Die Weinregionen in

Südafrika - Teil 1 

 

GESCHICHTE DES WEINBAUS IN SÜDAFRIKA

von Eduard Vuilleumier, Weinberater und Leiter der Ernesto Pauli Weinseminare, mehr unter www.weinberatung.ch

 

„Die Fortschritte, die wir machen, geben Südafrikanern ebenso wie den anderen Völkern dieser Welt Hoffnung für und Vertrauen in die Zukunft unseres Landes. Sie sind fest entschlossen, zur Weiterentwicklung unseres Landes beizutragen und so das Vermächtnis unserer geteilten Vergangenheit zu überwinden.“

 

Präsident Thabo Mbeki

 


Die Anfänge
 

1652 gründet Jan van Riebeeck von der Holländischen Ostindien-Gesellschaft eine Siedlung am Kap und wird ihr Gouverneur. Er erkennt schnell das Potential in Klima und Böden und bestellt Setzlinge aus Frankreich, die 1655 Südafrika erreichen. Die Gesellschaft will hier eine Zwischenverpflegungs-Station errichten, damit die Schiffe auf dieser wichtigen Handelsroute frische Vorräte an Bord nehmen können. Ziel ist, dass die Schiffe der Niederländisch-Ostindischen Kompanie auf der Überfahrt von Holland nach Osten nicht so viele Seeleute durch Skorbut (Vitaminmangel) verlieren, denn Wein ist weniger verderblich als Wasser. Der erste Wein wird am 2. Februar 1659 gekeltert. Weitere Plantagen werden in Roscheuvel - das heutige Bishopscourt - angelegt und van Riebeeck unterstützt die Siedler beim Weinanbau, obwohl er selbst nicht viel darüber weiß. Ebenso wenig wissen die ersten Siedler, die "Free Burghers" (freie Bürger), die hauptsächlich Seeleute und Abenteurer sind; entsprechend wird auch die Qualität gewesen sein.


Die Hugenotten
 

In Europa herrscht derweil ein Glaubenskrieg, der in der Bartholomäusnacht (1572) und in der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685) die französischen Protestanten, die sogenannten Hugenotten, dazu zwingt, Frankreich zu verlassen, um in anderen Ländern ihren Glauben ohne Verfolgung ausüben zu können. Einige von ihnen werden von der Holländischen Ostindien-Gesellschaft angeworben und kommen so ab 1688 ans Kap. Sie lassen sich zum größten Teil im Franschhoek-Tal (französisches Eck) nieder und bringen ihr Wissen um den Weinbau aus Frankreich mit. Der spätere Gouverneur Simon van der Stel, der vom Weinbau wesentlich mehr versteht als van Riebeeck, gründet 1679 Stellenbosch, 35km östlich von Kapstadt, weil er dort geeignetes Klima und gute Böden vorfindet. Stellenbosch und Franschhoek bilden heute einen Schwerpunkt im südafrikanischen Weinbau. Simon van der Stel gründet auch das Weingut Constantia und verbringt dort seinen Lebensabend. Heute ist es in die Weingüter Groot Constantia, Klein Constantia und Buitenverwachting aufgeteilt.


Der Aufschwung
 

Während des englisch-französischen Krieges werden in England hohe Schutzzölle auf französische Weine erhoben. Dadurch verringert sich das Weinangebot in England und man beginnt sich der Weine aus Südafrika zu bedienen. Bevorzugt werden die Süßweine, Sherrys und Portweine vor allem von Constantia, was zu einer wirtschaftlichen Blüte in Südafrika führt. Die Anzahl der Rebstöcke wird innerhalb von 45 Jahren von 13 auf 55 Millionen erhöht und die Weinproduktion steigt von 0,5 auf 4,5 Millionen Liter. Dabei wird jedoch wenig auf Planung und Qualität geachtet, was sich später rächen wird. Die zweite Blüte der Constantia-Weine beginnt 1778, als die Familie Cloete Groot Constantia kauft. Der russische Zar, Napoleon, Louis XVI und viele andere europäischen Herrscher schätzen die süßen Weine aus Südafrika, der Vin de Constance wird große Mode.


Der Fall
 

Schlechte Planung und geringe Qualitätsstandards führen seit 1860 dazu, dass sich die Reblaus am Kap ungehindert ausbreiten kann. Es gibt gewaltige Überproduktionen mit geringer Qualität, die Briten senken nach dem Krieg wieder die Schutzzölle für französische Weine und der Export südafrikanischer Weine bricht zusammen.


Die Renaissance
 

1906 wird die erste Winzervereinigung gegründet, 1918 die Kooperatieve Wijnbouwers Vereniging van Zuid Afrika (KWV). Die Genossenschaft legt Qualitätsstandards fest, führt Qualitätskontrollen ein, limitiert die Produktion, bestimmt den Mindestpreis und kontrolliert fast den gesamten Export - alles Maßnahmen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen des Zusammenbruchs. 1925 kreuzt Professor Perold an der Universität von Stellenbosch Pinot Noir und Cinsault (dazumal Hermitage genannt) und nennt die neu entstandene Sorte Pinotage, aber erst 1961 kommen erste Pinotage-Weine auf den Markt. 1935 wird die Stellenbosch Farmers Winery (SFW) gegründet, die eine große Reihe von Weinen vermarktet, 1945 entsteht die zweite große Erzeugergemeinschaft Distillers.


