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Kanada
Hauptstadt: Ottawa. Fläche: 9'970'610 km2. Einwohner:
ca. 32 Mio.
Das Land
Ohne den Kanadisch-Arktischen Archipel mit einzubeziehen, können fünf
physiographische Regionen in Kanada unterschieden werden. Die grösste Region, die
entweder als Kanadischer Schild oder als Laurentisches Massiv bezeichnet wird,
erstreckt sich von Labrador bis zum Mackenzie, vom Nordpolarmeer bis zu den
Thousand Islands im Sankt-Lorenz-Strom und bis hinein in die Vereinigten Staaten
von Amerika. Der Osten von Kanada besteht aus den Appalachen und dem Tiefland
des Sankt-Lorenz-Stromes. Im Westen liegt, angrenzend an den Kanadischen Schild,
die Innere Ebene. Sie ist die Fortsetzung der Great Plains der Vereinigten
Staaten von Amerika. Ausgehend von 1 290 km Breite an der Grenze zu den
Vereinigten Staaten von Amerika verengt sie sich auf 320 km westlich des Grossen
Bärensees, um sich an der Mündung des Mackenzie an der Küste des Nordpolarmeers
nochmals auf 483 km zu verbreitern. Die fünfte und am weitesten im Westen
gelegene Region von Kanada umfasst den Höhenanstieg westlich der Inneren Ebene.
Diese Gegend gehört zu den Nordamerikanische Kordilleren, dem grossen
Gebirgssystem, das sich vom äussersten Süden Südamerikas bis in das westlichste
Alaska zieht.
Daraus ergibt sich, dass die
allgemeinen klimatischen Bedingungen vom extrem kalten Charakter arktischer
Gebiete bis hin zu eher gemässigten Temperaturen in den südlicheren Breitengraden
reichen. Das kanadische Klima besitzt zusätzlich viele regional sehr
unterschiedliche Ausprägungen. In den Maritime Provinces werden die Extremwerte
von Sommer und Winter durch den Einfluss des nahen Ozeans stark gemildert.
Der Weinbau in Kanada
Obwohl die überwiegende Zahl der Weinberge Kanadas
geographisch auf der gleichen Höhe wie das italiensche Chianti oder das
französische Languedoc liegen, haben alle Regionen ein kühles Weinbauklima.
In der grössten Weinbauregion Kanadas, Ontario,
ist das Klima mit sehr kalten Wintern mit durchschnittlich minus 5 °C und sehr
heissen Sommern extrem, aber auf der südlich gelegenen Niagara-Halbinsel durch den mildernden Einfluss der beiden riesigen
Seen Ontario und Erie weit günstiger und fast ideal für den Weinbau. In der
indianischen Sprache bedeutet Ontario übrigens soviel wie "schimmerndes Wasser".
In Ontario werden
folgenden VQA-qualifizierte Wein-Regionen unterschieden:
-
Niagara Peninsula: das
mit Abstand grösste Weinbaugebiet Kanadas mit ca. 5670 ha Rebfläche. Grösstes
Anbaugebiet für Eiswein.
-
Pelee Island: Kanadas
älteste und südlichste Weinbauregion. Fläche ca. 202 ha.
-
Lake Erie North Shore:
Die Rebflächen - ca. 200 ha - geniessen die längste Sonnenscheindauer.
-
Prince Edward Country:
die jüngste und nördlichste Weinbauregion Ontarios.
Das Okanagan Valley in
der westlichen Privinz British Columbia war schon immer die Früchte- und
Gemüsekammer Kanadas. Neben Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pfirsichen, Aprikosen und
allerlei Beeren wurden dort auch Tafeltrauben angebaut. Der 130 Kilometer lange
Okanagan Lake liegt im Norden des Tals. Weiter südlich die wesentlich kleineren
Skaha, Vaseux und Osoyoos Lake. Das Okanagan Valley endet an der Grenze zum
US-Bundesstaat Washington. Grösste Stadt ist Kelowna mit 90 000 Einwohnern.
Die wichtigen
VQA-qualifizierten Weinbaugebiete sind:
-
Okanaga Valley: der
Süden des Okanaga Valley (auch das kanadische Napa Valley genannt) ist
die einzige Region Kanadas mit aridem Klima (Niederschlag ist geringer als die
mögliche Verdunstung). Die jährlichen Niederschlagsmengen belaufen sich auf
ca. 180 mm/Jahr und im Sommer können die Tages-Temperaturen auf 35°C steigen.
