Weingüter Frankreich -

Château Mouton-Rothschild

 

 

Das ”Château Mouton” war ursprünglich ein Teil von ”Château Lafite” und gehörte der Adelsfamilie Ségur. Marquis Nicolas-Alexandre de Ségur (1697-1755) war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Besitzer nebst Lafite und Mouton von Latour, Calon und weiteren Weingütern in Médoc und Graves. Der Marquis zog die endgültige Grenze zwischen den beiden Teilen Lafite und dem benachbarten Mouton, die sich vom Terroir her grundsätzlich unterscheiden.

Der Teil Mouton wurde an den Baron de Brane verkauft, der es "Châteaux Brane-Mouton" nannte. Im Jahre 1830 erwarb es der Bankier Isaac Thuriet. Am 11. Mai 1853 erstand Baron Nathaniel de Rothschild - Sprössling der englischen Linie der berühmten Bankiersfamilie - das damals 35 Hektaren grosse Weingut für die Summe von 1,124 Mio Francs und taufte die Liegenschaft in Château Mouton Rothschild um. Zu jener Zeit bestand das Weingut lediglich aus einigen Scheunen und Hallen, das "Château" bestand nur im Namen!

Das Château Lafite-Rothschild (ebenfalls Pauillac) gehört dem französischen Zweig der Familie.

Mayer Amschel Rothschild war Kaufmann und lebte Ende des 18. Jahrhunderts im Frankfurter Ghetto. Er hatte fünf Söhne und entschloss sich im Jahr 1789 vier von Ihnen in die damals bekanntesten Städte Europas zu schicken. Salomon schickte er nach Wien, Nathan nach London, Carl nach Neapel und James nach Paris. Der fünfte Sohn, Amschel, blieb in Frankfurt. Der Käufer des "Châteaux Brane-Mouton" , Baron Nathaniel, war ein Sohn des Auswanderers Nathan Rothschild.

Das Château mit heute 78 Hektar Rebfläche (davon knapp 90% Cabernet Sauvignon) in der Appellation Pauillac im Médoc wird von vielen als das Bordeaux-Weingut schlechthin und der dort produzierte Rotwein als der bekannteste und beste der Welt bezeichnet. Pauillac ist eine der sechs Gemeinden (die andern fünf sind Listrac-Médoc, Margaux, Moulis, Saint-Estèphe und Saint-Julien) innerhalb des französischen Bereiches Haut-Médoc, die eigene Appellationen sind und den Orts-Namen auf dem Etikett tragen dürfen. Sie ist die bekannteste davon und liegt zwischen Saint-Estèphe und Saint-Julien. Hier wurde schon im 18. Jahrhundert nach holländischem Vorbild das Schwefeln des Weines im Fass eingeführt, um das Nachgären zu verhindern. Die am Mündungstrichter Gironde liegende Stadt Pauillac gilt zu recht als Wein-Hauptstadt des Médoc.

Das Châteaux Mouton-Rothschild muss seinen Rang aber gegen andere, wie zum Beispiel dem Château Pétrus und seinem Bruder Château Lafite-Rothschild verteidigen. Weltweit gibt es kaum ein Weingut mit einem so umfangreichen Merchandising; angefangen von T-Shirt, Poster, Krawatte bis zum Korkenzieher kann man nebst Wein alles kaufen. 

Anlässlich der Weltausstellung 1855 erstellte die Wirtschaftskammer des Bordeaux erstmals eine Klassierung der Provenienzen des Bordeaux (Bordeaux-Klassifizierung). Obwohl das Château Mouton Rothschild aufgrund seiner Qualität in die Klasse der "Premier Cru" aufgenommen werden sollte, entschieden sich die Juroren aufgrund der erst kürzlich erfolgten Handänderung aus dem Jahr 1853, dass man Mouton Rothschild vorerst in die "Second Cru" einteilen würde, ein Umstand, der weit über 100 Jahre Bestand haben sollte. Quasi als Trostpflaster fügte man den Titel "Premier des Seconds" hinzu!

Auf Nathaniel folgte sein Sohn James (1844-1881) der inzwischen französischer Staatsbürger wurde. Sein früher Tod im Jahre 1881 verhinderte die Vollendung seines Projektes, dem Weingut Mouton Rothschild nun auch sein richtiges "Château" zuzufügen. Witwe Thérèse (Grossmutter des Baron Philippe) beendete die Erstellung des im Stile des "Fin de siècle" gehaltenen Gebäudes.

Sohn Henri (1872-1947), ein erfolgreicher Arzt, der aber weniger an Wein, als an Kunst interessiert war, übernahm das Erbe. Schlussendlich gab er dem Drängen seines Sohnes Baron Philippe nach und überschrieb ihm am 22. Oktober 1922 das Château Mouton Rothschild. Wenig hatte auf dem Weingut seit dem 19. Jahrhundert geändert. Kein fliessendes Wasser, keine Elektrizität, keine Zufahrtsstrassen waren vorhanden - eine grosse Aufgabe wartete auf den damals 20-jährigen, neuen Besitzer, welche er denn auch mit viel Elan und Enthusiasmus in Angriff nahm.

Bereits zwei Jahre später, im Jahre 1924 "erfand" Baron Philippe die "Mise en bouteilles au Château", welche dem Käufer fortan die Garantie gab, dass er auch wirklich den Wein erwarb, der auf der Etikette angepriesen wurde.

