Japan -

und seine Weingebiete

 

 

Hauptstadt: Tokyo. Fläche:  377'837 km2. Einwohner: 128 Mio.

Japans Inseloberflächen sind zu 80 Prozent gebirgig. Große Täler und Ebenen fehlen. Die Inseln stellen die Gipfelreihe eines Gebirgssystems dar, das ursprünglich Teil des Kontinents Asien war. Im Känozoikum (vor 65 Millionen Jahren) wurden die Inseln vom Festland abgetrennt. Aufgrund des hohen Gebirgsanteils und felsiger Böden können nur etwa zehn Prozent der Gesamtfläche als Ackerland genutzt werden. Beinahe durch jedes Tal bahnt sich ein Fließgewässer seinen Weg.
Die japanischen Inseln erstrecken sich annähernd über 21,5 Grad geographischer Breite. Daher weist Japan ein breites klimatisches Spektrum auf. Die mittleren Jahrestemperaturen bewegen sich zwischen 5 °C in Nemuro auf der Insel Hokkaido und etwa 16 °C auf Okinawa. Hokkaido und der Norden von Honshu sind von kurzen Sommern und langen, harten Wintern geprägt. Strenge Winter werden durch die Nordwestwinde, aus Sibirien kommend, und vom kalten Oya-Schio, der südwärts ins Japanische Meer fließt, verursacht. Die südlichen Inseln unterliegen dem Einfluss des warmen Kuro-Schio. Auf Shikoku, Kyushu und im südlichen Teil Honshus sind die Sommer heiß und feucht, fast subtropisch, und die Winter mild. Japan liegt im Gebiet des ostasiatischen Monsuns, der beträchtlich zu der schwülen Feuchtigkeit im Sommer beiträgt.

Die Legende erzählt, dass im 8. Jahrhundert n. Chr. im Daizenji-Tempel in Katsunuma (Präfektur Yamanashi auf der größten japanischen Insel Honshu) von einem Heiligen erstmals Reben gepflanzt wurden. Yamanashi ist auch heute noch das Weinbau-Zentrum Japans mit rund 30 modernen Produktions-Betrieben. Gesichert ist, dass buddhistische Mönche Reben über das ganze Land verbreiteten, die Weine wurden aber hauptsächlich als Trägerstoff für Arzneimittel verwendet. Im 15. Jahrhundert brachten die Portugiesen roten Wein (tintashu) als Gastgeschenk mit. Im Jahre 1569 veranstaltete der Shogun Oda Nobunaga für seine Samurai-Feldherren ein berühmtes und vielbesungenes Weinfest. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das typische Reberziehungs-System Tanazukuri eingeführt, bei dem die Reben mannshoch gezogen und die Triebe wie ein Dach bis zehn Meter weit nach allen Seiten auf Stütz-Drähten geführt und im Winter mit Strohmatten geschützt werden. Dadurch wird die durch die hohe Luftfeuchtigkeit begünstigte Fäule verhindert. Im Jahre 1875 wurde östlich von Tokio versucht, Wein aus heimischen Sorten zu gewinnen. Zu dieser Zeit wurde von den Behörden gestattet, ausländische Rebsorten einzuführen. Das war der eigentliche Beginn des modernen japanischen Weinbaus.

Ab dem Jahre 1970 begann im Zusammenhang mit der Weltausstellung ein wahrer Weinboom besonders für Rotwein, wozu auch das Französische Paradoxon beitrug (siehe dazu unter Gesundheit). Eine Besonderheit ist, dass alle drei Rebsorten-Familien (Amerikaner, Europäer und Asiaten) angepflanzt sind. Die mit knapp 80% der Rebfläche häufigsten Sorten sind auch heute noch Hybriden vor allem auf Basis der amerikanischen Spezies Vitis labrusca - die Japaner stören sich nicht am Fox-Ton. Die wichtigsten Sorten sind Campbell Early, Delaware, Isabella, Kyoho, die schon seit dem 8. Jahrhundert bekannte Europäer-Rebe Koshu und Muscat d´Alexandrie, sowie die jüngeren Neuzüchtungen Kiyomi und Kiyomai. Aus Neo-Muskat (Kreuzung Koshu x Muscat d´Alexandrie) und Ryugan werden süßliche Weißweine und aus der wilden Asiaten-Rebe Yamabudo (Bergtraube) ein Rotwein gekeltert. Zunehmend werden auch ausländische Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Chardonnay, Merlot, Müller-Thurgau, Sémillon und Zweigelt kultiviert. Im Jahre 200 betrug die Rebfläche 22.000 Hektar, rund 90% davon werden für Tafeltrauben verwendet. Per anno werden knapp 1,4 Millionen Hektoliter Wein produziert, aber noch weitaus mehr importiert.

Die wichtigsten Weinbaugebiete sind Nagano, Okayama, Osaka, Yamagata und Yamanashi (mit dem besten Gebiet Kofu-Tal). Sie liegen zwar auf demselben Breitengrad wie das Mittelmeer, das Klima ist jedoch ganz anders. Es gibt sehr kalte Winter, feuchte regenreiche Frühlinge und Herbste sowie Sommer mit Taifunen. Die großen Hersteller beziehen ihre Trauben zum Großteil von vielen kleinen Winzern, die oft nicht mehr als ein viertel oder halbes Hektar besitzen. Die größten fünf Hersteller erbringen 75% der Produktion. Dies sind der Brauerei-Konzern Suntory (Marken „Château Lion“ und „Jyonohira“), Sanraki (Weingut Mercian Katsunuma Winery mit der Marke „Château Mercian“), Manns Wine (vor allem Weine aus den lokalen Sorten Drachenauge und Koshu), der Brauerei-Konzern Sapporo (Marke „Polaire“) und Kyowa Hakko Kogyo (Marke „Ste. Neige“). Die Herkunft der Weine wird auf dem Etikett durch “Kokiunai san” (inländischer Wein) oder “Yunyu san” (importierter Fasswein) deklariert. Darauf kann man sich aber nicht unbedingt verlassen, denn die meisten als japanisch ausgegebenen Weine (auch Spitzenprodukte) sind Verschnitte aus geringem japanischem Anteil mit Weinen aus Südamerika und Osteuropa. Das japanische Nationalgetränk Nummer 1 ist aber trotz allem Weinboom nach wie vor der Reiswein Sake.

Sake


Der Reiswein stammt aus China und wurde erst später zum japanischen National-Getränk. Er wird aus bakteriell verzuckertem Reis unter Zusatz von Hefe gewonnen und hat einen Alkohol-Gehalt zwischen 11 und 14% vol. Eigentlich ist er kein Wein, sondern eher ein bierähnliches Getränk. Es gibt zahlreiche Varianten von trocken bis süß. Die Art der Herstellung bestimmt auch die Qualität, je stärker die Reiskörner "poliert" werden (verkleinert bis 55%), umso feiner das Produkt. Der reine Reis-Sake Junmaishu ist alkoholstärker als der Honjozo, dem Branntwein zugesetzt wird. Die Klärung mit dem gerbstoffreichen Saft der Khaki-Pflaumen verleiht dem Wein den typischen Geschmack. Er wird zumeist heiß aus kleinen Schalen getrunken.