Wein-Regionen in Australien:

Mudgee - Gulgong

 

 

Das Nest im Hügel

Mudgee ist die Bezeichnung für "Nest im Hügel" der Aborigines und dieser Eindruck trifft heute noch weitgehend zu. Satte Wälder, sanfte Hügel und schön angelegte Weingärten umringen das malerische etwa 8'500 Seelen zählende Städtchen. Mudgee ist für australische Verhältnisse sehr alt. Das "Shire" (Bezirk) wurde im Jahre 1820, also etwa 12 Jahre vor Melbourne, besiedelt und die Stadt selbst ist die zweitälteste Ortschaft westlich des Gebirges der "Great Dividing Range". Sie liegt 261 km oder 3 1/2 Stunden von Sydney entfernt und für die Fahrzeit mit dem Auto nach dem Upper Hunter-Valley müssen ca. 1 1/2 Stunden vorgesehen werden.

Die "Geographical Indication (GIC)" Mudgee umfasst ca. 6.500 km2, wobei ca. 4.500 ha als Rebfläche genutzt werden. Die Region beginnt im Norden bei Dunedoo und reicht bis nach Gulgong, Mudgee, Rylstone und Kandos im Süden. Die Weingärten liegen auf etwa 450-650 m.ü.M. - mit einer Ausnahme. Einige davon befinden sich für australische Verhältnisse auf der enormen Höhe von bis zu 950 m.ü.M. bei der Ortschaft Ilford. Die höchsten Weinberge Europas liegen aber nur knappe 150 m darüber (Visperterminen, Wallis/Schweiz mit 1.100 m.ü.M.).

Auch in der Weinregion Mudgee hatten deutsche Winzer die Nase vorn. Festgehalten ist, dass im Jahre 1850 auf dem Craigmoor-Gut der Familie Roth eine damals unbekannte Rebe guten Weisswein ergab. Die Roth's erhielten den Setzling von Colin Laraghy aus Sydney. Ein französischer Experte erkannte sie als Chardonnay-Rebstöcke und man geht heute davon aus, dass so der Weinbau in Mudgee seine ersten Schritte nahm.

 

Die Weine aus Mudgee

Heute wird für Weisswein nebst Chardonnay (333 ha) auch Semillon (90 ha), Sauvignon Blanc (54 ha), Riesling (23 ha), Traminer (13 ha) und Verdelho (15 ha) kultiviert.

Bekannt wurde allerdings die Weinregion Mudgee vor allem durch die Rotweine. Alleine  Cabernet Sauvignon (594 ha) und Shiraz (588 ha) bedecken ca. einen Viertel der gesamten Rebfläche. Andere rote Varietäten sind gemäss "Mudgee Wine Grape Growers Association (MWGGA) Pinot Noir (52 ha), Merlot (52 ha), Sangiovese, Barbera, Tempranillo und Nebbiolo. Diese Zahlen basieren auf einer Erhebung aus dem Jahr 1998. Nicht alle Vineyards haben sich daran beteiligt. David Lowe ist Präsident der Vereinigung der Weinbauern in Mudgee, die heute ca. 100 Mitglieder zählt.

Bei den meisten Betrieben handelt es sich um Boutique-Wineries, die immer wieder für eine Überraschung gut sind. Überzeugt hat der Riesling von Robert Stein. Aber bei einer kleinen Winery genügt es nicht, einfach guten Wein bereitzustellen.

Herzblut, Charme und gute Weine offeriert hingegen der aus Holland emigrierte Pieter van Gent. Seine Shiraz und Chardonnay's sind Spitze. Aber auf der ganzen Rundreise durch Australien wurden wir von Hoteliers auf den "White Port" Pieter van Gent's aufmerksam gemacht. Hier konnten wir nicht nein sagen und kauften einige Flaschen davon für unsere Freunde in Europa. Selbstverständlich gibt es auch roten Port und weitere "Fortified" und Dessert-Weine. Wir hatten uns bei Pieter van Gent nicht angemeldet. Es war ein Samstag und er stand mit seiner Frau persönlich zur Verfügung und zeigte uns vorbehaltlos jede Ecke seiner einladenden Winery. Schon das Entrée grenzt sich eigenwillig ab (siehe Bilder unten).  Auch Pieter muss den Namen seiner Ports wegen Einsprachen aus Europa ändern, wie sie künftig heissen werden, konnte er uns noch nicht sagen.

Hier einige Impressionen aus dem Haus Pieter van Gent in Mudgee:

Entrée in Richtung Degustationsraum

Pieter van Gent persönlich

und sein White Port

 

Gulgong und sein weisses Gold

Gulgong ist mit 2.500 Einwohnern die zweitgrösste Stadt des Shires Mudgee und scheint in der Goldgräberzeit (1850 - 1880) stehen geblieben zu sein. Da gibt es beispielsweise ein "Opera House" im "Prince of Wales Hotel". Ein Bau aus den frühen 1870er Jahren und ein Relikt aus der Goldrauschzeit, die Gulgong's Einwohnerzahl kurzzeitig in die Höhe trieb. Gleich gegenüber des früheren Elektrizitätswerks findet man noch eine alte Garage, ein Überbleibsel aus den ersten Tagen des Autobaus. Das "Gulgong Pioneers Museum" ist in der ehemaligen Times Bakery untergebracht und wird in den örtlichen Werbebroschüren als "propably the best known folk museum in New South Wales" angepriesen. Das Henry Lawson Center erinnert an diesen bekannten australischen Schriftsteller. Er verbrachte einige seiner frühen Kindheitsjahre bei Gulgong.

Kaolin ist ein feiner, eisenfreier, weisser Ton, der noch unzersetzte Feldspatteilchen enthält und zur Papierherstellung und Porzellanbereitung dient (Porzellanerde, Porzellanton). Es wird hier "The white gold of Gulgong" genannt und kunstvoll verarbeitet in Ceramic-Galleries angeboten.

Der tatsächliche Goldrausch startete etwa 20 Jahre nach den ersten Funden in Ophir, Turon River und Hill End, also etwa um 1870. In kurzer Zeit blähte sich die Bevölkerung Gulgongs auf mehr als 10.000 Einwohner auf. Hier einige Strassenbezeichnungen aus dieser Zeit: Eureka, Happy Valley, Coming Event, Star und Gambler's Retreat. Es gab auch ein Shamrock-Theatre, das anno 1872 mit insgesamt 700 Sitzplätzen zum Verkauf angeboten wurde. Innerhalb 5 Jahren schwanden die Gold-Vorkommen und etwa um 1880 war das Spektakel zu Ende. Gulgong wurde zu dem kleinen Nest, das es heute noch ist - aber mit grosser Vergangenheit.   

 

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