Er begann auch den bewundernswerten Kampf um die Einstufung als ”Premier Cru Classé”. Er kreierte den berühmten Wahlspruch ”Premier ne suis, second ne daigne, Mouton je suis” (Erster darf ich nicht sein, Zweiter mag ich nicht sein; Mouton bin ich).

Dann kämpfte er mit seinem berühmten Kellermeister Raoul Blondin, der insgesamt 60 Mouton-Jahrgänge kreierte, 51 Jahre lang um die Anerkennung des Weines als Erstes Gewächs. Die Qualität wurde nie bestritten, von offizieller Seite fürchtete man einfach die nicht vorhersehbaren Folgen einer Änderung des unumstösslichen Gesetzes des Jahres 1855. Doch im Jahre 1973 war ihm endlich Erfolg beschieden und der neue Wahlspruch lautete nun: ”Premier je suis, second je fus, Mouton ne change” (Erster bin ich, Zweiter war ich, Mouton ändert sich nicht).

Legendären Ruf geniesst der Jahrgang 1945, der als Jahrhundertwein gilt. Das Etikett trägt den patriotischen Text ”1945 - Année de la Victoire” (Jahr des Sieges) mit dem von Winston Churchill (1874-1965) kreierten Zeichen ”V” für ”Victory”. Der Rotwein verdankt dem Boden (Schotterschicht mit hohem Eisen- und Silikat-Gehalt) seinen besonderen Charakter. Er wird aus Cabernet Sauvignon (85%), Cabernet Franc (10%) und Merlot (5%) gekeltert und 22 bis 24 Monate in neuen Eichen-Fässern ausgebaut. Man sollte ihn bestenfalls nicht vor 10 Jahren öffnen, die Lagerfähigkeit beträgt 60 Jahre und mehr. Das Etikett der Weinflasche wird seit 1946 jährlich von einem anderen berühmten Künstler geschaffen.

Erst 1994 wurde der Zweitwein "La Petit Mouton de Château Mouton Rothschild"  eingeführt. Seit 1991 wird der Weisswein "Aile d´Argent" aus Sémillon (48%), Sauvignon Blanc (38%) und Muscadelle (14%) unter der AC Pauillac produziert. Dieser reift ein Jahr in zu 50% neuen Eichen-Fässern.

Zum Familien-Imperium gehören weitere Weingüter wie Château Clerc-Milon und Château d´Armailhac (beide Pauillac), gemeinsam mit Mondavi das berühmte Opus One (Napa Valley, Kalifornien), Quinta do Carmo (Alentejo, Portugal), sowie ein Joint-Venture mit Concha y Toro in Chile (Rotwein Almaviva). In der Firma La Baronnie werden mehrere Markenwein-Linien produziert, darunter der sehr erfolgreiche "Mouton Cadet". Rechtzeitig zum 75. Geburtstag der Bordelaiser Weinmarke Mouton Cadet hat die Baron Philippe de Rothschild S.A. in Bordeaux ihr erfolgreiches Massenprodukt einem gründlichen Relaunch unterzogen. Die Flaschen erhalten nicht nur eine neue Ausstattung, auch das Geschmacksprofil wurde geändert. Der rote Mouton Cadet präsentiere sich nun „weicher und noch fruchtiger“, die weisse Version „spritziger und rassiger“. Die neue Cuvée des Rotwein erhielt u.a. einen höheren Anteil der Sorte Merlot und wird nur noch im Stahltank ausgebaut.  Das weltweite Absatzvolumen wird auf auf 14,5 Millionen Flaschen beziffert.

Die Baron Philippe de Rothschild S.A., eine Gesellschaft mit Vorstand und Aufsichtsrat, wird zur Zeit von Baronin Philippine de Rothschild geleitet und umfasst zwei verschiedene Geschäftsbereiche: Die Château-Weine (u.a. Mouton Rothschild 1er Cru Classé Pauillac) und die Markenweine, zu denen der bekannte Mouton Cadet, die weltweit führende Marke der Ursprungsbezeichnung Bordeaux zählt.

Die Baronesse Philippine de Rothschild hat das zum Verkauf stehende Nachbar-Château La Fleur Millon, ein Cru Bourgeois in Pauillac, erworben. Der Weinberg von La Fleur Milon liegt genau zwischen ihren beiden Châteaux Mouton-Rothschild und Clerc Milon. Der bisherige Besitzer André Gimenez hatte das kleine Weingut 1958 gekauft und bei seinem Tode seiner ältesten Tochter vererbt. Zu La Fleur Milon gehört ein Weinberg von ca. zehn Hektar, der mit einem klassischen Médoc-Bestand bepflanzt ist: 65 % Cabernet Sauvigoin, 25 % Merlot und zehn Prozent Cabernet franc und Petit Verdot. Rothschild wird wahrscheinlich die Trauben zumindest teilweise verwenden um die Produktion von Clerc Milon zu erhöhen.

Die Adresse lautet:

Château Mouton-Rothschild

Le Pouyalet
Pauillac
Bordeaux 33250
France
 

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Hier finden Sie einen Link zu den Wein-Etiketten Mouton-Rothschild seit dem Jahr 1945...