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Interview mit Joel Peterson, Ravenswood Winery – Sonoma County (Kalifornien/USA)

Uebersetzung des Original-Interviews. Sie können den Film auf unserem WEIN UND GENUSS TV anschauen. Mehr...



Wein TV: Unser Gast heute ist Joel Peterson aus Kalifornien. Er ist ein begnadeter und erfahrener Winzer und der Gründer der Ravenswood Winery im Sonoma Valley Kalifornien. Einer seiner grossen Leidenschaften ist die Rebsorte Zinfandel. Willkommen Joel, ist das Wetter heute nicht wie ein Sommer in San Francisco?

Joel Peterson - Ravenswood: Absolut, sie wissen, was Mark Twain einmal sagte; er sagte, den kältesten Winter, den er je erlebt hat, war ein Sommer in San Francisco und im Moment ist es durchaus ähnlich. Und wir kommen von einer wunderbaren Ernte. Es war sehr kühl dieses Jahr (2007), will heissen es blieb beinahe immer bei 85 F (ca. 28oC) während der Wachstumsphase, was für die Trauben perfekt ist. Wir haben eine tolle Gruppe von Weinen, die jetzt in den Gärtanks ist und entwickelt sich sehr schön, dunkle, würzige, köstliche Weine.

Joel Peterson no wimpy winesWein TV: Das führt zur nächsten Frage: Zinfandel ist vermutlich die einzige Rebsorte, die wirklich stark mit Kalifornien in Verbindung gebracht wird. ...Sie als Zinfandel Enthusiast, wie würden Sie einen authentischen und gut gemachten Zinfandel beschreiben?

Joel Peterson - Ravenswood: Sie haben Recht bezüglich Zinfandel und der engen Verbindung zu Kalifornien. Es ist die Rebsorte, die ihr Umfeld selbst gefunden hat. Eine Rebsorte, die ein Umfeld gefunden hat, das trocken genug ist während dem Sommer und mit der richtigen Menge an Regen für „dry farming“ (Weinbau ohne künstliche Bewässerung, speziell in einem Weingebiet mit meistens künstlich bewässerten Rebanladen) also wirklich perfekt.

So ein guter Zinfandel hat eine ausdrucksstarke Frucht. Die meisten Leute würden sagen, er habe eine Kombination aus Himbeeren, schwarzen Kirschen und Brombeeren...soviel zu den Fruchtaromen. Er hat im Hintergrund tendenziell einen Vanille-Charakter und wenn er sehr gut gemacht ist, ist er trocken, hat einen langen Abgang und ist sehr würzig. Würzig im sinne, wie Weinjournalisten gerne darüber reden. Sie sagen Backgewürze. Was sie meinen, sind Dinge, wie Zimt und Muskatnuss und Kardamom. Diese Art von Gewürzen. Nicht exakt was es ist, aber Sie verstehen, um was es geht. So sehr köstlich. Manchmal riecht er ein wenig wie Weihnachten.

Wein TV: Ok. Zurück in die 70ziger, als Sie mit Ihrem Weingut Ravenswood begannen, haben Sie zuerst mit der Rebsorte Zinfandel begonnen. Wie kommt es, dass Sie mit dieser Rebsorte begannen und nicht wie andere mit Rebsorten, wie sagen wir einmal Cabernet?

Joel Peterson  - Ravenswood: Nun, eigentlich bin ich mit Weintrinken aufgewachsen. Mein Vater hat mir das Weindegustieren beigebracht, als ich 10 Jahre alt war. Und wir degustierten vor allem europäische Weine. Das macht meine Wahl noch etwas komischer. Aber als ich mir Kalifornien anschaute und mir überlegte, aus welcher Rebsorte ich Wein machen will, schaute ich auf den Charakter der Weingärten und auf Gemeinsamkeiten, die in Europa grosse Weine gross machen. Und da gibt es einige dinge, die sie gemeinsam haben: Eine ist, dass sie nicht bewässert werden. Zweitens ist das Produktionsniveau (Erträge) tief und ausgeglichen. Sie haben ein offenes Erziehungssystem, das viel Licht hinein lässt. Und sie sind an Standorten gepflanzt, die speziell geeignet sind für die jeweiligen Rebsorten.
1978 als ich mekin Weingut begann, war Zinfandel die einzige Rebsorte in Kalifornien, die diesen Bedingungen entsprach. Sie wurde vor langer Zeit angebaut. Tatsächlich wurden die ersten Rebstöcke schon 1854 gepflanzt. Wir haben sie auch 1880 nach der Reblaus wieder angepflanzt, aber sie waren entweder Gobelet erzogen, oder als Buschreben, oder welche Begriffe Sie auch immer dafür verwenden wollen. Aber sie produzieren so um die 2 bis 2,5 Tonnen pro „acre“ (1t/acre sind ca. 2,5t/ha). Sie wurden ohne Bewässerung bewirtschaftet und wuchsen an speziellen ausgesuchten Standorten, weil wir während der Prohibition viele Weingärten verloren haben und die, die überlebten die besten waren. Das waren die Standorte, welche die Leute präsentierten und es waren die besten Standorte.
Ich hatte die Gelegenheit, Wein aus Trauben zu machen, die ein unglaubliches Potential präsentierten. Die wurde nicht realisiert, weil sich jeder auf Cabernet und Chadonnay und diese Dinge konzentrierte. Was ich bekam, war eigentlich die autochthone Kalifornische Rebsorte, auch wenn es eine Vinifiera Rebe ist, aus der ich super Weine machen durfte und das klappte für mich wirklich gut.

Wein TV: So hatten sie also einen Vorsprung mit schon existierendem alten Rebgut?

