Wo sich einst die Römer mit Hannibal schlugen, finden
sich die bekanntesten Anbaugebiete Spaniens. Entlang des Flusses Ebro und
weiter im Norden
und
Nordwesten wird der bekannte Rioja angepflanzt. Bei der Nummer eins unter
Spaniens Weinen handelt es sich um einen kräftigen Roten. Dieser kann
schon mal über 12% Alkohol aufweisen, so z.B. aus der
DOCa Priorato.
Trotz des historisch nachweisbaren Weinbaus bereits
zur Römerzeit, reicht der moderne Anbau nur bis ins 19. Jahrhundert zurück.
Damals stellten die Winzer ihre Lagerungsmethoden um und waren zugleich
Nutznießer der Reblausplage in Mitteleuropa. Die ganze nordspanische
Region wurde zu einem Mekka für Qualitätsweine erklärt. Ausländische Händler
begannen die Weine zu importieren.
Das Gebiet um Navarra profitierte davon auch. Hier
gedeihen, damals wie heute, ganz überwiegend frische, aromatische Rosé-Weine.
Um den Erfolg der Navarra-Weine langfristig zu sichern, wird hier
Winzertum mit Wissenschaft verknüpft. In der Stadt Olite nimmt ein
angesehenes Forschungsinstitut die Reben unter die Lupe.
Weine aus Kastilien
Ribera del Duero und Valdepeñas
Klima und Boden prägen den Charakter eines Weines; eine Binsenweisheit.
Doch im Falle des Ribera
del Duero trifft sie im besonderen Maße zu. Fast aussschließlich in
Höhenlagen über 800m reift er heran. Der Wein aus dem Norden Kastiliens
profitiert vom vorherrschenden Binnenklima: lange, frostreiche Winter und
kurze, heiße Sommer. Das Ergebnis ist ein Roter mit dezenter Säure. Bei
fachgerechter Lagerung kann er seine Qualität noch steigern. Der deutsche
Verbraucher muss sich indes strecken, um diesen Wein zu ergattern. Er ist
meist nur im Fachhandel erhältlich.
Ganz im Süden Kastiliens - rund um La Mancha - wird
der Valdepeñas
angepflanzt. Im "Tal der Felsen" (die wörtliche Übersetzung
von Valdepeñas) findet der Kenner fruchtige, aromareiche Rote vor, die
kaum etwas mit der Schwere eines Rioja gemein haben. Die Geschichte des
Anbaus reicht bis in vorrömische Zeit zurück. Zu Zeiten der spanischen
Habsburger florierte der Handel mit der 1561 gegründeten Stadt Madrid.
Nach Mitteleuropa gelangten die Weine aus der Region erst mit dem Ausbau
der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Heute gehört
der Valdepeñas hierzulande zu den bekannteren spanischen
Weinerzeugnissen.
In Katalonien
Penedés
Hier wächst die große Ausnahme: ein namhafter Weißer. Neben der Region
um Rueda
ist das etwas Besonderes im Land der roten Weine. Rund um die Stadt Penedés
lagert in den Kellern ein leichter und bekömmlicher Weißwein.
Doch die inzwischen beim Fachpublikum geschätzten
Weine, werden in dieser Qualität erst seit den 60er Jahren abgefüllt.
Schuld daran trägt die Experimentierfreudigkeit der dortigen Winzer und
der damals einsetzende Cava-Boom. Für die Schauweinprodukte benötigten
die Erzeuger gesunde, früh gelesene Trauben. Findige Winzer erkannten
ihre Chance und verschafften sich neben dem reinen Zulieferdienst ein
zweites Standbein. Sie setzten auf weißen Wein und hatten Erfolg.
Rueda
Riesige Kornfelder dominieren diese flache, bevölkerungsarme
Landschaft - die nicht umsonst als "Brotkorb Spaniens" bekannt
ist - in der stets Stille herrscht, sieht man einmal von dem Brummen der
landwirtschaftlichen Fahrzeuge ab. Rueda liegt am Südlichen Ufer des
Flusses Duero, und obgleich die Region insgesamt sehr groß ist, sind die
wenigen Rebflächen hier konzentriert.
Dies ist eine der wenigen Gegenden, deren Boden sich
stark von dem der übrigen Weinbaugebiete Spaniens unterscheidet. Er ist
eisenreich, mit wenig Kalkstein, Lehm oder Sand, und mit guter Entwässerung,
und ermöglicht so eine Produktion von Weinen mit ausgewogener Säure. Das
Klima ist hart, mit wenig Niederschlägen, bitter kalten Wintern und sehr
heißen Sommern.
Von alters her wurde in Rueda Rancio-Wein für die nördlichen
Industriestädte erzeugt, der heute jedoch beinahe vollkommen hinter den
leichten Tischweinen der so sehr gepriesenen Verdejo-Rebsorte zurückgeblieben
ist, der die erst kürzlich eingetuhrten Viura und Sauvignon Blanc zur
Seite stehen. Unter der Aufsicht des Consejo werden nur Weißweine
erzeugt, wobei Rueda-Superior-Weine mindestens 85 Prozent Verdejo
enthalten müssen. Die Jahrgänge 1994 und 1995 ließen die wahren Möglichkeiten
dieser köstlichen, fruchtigen, trockenen Weine zutage treten.
Penedés
Die bedeutendste Weinregion Kataloniens entstand in den
späten 1960er und 1970er Jahren. Einen Großteil ihres Erfolges und ihres
Innovationsgeistes macht die Lage in der Nähe der aufregenden,
internationalen Hafenstadt Barcelona aus.
