüglich des französischen Appellations-Systems (siehe unter AC = Appellation Contrôlée), was letztlich zur Gründung des Weinbau-Institutes INAO (Institut National des Appellations d´Origine) führte.

Die Gleichung "Bordeaux ist französischer Rotwein" ist angebracht, denn kein anderer Wein wird (neben dem Burgunder) so mit Frankreich assoziiert wie dieser. In den meisten Fällen sind es so genannte Cuvées, aus mehreren Rebsorten verschnittene Weine (siehe unter Bordeaux-Verschnitt). Jedes Château (Weingut) hat sein eigenes Rezept der Rebsortenmischung und Vinifikation, das sorgsam gehütet wird. In Bordeaux wird auch die Fassreifung in den kleinen 225-Liter-Fässern schon seit Jahrhunderten angewendet und der Barrique-Ausbau zur höchsten Vollendung gebracht. Im Jahre 1855 erfolgte anlässlich der Weltausstellung in Paris eine umfassende Einteilung der Bordeaux-Weine in Qualitäts-Klassen. Diese berühmte Bordeaux-Klassifizierung ist noch heute nahezu unverändert gültig. Bordeaux ist im deutschen Sprachgebrauch auch das Synonym für das gesamte Weinbaugebiet, in dessen Zentrum die Stadt liegt, obwohl die korrekte Bezeichnung Bordelais wäre. Es erstreckt sich über rund zwei Drittel des Départements Gironde (nur im Süden und zum Meer hin wird kein Wein angebaut) mit einer Ausdehnung von 105 mal 130 Kilometern und einer Rebfläche von 113.000 Hektar. Das vom nahen Atlantik und den vielen Flussläufen geprägte Klima ist äußerst günstig für den Weinbau. Der Sommer ist nicht zu trocken oder heiß, der Herbst ist sonnig und der Winter mild. Der vorwiegend karge und steinige Kiesboden bewirkt, dass sich die Wurzeln der Rebstöcke bis zehn Meter tief in den Boden graben müssen, um Wasser zu finden. Dadurch können sowohl Trockenperioden als auch Regenperioden (durch Kiesboden begünstigte Entwässerung) besser überstanden werden. Der steinige Boden dient außerdem als Wärmespeicher.

Das große Gebiet wird von Süden her durch die beiden Flüsse Garonne und Dordogne durchzogen. Das Gebiet nördlich der Dordogne wird auch als Rive droite (rechtes Ufer) bezeichnet. Die zwei Flüsse vereinigen sich unterhalb der Stadt Bordeaux zum großen Mündungstrichter Gironde, der das Gebiet im Norden in zwei Bereiche teilt, die auch am bekanntesten sind. Dazu zählen auf der rechten bzw. östlichen Seite der Gironde die Appellationen Blaye, Pomerol und Saint-Emilion sowie auf der linken bzw. westlichen Seite die Appellationen Graves, Médoc und Sauternes. Speziell der südliche Teil des Médoc (Haut-Médoc) wird als Prunkstück des Bordelais bezeichnet. Auch von den Rebsorten her gibt es signifikante Unterschiede. Auf der linken Seite dominieren Cabernet Sauvignon, Merlot und mit kleineren Anteilen Cabernet Franc, auf der rechten Seite Merlot, Sauvignon Blanc und Sémillon. Die beiden Cabernet-Sorten steuern das Tannin bei, die Merlot erbringt weichere Weine. Die drei roten Haupt-Rebsorten haben einen Anteil von 90% bei den roten Sorten. Bei den Weißweinen ist Sémillon mit über 50% die wichtigste Sorte, gefolgt von Sauvignon Blanc, Colombard, Muscadelle und Ugni Blanc.

Die Bedeutung des Weinbaus im Bordelais bezeugt in eindrucksvoller Weise, dass in über 500 von den insgesamt 542 Gemeinden Wein produziert wird. Grundsätzlich wird jedes Weingut, unabhängig von der Größe, der baulichen Gegebenheit oder der Qualität des dort gekelterten Weines, als Château (Schloss) bezeichnet - in nicht wenigen davon stehen aber auch tatsächlich schlossähnliche Gebäude. Das weitverzeigte Familien-Imperium der Lurton ist der größte Besitzer an Weingütern. Es werden fast ausschließlich Weine der AC-Klassifikation erzeugt (98%); die Gesamt-Produktion betrug 1999 rund sieben Millionen Hektoliter. Über ein Viertel der französischen AC-Weine stammt von hier. Damit ist Bordeaux das weltweit größte Gebiet für Qualitätsweine. Das Appellations-System erscheint auf den ersten Blick verwirrend. Man muss zwischen regionalen und den kommunalen, in sich abgegrenzten Appellationen unterscheiden. Die regionalen beziehen sich auf größere Bereiche bis hin zum gesamten Bordelais. Das bedeutet, dass dann Weine aus der gesamten Region eine bestimmte AC-Bezeichnung tragen dürfen.

Ein Großteil der Weine wird unter der umfassenden Appellations-Bezeichnung "Bordeaux" oder "Bordeaux Supérieur" (höherer Alkohol-Gehalt) produziert. Dies gilt für alle Qualitäts-Weine, die aus dem offiziellen und genau definierten Bordeaux-Gebiet innerhalb des Départements Gironde kommen, jedoch keine definierte Orts-Bezeichnung auf dem Flaschen-Etikett aufweisen. Ausgeschlossen davon sind nur jene Weine, die aus der sandigen Zone im Westen und Süden stammen. Innerhalb des Bereiches gibt es über 50 verschiedene Appellationen. Diese können örtlich abgegrenzte kommunale Appellationen sein (zum Beispiel Médoc, Saint-Emilion, Pomerol), kann sich aber auch auf einen bestimmten im gesamten Bordeaux erzeugten Weintyp beziehen, wie zum Beispiel der Schaumwein Crémant de Bordeaux. In vielen Fällen gilt eine kommunale Appellation nur für einen bestimmten Weintyp, alle anderen in diesem Bereich gegebenenfalls produzierten Weine dürfen dann die AC-Bezeichnung nicht tragen.

Die wichtigsten Appellationen sind:

* Blaye mit 4.600 ha
* Bordeaux Supérieur
* Bourg mit 1.000 ha
* Cérons mit 200 ha
* Côtes de Castillon mit 2.855 ha
* Entre-Deux-Mers mit 23.000 ha
* Fronsac mit 1.000 ha
* Graves mit 3.000 ha
* Lalande de Pomerol mit 900 ha
* Loupiac mit 330 ha
* Médoc mit 15.000 ha
* Pomerol mit 730 ha
* Premiéres Côtes de Bordeaux mit 2.300 ha
* Saint-Emilion mit 5.500 ha
* Sauternes mit 1.637 ha

Bordeaux Supérieur
Ein großer Teil der Weine in der französischen Region Bordeaux wird unter der umfassenden Appellations-Bezeichnung "Bordeaux" (10% vol Alkohol-Gehalt bei Rotwein, 10,5% vol bei Weißwein) oder "Bordeaux-Supérieur" (höherer Alkohol-Gehalt mit 10,5% vol bei Rotwein und 11,5% vol bei Weißwein) produziert. Dies gilt für alle Weine, die aus dem offiziellen Bordeaux-Gebiet kommen, jedoch keine definierte Ortsbezeichnung aufweisen. Sie müssen allen AC-Regeln bezüglich Rebsorten, Ertrag, Vinifikation etc. gemäß dem Ursprungsgebiet entsprechen und werden auch kontrolliert.

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