Künstliche Bewässerung ist notwendig. Etwa 1500 ha Rebfläche sind bestockt. In
diesem durch den Okanagansee begünstigten Teil fühlen sich die
Bordeauxweinsorten Cabernet Sauvignon,
Cabernet Franc und
Merlot wohl. Im
kühleren Nordteil des Tals fühlen sich die deutschen Rebsorten
Siegerrebe,
Silvaner, Optima und Ortega zuhause. Im mittleren Teil des 180 Kilometer
langen Tals werden Pinot Blanc,
Pinot Gris und
Chardonnay angebaut. Wenn man
in unsern Regionen überhaupt kanadischen Wein erhielt, stammte er zumeist aus
Ontario. Wenn jetzt British Columbia mit dabei ist, liegt das auch an Helmut
Becker, Rebzüchter und Dozent an der deutschen Forschungs- und Lehranstalt für
Weinbau und Kellertechnik in Geisenheim. Er bereiste 1976 das Okanagan Valley,
erkannte dessen Potenzial, machte erfolgreiche Versuche und versorgte
Obstfarmer mit Stecklingen. Zu den Ersten, die im Okanaga-Valley keine Tafel-,
sondern Weintrauben ernteten und verarbeiteten, gehörte vor 20 Jahren das
Schweizer Brüderpaar Leo und Andy Gebert auf dem
Weingut St. Hubertus, Neffen des
Gründers der Geberit-Werke. Auch Beat und Prudence Mahrer aus Basel haben sich
in Kanadas Weinwelt mit ihrer Red
Rooster
Winery (Bild rechts) schnell einen Namen gemacht. Zu den angesehenen
Kellereien gehören auch die Lang
Vineyards von Günter und Kristina Lang aus Stuttgart. In Kanada bekannt
wurden die Langs auf Grund einer Spezialität, die man vorwiegend in Dutyfree
Shops des Landes findet: Canadian Maple Wine aus Pinot noir und Pinot Meunier
mit 15% Ahornsirup. Grösste Attraktion für Weintouristen
ist Mission Hill in der Nähe von Kelowna (Bild rechts). Der Besucher könnte
meinen, im Napa Valley, etwa bei Mondavi oder Opus One zu sein. Die
Architektur der Kellerei- und Besuchergebäude ist beeindruckend. Besitzer ist
Anthony von Mandl aus Vancouver, dessen Familie aus Wien stammt und der sein
Geld mit Limonade gemacht hat. Weitere Erzeuger sind: Quails Gate, Summerhill,
Cedar Creek, Sumac Ridge sowie weiter südlich Inniskillin Okanagan und
Gehringer Brothers. Ebenfalls empfehlen kann man die von der Regierung
finanzierte NK’Mip Cellars oberhalb der Wüstenstadt Osoyoos. Die Kellerei ist
im Besitz der Osoyoos-Indianer beziehungsweise Aboriginals, keinen Verwandten
der australischen Namensvettern.
-
Similkameen Valley:
Das Tal beginnt ähnlich wie Okanaga Valley im wüstenartigen Osoyoos, zieht
sich aber ca. 100 km aufwärts in Richtung Princeton.
-
Vancouver Island:
-
The Fraser Valley:
Auch Québec hat seine Weinregionen. Zwischen
Montréal und Québec-Stadt bei Durham bemühen sich Winzer auf fast 300 ha
Rebfläche Wein aus Hybridreben herzustellen. Das Klima ist kontinental mit
warmen und feuchten Sommern sowie sehr kalten Wintern mit Temperaturen von
minus 30°C. Deshalb wird nach der Ernte im November die Erde zwischen den Rebzeilen
gegen die Rebstöcke gedrückt. So formt man etwa 40 cm hohe und 50 cm breite
Hügel, die den Rebstock vor zu starkem Frost schützen.
Die wichtigsten Anbaugebiete sind:
- Québec
- Lanaudière
- Canton de l'est
- Montégégie
- Basses laurentides
Die Halbinsel Neu-Schottland / Nova Scotia an
der Ostküste Kanadas verfügt im Annapolis Valley in der Nähe der Bay of Fundy
über ca. 100 ha Rebfläche mit überwiegend frostresistente Rebsorten wie die
französischen Hybridreben Maréchal Foch, DeChaunac, Castel 19637, Baco Noir,
Leon Millot und
Seyval Blanc sowie den 2 russischen Hybridreben, Mischurnitz und
Severnyi.
Der Beginn des Weinbaus in Kanada
Schon um 1075 hielt Adam von Bremen fest, dass Svein
Ulfsson, der König von Dänemark, ihm von ausgezeichnetem Wein aus Vinland
erzählte. Wo sich dieses Vinland tatsächlich befand, lässt sich nicht mehr
sagen. Ausgrabungsfunden zufolge lag es möglicherweise an der Ostküste Kanadas
bei L'Anse aux Meadows, einer ehemaligen Wikingersiedlung auf Neufundland.
Anno 1811 legte der deutsche Unteroffizier John (Johann) Schiller am Credit River
bei Toronto ein Weingut mit acht ha Rebfläche an, was als
Geburtsstunde des kanadischen Weinbaus gilt. Er experimentierte mit den dort
vorgefunden Wildreben der Spezies Vitis labrusca. Nachteilig an der
amerikanischen Wildrebe war und ist allerdings der für uns unangenehme
Geschmack, was wohl der Grund für den Misserfolg Schillers sein dürfte.