Die Neuzeit
 

Durch das Ende der Apartheid 1993/94 öffnen sich die Weltmärkte wieder für südafrikanische Weine und die Weinwirtschaft erlebt einen neuen Aufschwung. Trotzdem kommt die Wirtschaft nur langsam in Gang und die Qualität der Weine nimmt erst langsam zu, da der Weinmarkt fast 80 Jahre durch die KWV überreguliert und dominiert wurde und dadurch nicht flexibel ist. Da die Produktion für den einheimischen Verbrauch zu groß ist, muß viel exportiert werden. Weltweit steigt die Nachfrage nach südafrikanischen Weinen, die auch langsam aber zunehmend in guter Qualität erzeugt werden. Schon jetzt gibt es Weine, die von Weinkritikern in den hohen 90er Punkten bewertet und für die zum Teil hohe Preise bezahlt werden. Es gibt zahlreiche Investitionen aus der ganzen Welt in das Weinland Südafrika - der Weg ist geebnet. Die besten und teuersten Weine aus Südafrika sind heutzutage im Allgemeinen Cuvées aus den typischen Bordeaux-Rebsorten im Stil der Alten Welt.
Der einflussreiche amerikanische Wine-Spectator hat sich in seiner Maiausgabe 2004 den Weinen Südafrikas gewidmet. Der Autor James Molesworth vertritt darin die These, dass sich der rasante Qualitätsanstieg der Weine vom Kap vor allem einem Trend verdanke: Weg vom Pinotage, hin zu Cabernet Sauvignon und Syrah.
Der moderne, fruchtgeprägte Stil südafrikanischer Weine zu attraktiven Preisen habe nicht zu einem Verlust des regionalen Charakters geführt. Vielmehr sorge der inhomogene Stil der Kap-Rotweine für vielfältige Spielarten. Die vom Wine Spectator empfohlenen Weine werden daher reichlich mit über 90 Punkten bewertet.




DIE WICHTIGSTEN REBSORTEN UND WEINREGIONEN IN SÜDAFRIKA

 

Die Rebsorten


Die Anbaufläche der noblen Traubensorten wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Merlot, Sauvignon Blanc etc. nimmt immer mehr zu. Die Kellertechniken sind verfeinert worden und die neuen Reben, die gepflanzt wurden und laufend werden, ergeben immer bessere und fruchtigere Weine. (Bild links Rebberge auf dem Weingut Buitenverwachting)


Die Pinotage-Weine sind, sofern im Eichenfass ausgebaut und konzentriert, von sehr intensiver Struktur. Die stark ausgeprägten Tannine machen diese Weine zu idealen Begleitern von Mahlzeiten. Pinotage ist dadurch in Bezug auf die Lagerfähigkeit einem Cabernet Sauvignon ebenbürtig. Im Jahre 1995 wurde ein Pinotage-Produzenten-Verband gegründet, der heute rund 169 Mitglieder zählt. Jährlich kürt dieser die 20 besten Pinotage, aus welchen dann die besten 10 für den prestigeträchtigen Top-Ten-Award ausgesucht werden.

 
Mit den wohlschmeckenden würzigen Shiraz-Weinen hat Südafrika in den letzten Jahren viel Aufsehen erregt.
Auch Sauvignon Blanc ist auf gutem Weg, sich eine breite Konsumentenbasis in Europa zu schaffen. Nicht zu unterschätzen ist auch Chenin Blanc. Diese Traube wurde in Südafrika lange bloss für Alltagsweine gebraucht. Das hat sich mit den neuen, innovativen Weinmachern geändert. Diese haben den Wert der Traube auch für Qualitätsweine neu entdeckt.

 
Die Roten noblen Rebsorten nehmen kontinuierlich zu: Für 2002 beanspruchen sie ca. 36.2 %, die weissen Rebsorten ca. 63.8% der gesamten Rebfläche. Neueste Zahlen für 2003 sprechen von ca. 41% rot und 59% weiss.
 

 

Die Weinregionen Südafrikas
 

Stellenbosch (Bild rechts), das zur Coastal Region gezählt wird, gehört zu den bekanntesten Weinbaugebieten Südafrikas. Mit ca 15 937 ha nimmt es 15,3% der gesamten Reb­fläche Südafrikas ein. Sandstein und Granit bestimmen den Bodencharakter in Stel­lenbosch. In nahezu allen Weinbaugebieten des Kaps ist die weiße Chenin Blanc-Traube noch vorherrschend: In Stellenbosch geht ihr Anteil von 14,7% jedoch kontinu­ierlich zugunsten von internationalen Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay und Merlot zurück.

