Libanon -

und seine Weingebiete

 

 

Libanesische Republik. Hauptstadt: Beirut. Fläche: 10'452 km2. Einwohner: 3,7 Mio.

An der Küste erstreckt sich eine schmale Ebene, an die sich landeinwärts ansteigendes Gelände anschließt. Das Landesinnere wird von zwei Gebirgsketten durchzogen, die durch die fruchtbare Beka voneinander getrennt sind.

Das Klima schwankt von der mediterranen Zone an der Küste und in der Beka bis in die etwas kühlere Zone im Gebirgsland. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild und niederschlagsreich. In großen Höhen ist Schneefall nicht selten. Die Durchschnittstemperaturen im Tiefland betragen 27 °C im Sommer und 10 °C im Winter.

In der Antike war das Gebiet ein klassisches Weinbauland und zählt zu den Wiegen der Weinkultur. Es war Teil des historischen Kanaan, das im Alten Testament der Bibel als das phönikische „Land des roten Purpurs“ beschrieben wird. Die Phöniker herrschten in diesem Gebiet etwa 1.200 bis 330 v. Chr. An der Mittelmeerküste entstanden die Stadtstaaten Byblos, Sidon, Tripolis und Tyros, die zeitweise unter dem Einfluss von Ägypten und Assyrien standen. Nach Ausgrabungen in Byblos muss es hier bereits vor 5.000 Jahren eine Weinbau-Kultur gegeben haben. In Baalbek (grch. Heliopolis) – dem heutigen Weinbauzentrum von Libanon im Bekaa-Tal – steht der im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaute (und Anfang des 20. Jahrhunderts ausgegrabene) Tempel für den Weingott Bacchus. Im Verlaufe der Jahrhunderte gab es eine bewegte Geschichte mit ständig wechselnden christlichen und islamischen Herrschafts-Bereichen. Weinbau wurde in einigen Teilen aber immer betrieben und noch im Mittelalter waren die süßen Weine aus Tyros und Sidon sehr beliebt. Im 13. Jahrhundert gehörte lange Zeit das Gebiet zu Venedig und Wein wurde von hier in viele europäische Länder verschifft. Durch die osmanische Eroberung Anfang des 16. Jahrhunderts und dem Wein-Verbot kam der Weinbau völlig zum Erliegen. Dieser wurde erst von französischen Kolonisten wiederbelebt, als im Zeitraum 1920 bis 1946 das Land französisches Mandats-Gebiet war. Im Jahre 2000 wurden von 27.000 Hektar Rebfläche 188.000 Hektoliter Wein erzeugt. Eine große Menge davon dient für die Destillation des Branntweines Arrak mit Anis-Geschmack. Der größte Teil der Ernte wird jedoch als Rosinen und Tafeltrauben produziert. Die wichtigsten Rebsorten für die Wein-Produktion sind die von den Franzosen eingeführten Cabernet Sauvignon, Carignan, Cinsaut, Clairette, Mourvèdre, Merlot, Syrah und Viognier.

Der Großteil der Rebflächen liegen auf der Hochfläche von Ksara im Bekaa-Tal in einer Seehöhe von 1.000 Metern. Das Klima ist für den Weinbau ideal, denn es gibt bis zu 300 Sonnentage im Jahr, kühle Nächte und ausreichenden Niederschlag. Im Jahre 1857 gründeten hier Jesuiten das älteste Weingut Château Ksara. Die Mönche legten in kilometerlangen, natürlichen Felsengängen einen unterirdischen Weinkeller an. Auf den 320 Hektar Rebfläche wachsen Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Grenache und Sauvignon Blanc. Im Jahre 1930 gründete der Franzose Gaston Hochar 25 Kilometer nördlich von Beirut das Château Musar, es umfasst heute 120 Hektar Rebfläche. Der Sohn des Gründers Serge Hochar wurde zur heroischen Legende, als er während des libanesischen Bürgerkrieges in den 1980er-Jahren weiterhin Wein produzierte, obwohl syrische Panzer in seinen Weingärten standen (nur 1984 gab es keine Ernte). Hier wird ein bordeauxähnlicher Rotwein der absoluten Spitzenklasse aus Cabernet Sauvignon (50-80%), Cinsaut und Syrah produziert, der drei Jahre im Eichenfass und weitere vier Jahre in der Flasche reift. Weiters werden eichenfassgereifte, lagerfähige Weißweine aus Obaideh (= Chardonnay), sowie den autochthonen Sorten Merweh und Meroué gekeltert. Über 90% der Musar-Menge geht in den Export. Das Château Kefraya mit 300 Hektar Rebfläche an den Hängen des Berges Barouk erzeugt den „Rouge de K“ aus Cinsaut und Carignan. Nur die besten Jahrgänge werden mit dem Label „Château Kefraya“ vermarktet. Aufstrebende Weingüter sind Clos St. Thomas und Château du Grand Seigneur.