Die Rhone -

und ihre Weingebiete

 

 

Die über 800 Kilometer lange Rhône zählt neben Donau, Douro, Garonne, Loire, Mosel und Rhein zu den bedeutendsten Weinflüssen der Welt. Der Fluss entspringt am Furka-Pass als Gletscherbach in den Schweizer Urner Alpen, durchfließt das Wallis (hier heißt er Rotten) und den Genfer See, überquert die französische Grenze, wendet sich ab Lyon nach Süden und mündet südlich von Arles-sur-Rhône in das Mittelmeer. Die Griechen gründeten die an der Rhônemündung liegende Stadt Marseille (römisch Massilia) und brachten die Weinrebe in das Tal. Danach betrieben hier auch die Römer Weinbau, was viele Amphoren, Bacchus-Statuen und Mosaiken mit Weinmotiven bezeugen. Zahlreiche Exponate kann man im sehenswerten "Musée de la Civilisation Gallo-Romaine" in Lyon bewundern. Angeblich wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. im Rhône-Tal vor allem der legendäre Falerner getrunken. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere (23-79) berichtet in seiner Schrift "Naturalis Historia" von einer Rebsorte Allobrogica, die hier kultiviert wurde. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde der Papsthof nach Avignon verlegt und drei Viertel des Weines an der päpstlichen Tafel stammte aus dem Rhône-Tal (siehe auch unter Châteauneuf-du-Pape).

Unter dem Begriff Rhône-Weine wird die etwa 200 Kilometer lange Strecke von Lyon genau nach Süden bis Avignon in Südost-Frankreich verstanden. Hier liegen beiderseits des Flusses rund 50.000 Hektar Rebfläche, die über die sechs Départements Ardèche, Drôme, Gard, Loire, Rhône und Vaucluse verteilt sind. Die typischen Rhône-Sorten sind die roten Syrah, Grenache, Mourvèdre, Cinsaut und Carignan sowie die weißen Viognier (Condrieu), Marsanne, Roussanne und Ugni Blanc. Zum Großteil werden dunkle, konzentrierte und gerbstoffreiche Rotweine produziert. Das Gebiet wird in die südliche (Rhône Méridional) und nördliche Rhône (Rhône Septentional) geteilt.

Im südlichen Abschnitt von Montélimar bis Avignon haben ab dem Jahre 1960 algerische Rücksiedler auf Brachland viele neue Weingärten angelegt. Hier befindet sich zum größten Teil die bestimmende regionale Appellation Côtes du Rhône sowie die höhere Klasse Côtes du Rhône-Villages. Die Hauptsorte ist hier die rote Grenache Noir, die meisten Weine sind Verschnitte nach dem so genannten Rhône-Rezept. In diesem bereits mediterranen Klima ist eine Besonderheit der kalte Nordwind Mistral. Als Cru-Lagen sind die Appellationen Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Lirac, Tavel und Vacqueyras klassifiziert. Der nördliche Abschnitt mit kontinentalem Klima reicht von Ampius bis Valence. Die nach Südosten ausgerichteten Weingärten liegen auf steilen, terrassierten Hängen mit bis zu 65 Grad Neigung. Das ist die Heimat der Syrah, die als einzige Rotweinsorte zugelassen ist. Hier befinden sich die Appellationen Château-Grillet, Condrieu, Cornas, Côte Rôtie, Crozes-Hermitage, Hermitage, Saint-Joseph und Saint-Péray, die alle als Cru-Lagen klassifiziert sind. Im weiteren Sinne zählen zum Bereich Rhône unter anderem auch die Randgebiete Clairette de Die, Coteaux du Tricastin, Côtes du Ventoux und Côtes du Vivarais. Die AC-Gebiete des Rhône-Bereiches werden in drei Qualitätsstufen eingeteilt. Basis ist die regionale Appellation Côtes du Rhône, darüber steht als nächste Stufe Côtes du Rhône-Villages und die höchste Stufe sind die lokal begrenzten Crus (siehe oben).