Türkei -

und seine Weingebiete

 

 

Republik Türkei. Hauptstadt: Ankara. Fläche: 779'452 km2. Einwohner: 67 Mio.

Die Türkei lässt sich in sieben geographische Regionen einteilen: Thrakien und das Küstenland des Marmarameeres; die Ägäische bzw. Mediterrane Region; das Gebiet am Schwarzen Meer; Westanatolien; das inneranatolische Hochland; das östliche Hochland sowie Südostanatolien.

An den Mittelmeerküsten herrscht ein mediterranes Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden, regenreichen Wintern. Istanbul verzeichnet eine durchschnittliche Temperatur von 0 °C im Januar und von 23 °C im Juli.

Das Land hat eine uralte Weinbau-Tradition, schon im 4. Jahrtausend v. Chr. gab es kultivierte Rebflächen in Anatolien im Gebiet Transkaukasien (das gemeinsam mit Mesopotamien als Wiege der Weinkultur gilt) und an der Küste des Kaspischen Meeres. Bei Ausgrabungen in der im 7. Jahrtausend vor der Zeitrechnung erbauten Stadt Catal Hüyük fand man Darstellungen, die eine Weinherstellung sogar schon zu dieser Zeit vermuten lassen. Die noch heute kultivierte Rebsorte Kalecik Karasi kannten schon 2000 v. Chr. die Hethiter Nahe der Grenze zum Iran und zu Armenien liegt der Berg Ararat, wo nach dem Alten Testament in der Bibel Noah mit seiner Arche landete und "zum Weinbauern wurde". Durch die Islamisierung des Landes und das damit verbundene Wein-Verbot kam es im 8. Jahrhundert zum ersten Einschnitt im Weinbau. In der osmanischen Periode (1300-1920) wurde es lediglich den christlichen Minderheiten wie Griechen und Armeniern erlaubt, gegen eine höhere Steuerabgabe Wein zu produzieren.

In der so genannten Tanzimat-Periode (Tanzimat = Reform) wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Weinbau wiederbelebt und der Export stieg – bedingt durch die Reblaus-Katastrophe in Europa – bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf 30 Millionen Liter jährlich. Nachdem beim Frieden von Lausanne im Jahre 1923 große Landflächen unter anderem an Griechenland abgetreten werden mussten und der Grossteil der für den Weinbau wichtigen griechischen Minderheit das Land verliess, kam es neuerlich zu einem Niedergang. Ab dem Jahre 1925 versuchte die neue Republik unter Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) durch entsprechende Massnahmen, den Weinbau neu zu beleben. Der als Weinliebhaber bekannte Staatsmann ebnete den Weg für die Entstehung technisch fortgeschrittener privater Weingüter. Im Jahre 1926 gründete Nihat A. Kutman in Istanbul die Kellerei "Maison Vinicole" (später Doluca). Der nächste war im Jahre 1929 Cenap And in Ankara, der seinen Betrieb Kavaklidere (Pappeltal) nannte. Beide gehören neben den Unternehmen Sevilen in Izmir und Kutman in Istanbul noch heute zu den größten privaten Erzeugern.

Aber auch heute werden von den 590.000 Hektar Rebfläche nur weniger als 5% für die Weinproduktion mit 320.000 Hektoliter per anno genutzt. Rund dreiviertel der Ernte wird für Tafeltrauben (weltweit grösster Produzent), ein Fünftel für Rosinen (nach den USA weltweit zweitgrösster Produzent) und drei Prozent für den honigähnlichen Trauben-Sirup Pekmes verwendet.

Die bedeutendsten Weinbaugebiete sind die ägäische Küste, Marmaris, Anatolien und Thrakien, wo fast zwei Drittel der Weine produziert werden. Vorwiegend werden trockene bis süße Tafelweine erzeugt, die zumeist alkohol- und säurearm sind. Nur besonders gute Qualitäten reifen ein bis zwei Jahre im Fass. Schaumweine werden zumeist aus Muskattrauben gewonnen. Es existieren weit über 500 Rebsorten (viele davon autochthon), die nur zu einem geringen Teil amtlich erfasst sind. Die häufigsten sind die roten Bogazkere (in der Region Diyarbakir), Cubuk, Kalecik Karasi (Region Ankara) und Öküzgözü (Region Elazig) sowie die weißen Emir (in den Regionen um Nevşehir, Kırşehir und Niğde), Masandede, Narince (vor allem in der Region Tokat) und Sultaniye - Sultana (bei Ege).

Forciert werden neuerdings auch Sorten wie Cabernet Sauvignon, Carignan, Chardonnay, Gamay, Merlot, Pinot Noir, Riesling und Sémillon. Die staatliche Alkohol- und Tabak-Monopol-Gesellschaft Tekel (die privatisiert werden soll) produziert auf ihren Weingütern fast die Hälfte des Weines. Gute Qualitäten werden von den privaten Firmen Diren, Doluca, Karmen, Taskobirlik und Kavaklidere produziert. Zu den besten türkischen Weinen zählen die Rotweine Buzbag, Villa Neva und Yakut sowie die (in der Türkei bevorzugten) Weißweine Cankaya, Thrakya (Sémillon) und Villa Doluca (Sultaniye und Sémillon). Das wichtigste alkoholische Getränk in der Türkei ist aber der aus getrockneten Weintrauben (fast ausschließlich von Tekel) hergestellte Raki, dem im zweiten Destillations-Vorgang Anis zugesetzt wird. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Wein liegt unter einem Liter. Die Türkei unternimmt große Anstrengungen, an den westlichen Qualitäts-Standard anzuschließen.