 

Unmittelbar nördlich von Stellenbosch schließt sich eines der größten Weinbaugebiete Südafrikas an: In Paarl (17 155 ha) wachsen die Rebstöcke auf Granit, Sandstein und Schwemmboden. Die Sommer sind hier vergleichsweise heiß und trocken. Da das Gebiet weiter vom Ozean entfernt ist, fehlen in Paarl die kühlenden Meereswinde; überall ist eine künstliche Bewässerung notwendig. Die Rebsorte Chenin Blanc be­deckt hier 20,7% der Rebfläche. Paarls Rebflächen werden zunehmend mit Sau­vignon Blanc und Pinotage bestockt.

 

Auch die Weingüter des bei Kapstadt gelegenen kleinen Weinbaugebietes Constantia zählen zur Coastal Region. An den auslaufenden Hängen des Constantiaberges be­stehen die Böden vorwiegend aus Granit, Schiefer und Sandstein. Kalkeinschlüsse ermöglichen hier eine gute Feuchtigkeitsaufnahme.

Insbesondere für den Anbau von Premium-Rebsorten ist die Gegend gut geeignet. Unter den weißen Rebsorten finden sich Sauvignon Blanc, Chardonnay, Rhein-Riesling, Gewürztraminer und Chenin Blanc; neben Cabernet Sauvignon, und Pinot Noir sind Merlot und Cabernet Franc die Vertreter der roten Rebsorten.

 

Auch das kleine Weinbaugebiet Durbanville wird zur Küstenregion gezählt. Seine Trauben sind bei Großvermarktern sehr gefragt. Auch hier ist der Chenin Blanc die bestimmende Rebsorte.

 

Ein relativ junges Weinbaugebiet ist Swartland, ebenfalls zur Coastal Region gehörig. Nördlich von Paarl gelegen, erstreckt es sich von Durbanville bis zur Region westlich des Berg River und  bis hin zum Atlantischen Ozean. Seine Fläche umfaßt inzwischen rund 11.000 ha. Der Weinbau konzentriert sich um die Hügel rund um Malmesbury, Perdeberg, Riebeek West, Riebeek Kasteel und Darling. Der Boden ist fruchtbar, und aufgrund seiner lehmigen Strukter verfügt er über eine gute Wasserspeicherfähigkeit. Neben Chenin Blanc (43,9%) sind hier die roten Rebsorten Pinotage (7,7%) sowie Tinta Barocca (4,2%) vertreten.

 

Das Anbaugebiet Worcester gehört zur Region Breed River Valley Region und zählt wegen seiner Fläche zusammen mit Paarl (jeweils rund 17%) zu den größten des Landes. Die Weinberge befinden sich an Flußläufen, die das Gebiet zahlreich durchziehen. Hier ist das Klima wärmer als in den Küstengebieten und macht Sprinklerbewäserung erforderlich. Der Chenin Blanc wird ergänzt um Colombard und Hanepoot. Von den Trauben wird ein breites Spektrum von Saft bis Brandy erzeugt.

 

In einer Verlängerung des Breed River Valley schließt sich südlich von Worcester das Anbaugebiet Robertson an. Es umfaßt 10% der Rebfläche Südafrikas und zählt damit zu den flächenmäßig großen des Landes. Hier befinden sich die kalkhaltigsten Böden des Kaps. Mit 44 verschiedenen Rebsorten ist der Weinbau in diesem Gebiet sehr vielfältig. Als Rotweinspezialität hat sich der Shiraz hier einen Namen gemacht.

 

Olifants River, Südafrikas nördlichste Weinbauregion, ist mit seinen Destillaten und Dessertweinen bekannt geworden. Ein aufgespriteter Süßwein des Gutes Brakfontein bei Citrusdal soll um 1815 Napoleons Exil auf St. Helena versüßt haben. Das trockene, warme Klima am Olifants River verlangt nach einem umfangreichen Bewässe­rungssystem. Neben Südafrikas Klassiker Chenin Blanc dominieren hier French Blanc, Hanepoot und Colombard.

 

Little Karoo ist eine regenarme, vom Meer abgewandte Gebirgsregion. In den Talsohlen und an den Flußböschungen finden sich jedoch die fruchtbarsten Böden Südafrikas. Auf großen Plantagen werden vor allem Sherry-Grundweine, Branntweine und Süßweine hergestellt. Als Rebsorten sind Muscatel, Cinsaut, White French, Saint Emilion und Folle Blanche vertreten. Eine touristische Attraktion Klein Karoos sind auch die zahlreichen Straußenfarmen.

 

Isoliert gelegen ist das Weinbaugebiet Orange River im Landesinnern, das mit seiner 24.000 ha großen Anbaufläche für den Qualitätsweinbau eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die Winzer haben in ihrer Vermarktung mittlerweile auch auf die Weintou­ristik gesetzt.

 

Quer durch die Weinbauregionen hindurch wurden 13 Weinrouten eingerichtet, auf denen die Besucher sich von der Qualität der südafrikanischen Weine vor der Kulisse einer außerordentlich schö­nen Landschaft überzeugen können.

 

Hier geht es weiter zum Teil 2 unseres Südafrika-Wein-Reports....