Die Römer hatten eine starken Einfluß auf den
Penedes, jedoch war es eine bis 1960 vergleichsweise unbekannte
Weinregion, als der Bürgermeister von Barcelona beschloß, die Region
sollte den Bedarf der Stadt an preiswertem rotem Wein decken.
Ironischerweise war der Penedes zu jener Zeit weit besser dazu geeignet,
weiße Weine zu erzeugen, aber man bekam die Bodegas von dem langweiligen
alten Stil der rancio-Weine weg, die bis dahin hergestellt wurden. Dies führte
dazu, daß die wagemutigeren Weinerzeuger die neue Lage erforschten und
Experimente mit qualitativ höherwertigen und eleganten Weinen machten,
das gleiche, womit man gerade auf der anderen Seite der Grenze in
Languedoc-Roussillon in Frankreich zu arbeiten begann. Man kaufte neue
Anlagen und Installationen, die seitdem fortwährend erneuert worden sind,
und es erschienen neue Rebsorten und neue Praktiken in den Weinbergen. Es
gibt dort drei hauptsächliche Höhenlagen: Die Meereshöhe, die mittlere
Ebene um 400 Meter und der höchste Teil in den Bergen um rund 600 Meter.
Die Böden sind unterschiedlicher Natur: Auf Meereshöhe sind sie
sandiger, während in den Bergen mehr kreidehaltiger Kalkstein zu finden
ist. Überall ist die Dreinage gut.
Im allgemeinen
ist das Klima warm und recht feucht, mit hohen Temperaturen im Sommer und
sehr kalten Bedingungen im Winter; in den höhergelegenen Weinbergen
besteht ein ernstes Risiko von spätem Frost. Die Winzer nutzen diese
klimatischen Schwankungen zu ihrem Vorteil und pflanzen heutzutage eine
breite Auswahl an einheimischen und ausländischen Sorten in jenen
Gebieten, die am besten für die Entwicklung ihrer charakteristischen
Eigenschaften geeignet sind. Chardonnay und Pinot Noir, zusammen mit
Xarel.lo und Tempranillo werden insbesondere in den Bergen angepflanzt, da
mehr Frucht und Säure gefragt sind.
Die Produktion liegt bei rund 140 Millionen Litern
verteilt über eine große Vielzahl von Rotweinen, Rosados und Weißweinen,
sowohl als sortenreine Weine als auch in Verschnitten. Die Weißweine
geben die Richtung an, jedoch ziehen die roten schnell nach. Die meisten
Rosados und Weißweine werden jung verkauft, aber viele Rotweine werden in
Eichenfässern ausgebaut. Mit Sicherheit sind manche der Tempranillo- und
Cabernet-Sauvignon-Sorten so gut wie jene, die man an anderen Orten
Spaniens finden kann. Gute Chardonnays zu annehmbaren Preisen stehen im
Vordergrund, und ein besonderer Erfolg wurde mit den neuen
Weinbereitungsmethoden erzielt sowie mit dem Parellada. Zu alledem sind
die Katalanen Freunde innovativen Designs, und dies hat dazu geführt, daß
manche äußerst avantgardistische und farbenfrohe Flaschenausstattungen
kreiert wurden.
Aperitiv-Wein aus Jerez
Der feine Sherry
James Bond verschmäht ihn nicht und ältere Damen
trinken ihn angeblich in rauhen Mengen. Die Rede ist vom Sherry.
Dieser Aperitif-Wein kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon
die Phönizier sollen um 800 v.Chr. mit diesem Wein gehandelt haben.
Seinen Namen verdankt der wohl den maurischen Herren im Spanien des
Hochmittelalters. Der Begriff Sherry lässt sich demnach auf die arabische
Bezeichnung für die Stadt Jerez zurückführen.
In den folgenden Jahrhunderten fand der Sherry auch
großen Zuspruch in den nördlichen Regionen Europas. Englands
National-Dichter Shakespeare erkor das Getränk aus Jerez gar zum besten
Wein der Welt. Auch heute noch gilt der Wein aus dem Süden Andalusiens
als einzigartig. Denn die klimatischen Gegebenheiten sind nicht kopierbar
und somit wird zukünftig außerhalb der Region um Jerez kein Sherry
produziert werden.
Die Spezialitäten:
-
Rioja: kräftige, tanninreiche Rotweine, die
auch mal über 12 % Alkohol haben können.
-
Navarra: frische, aromatische Rose-Weine.
-
Penedes: leichte, bekömmliche Weißweine
wie etwa der bekannte Via del Sol aus dem Hause Torres.
-
Valdepeñas: fruchtige, aromareiche
Rotweine, die nicht allzu schwer sind.
-
Ribera del Duero: Rotweine mit dezenter Säure,
die nach längerer Lagerung durchaus charaktervoll werden.
-
Crianza: mindestens zwei Jahre gereift,
davon mindestens sechs Monate in Eichefässern (in manchen
D.O.-Gebieten mindestens ein Jahr).
-
Reserva: mindestens drei Jahre Reife bei
Rotwein, davon ein Jahr in Eichenfässern. Für Rosé- und Weißweine
gelten mindestens 24 Monate, davon sechs Monate in Eichenfässern.
-
Gran Reserva: Spitzenrotweine, die
mindestens fünf Jahre gereift sind, davon 24 Monate in Eichenfässern.
Rosé- und Weißweine mit Mindestreifezeit von vier Jahren,
wobei wenigstens sechs Monate im Eichenholz zu absolvieren sind.
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