Tunesien -

und seine Weingebiete

 

 

Tunesische Republik. Hauptstadt: Tunis. Fläche: 164'418 km2. Einwohner: 10 Mio.

Die Landesfläche von Tunesien lässt sich von Norden nach Süden in vier naturräumliche Einheiten untergliedern: Im Norden durchziehen die niedrigen Ausläufer des Tellatlas das Land von Südwesten nach Nordosten. Weiter südlich folgt eine Hochebene mit einer durchschnittlichen Höhe von 610 m. Noch weiter im Süden schließt sich eine Steppenlandschaft mit einigen Salzseen an, die von den Einheimischen Schotts (auch Chotts) genannt werden. Einige dieser Seen liegen unterhalb des Meeresspiegels. Südlich dieser Region beginnt die Sahara. Sie bedeckt etwa 40 Prozent der Landesfläche Tunesiens.

Im Norden von Tunesien herrscht im Allgemeinen ein mildes mediterranes Klima. Hier lebt der überwiegende Teil der Bevölkerung. Die Temperaturen betragen durchschnittlich 8,9 °C im Januar und 25,6 °C im Juli.

Schon in der Antike gab es im damaligen Karthago Weinbau. Nach der Eroberung durch die Türken im Jahre 1574 und das damit verbundene islamische Wein-Verbot kam er völlig zum Erliegen. Im 19. Jahrhundert legten französische und italienische Kolonisten auf der Halbinsel Cap Bon Rebflächen an. Ab da wurde Weinbau wieder professionell betrieben. Um 1930 wurde per anno bereits über eine Million Hektoliter Wein produziert. Dann erreichte im Jahr 1936 die Reblaus das Land und bewirkte eine Reduktion der Weingärten um mehr als die Hälfte. Im Jahre 2000 betrug die Rebfläche 29.000 Hektar, von der 412.000 Hektoliter Wein gewonnen wurden. Von ungefähr der Hälfte der Rebfläche werden Tafeltrauben produziert. Die Weingärten befinden sich im Nordosten in Küstennähe (in der Nähe der Hauptstadt Tunis) in den Bereichen Aryanah, Bin Arus, Bizerte, Béja-Jendouba, Cap Bon, Nabeul und Zhagwan. Teilweise ist eine künstliche Bewässerung erforderlich. Im Jahre 1957 erfolgte nach französischem Vorbild die Einführung der Qualitäts-Stufen VCC (Vins de Consumation Courante), VS (Vins Supérieurs), VDQS (Vins de Qualité Supérieure) und AOC (Appellation d´Origine Contrôlée). Im Jahre 1970 wurde dann das “Office du Vin” mit dem Ziel gegründet, Weine in Export-Qualität zu produzieren. Rund ein Dutzend Weine werden heute ausgeführt.

Es gibt die sieben Appellationen Coteaux de Tébourba, Coteaux d´Utique, Kélibia, Mornag, Muscat de Kélibia, Sidi Salem und Thibar, von denen rund 70% aller Weine stammen. Die wichtigsten Rebsorten sind die weißen Chardonnay, Clairette de Provence, Muscat d´Alexandrie, Pedro Ximénez, Sémillon und Ugni Blanc (Trebbiano) sowie die roten Alicante Bouschet, Cabernet Sauvignon, Carignan, Cinsaut, Merlot, Pinot Noir und Syrah. Traditionell sind süße, aufgespritete Muskateller-Weine (eigene Appellation). Großteils werden jedoch alkoholstarke Rotweine und (als beste geltende) Roséweine hergestellt. Sortenreine Weine werden von offizieller Seite gefördert, sie müssen 80% der Sorte enthalten. Es gibt rund 25 Produktions-Betriebe, der größte ist Union de Coopératives Viticoles de Tunisie. Dessen bekannteste Weine sind Château Mornag (rot und rosé), Gris de Tunisie (Grenache und Cinsaut), Magon (Cinsaut und Mourvèdre) und Sidi Rais (rosé). Weitere namhafte Erzeuger sind Château Feriani Mit einem Rotwein von der AC Coteaux d´Utique), Héritiers Tené Lavau (mit Koudiat aus der AC Coteaux de Tébourba), Office des Terres Domaniales (mit Château Thibar), Société des Vins Tardi (mit Royal Tardi) und Société Lomblot (mit Domaine Karim). Traditionell sind Destillate aus Feigen, zum Beispiel der hochprozentige Boukha (klar) und der Thibarine (süßer Likör).