1866 entstand der erste Weinbaubetrieb auf der Insel
Pelee im Eriesee, dem südlichsten der fünf Grossen Seen Nordamerikas. 3
Gutsherren aus Kentucky pflanzten 8 ha Rebfläche mit der Rebsorte Isabella an. Ende des 19. Jahrhunderts
gab es bereits rund 50 Weinbau-Betriebe, davon die meisten in der Provinz
Ontario. Ab den 1930er-Jahren wurden grosse Mengen an französischen und
amerikanischen Hybriden angepflanzt. Bei der Auswahl der Reben beachtet wurde
vor allem die Frostbeständigkeit.
Die Prohibition 1916 bis 1927 bewirkte im Gegensatz zu den USA einen grossen Aufschwung im Weinbau. Denn
hier war Wein – durch geschicktes Lobbying der Winzer - vom Alkohol-Verbot
ausgenommen. Zu dieser Zeit wurde das bis heute gültige „Liquor Board System“
geschaffen, bei dem der Verkauf von alkoholischen Getränken durch staatliche
Läden erfolgt. Inzwischen wurde eine Lockerung eingeführt und der Verkauf auch durch private Geschäfte erlaubt. Bis in die
1970er-Jahre wurden vor allem süsse, alkoholstarke Weine aus Labrusca-Varietäten
erzeugt, die als Sherry oder Port bezeichnet wurden.
Weinbau in Kanada heute
Heute werden in Kanada Rot-, Rosé- und Weissweine
sowie Schaumweine erzeugt. Weine werden überwiegend trocken ausgebaut, ein
geringer Anteil entfällt auf Süss- und Dessertweine. Die grössten Weinbaugebiete
sind die Niagara Peninsula in Ontario und das Okanagan Valley in
Britisch-Kolumbien.
Eiswein aus Kanada und der Wandel zu europäischen
Rebsorten
Im Jahre 1975 wurde dem Weingut Inniskillin (Niagara-Peninsula, Ontario) die erste Lizenz seit der Prohibition für einen privat
geführten Weinbau-Betrieb vergeben. Es gibt mit denselben Besitzern auch ein Weingut Inniskillin Okanaga in der
Provinz British Columbia. Einer der beiden Gründer war der österreichisch-kanadische
Weinbau-Pionier Karl Kaiser, der die Produktion von Eiswein durchsetzte. Heute ist
das klimatisch dafür begünstigte Kanada der weltweit
grösste Erzeuger von Eiswein, die vor allem aus Vidal Blanc Chenin Blanc und
Riesling gekeltert werden.
Damit begann auch der Wandel und Anbau von
europäischen Vitis-vinifera-Sorten. Die Hybriden machen aber noch immer rund 60%
aus und sind wegen des hohen Ertrages geschätzt. Die häufigste ist die berühmte
rote Concord, aus der vor allem sherry- und portähnliche Weine produziert
werden. Weitere sind De Chaunac, Elvira, Marechal Maréchal Foche, Niagara,
Seyval Blanc und Vidal Blanc. Europäische Sorten sind Alicante, Cabernet Franc,
Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Gamay,
Gewürztraminer, Merlot, Pinot Gris, Pinot
Noir und Riesling. Im Okanagan Valley sind auch die deutschen Neuzüchtungen
Bacchus und
Ehrenfelser vertreten.
Vintners Quality Alliance (kurz VQA)
Im Jahre 1988 wurde das Appellations-System VQA (Vintners Quality Alliance)
eingeführt. Dabei wird die Provinz oder die geographische Herkunfts-Bezeichnung
(Weinbaugebiet) angegeben. Die relativ kleinen
Weinbaugebiete in den Provinzen Nova Scotia = Neuschottland und Quebec sind noch nicht VQA-klassifiziert. Die Weine müssen aus Trauben der Provinz stammen und dort
abgefüllt werden. Es sind nur Hybriden und Vinifera-Sorten zugelassen (keine
nativen Vitis labrusca). Nicht für VQA zugelassene Rebsorten werden zu Portwein-
und Sherry-Imitationen, oder Leichtweinen (bis 7% vol Alkohol-Gehalt)
verarbeitet. Vorgeschrieben sind Mindest-Mostgewichte, aber es gibt keinerlei
Ertrags-Beschränkungen. Bei Nennung der Provinz muss die ebenfalls anzugebende
Rebsorte zu 75%, bei Angabe der geographischen Herkunft zu 85% von dort stammen.
Bei zwei Rebsorten muss die zweite zumindest 10% Anteil ausmachen, bei
Jahrgangsangabe der Wein zu 95% aus diesem Jahr stammen. Die Weine absolvieren
eine Kontroll-Degustation und erhalten bei positivem Bescheid das schwarze, bei
Erreichen von 15 bis 20 Punkten das goldene VQA-Siegel. Alle Angaben auf dem
Etikett müssen in englisch und französisch aufgeführt werden, zum Beispiel Vin de glace
und Icewine für den Eiswein.
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