Joel Peterson - Ravenswood: Das ist genau richtig!

Wein TV: Rückblickend, war es einfacher mit Zinfandel zu beginnen?

Joel Peterson - Ravenswood: Ich denke, es war einfacher mit Zinfandel zu beginnen, weil es hiess, dass ich nicht mit anderen konkurrenzierte. Du hattest, wissen sie, ich begann mit einem 327 Kisten – Weingut und 4'000 USD. Wissen sie, das war nicht viel. Ich denke, wissen Sie, es gibt einen Witz, wie man im Weingeschäft ein kleines Vermögen macht? Du beginnst mit einem grossen (Weingut). Ich begann mit einem kleinen und keinem Vermögen. So musste ich zur Stelle sein, musste eine Nische finden, in der ich etwas wirklich gut machen und herausstechen konnte. Ich konnte nicht mit einem Robert Mondavi konkurrenzieren, er war bereits im Trend, er machte Cabernet. Für mich war Zinfandel genau die Richtige.

Wein TV: Und es klappte ja auch. Sie sind sehr erfahren und erfolgreich heute. Abgesehen von der Verwandtschaft zwischen den Rebsorten Primitivo und Zinfandel, wir wissen von der Verwandtschaft mit Primitivo aus Süditalien, ist Zinfandel immer noch Kaliforniens Rebsorte. Sie hat sich nicht in anderen Weingebieten etabliert. Es gibt einige Flecken, wie Südafrika und Westaustralien, ist aber nicht sehr bekannt. Was glauben Sie, sind die Gründe, weshalb Zinfandel vorwiegend in Kalifornien geblieben ist und nirgendwo sonst mit Erfolg angebaut wird?

Joel Peterson -  Ravenswood: Ich denke, das hat damit zu tun, dass Zinfandel von Ort zu Ort gewandert ist. Wissen sie, sie hat eine lange Reise hinter sich. Sie kam von Kroatien, wo sie Crljenak Kastelanski heisst. Noch vor dem 18. Jahrhundert ging sie nach Italien und blieb irgendwo in Apulien stecken. Sie ging dann aber nach Wien und danach nach New York. Sie ging nach Queens in New York als sie hier ankam. Dann ging sie nach Boston und kam 1854 nach Kalifornien. So – es war eine Rebsorte auf der Suche nach ihrem Platz. Der Grund weil sie Kalifornien fand, war eine sensationelle Aussage, als 1863 jeder sagte: Oh, das mujss die grossartige Traube sein! In 1880 waren in Kalifornien ca. 30'000 acres mit Zinfandel bepflanzt. Das war viel Wein und viele Weingärten. Aber der Grund weshalb sie hier so guten Wein machte und sonst nirgends, war dass Kalifornien genau das richtige Klima für Zinfandel aufwies. Der Regen hört im Juni auf, genaue wenn die Trauben herauskommen. Und anstatt dass es warm und feucht wird, wird es zwar warm aber es bleibt trocken. Zinfandel hat sehr enge Trauben und eine relativ dünne Beerenhaut. Sie würde zu faulen beginnen, wenn es während dem Sommer regnen würde. Und in beinahe jeder Weinregion gibt es Sommerregen: Bordeaux zum Beispiel, ebenfalls im Burgund, auch beim Inselklima in Neuseeland und sogar in Australien. So, es ist dort nicht so trocken und somit nicht genau richtig für Zinfandel. Was du also in Kalifornien bekommst, sind diese wunderschönen perfekt reifen Trauben mit einer leichten Unregelmässigkeit in der Reife als Charaktermerkmal des Zinfandel. Leicht angetrocknet für ca. 20%, perfekte reife Beeren für ca. 10% leicht unreife Beeren. Siehst du, da ist die Säure, das ist die Reife, die eine perfekte Frucht ergibt und das ist es, weshalb Kalifornien für diese Traube gut ist. Sie verhält sich beständig jedes Jahr gleich gut.Wein TV: Sie exportieren hauptsächlich Zinfandel Weine zu uns in die Schweiz. Weinliebhaber in der Schweiz mögen auch Primitivo Weine und wissen um die Verwandtschaft zwischen Primitivo und Zinfandel. Hat die Tatsache, dass hier soviel Primitivo getrunken wird, Ihnen geholfen, oder war diese Konkurrenz eher ein Hindernis?

Joel Peterson – Ravenswood: Ich denke nikcht, dass menschen die Wein trinken überhaupt ein Hindernis sind. Was du über Weinliebhaber lernst ist, dass sie gerne experimentieren. Sie mögen die Verschiedenheit der Aromen. Es sind in der Regel interessierte Leute, sie möchten nicht immer nein sagen. So – ich denke für eine lange zheit wussten wir gar nicht, dass Primitivo Zinfandel ist. Wirklich, es war erst vor kurzem, als Carol Meredith die DNS verglich. Wir hatten wirklich keine Ahnung wissen Sie. Und so war es vermutlich weder ein Schaden noch eine Hilfe, ausser, dass die Leute gerne guten Wein trinken ujnd sie diese Art von Aromacharakteristik mögen, dieser würzige, reiche Beerencharakter. Das ist was Zinfandel ist. So, wenn es irgendeine Hilfe vom Primitivo gab, dann weil die Leute dieses Aromaprofil wieder erkannten.

Wein TV: So war es also eine Hilfe?

Joel Peterson – Ravenswood: Ja, es war eine Hilfe!

Wein TV: Würden sie sagen, dass zinfandel Weine saisonale Weine sind. Weine in bestimmten jahreszeiten und mit bestimmten saisonalen Gerichten. Was würden sie zu Zinfandel empfehlen?

Joel Peterson – Ravenswood: Ich würde nicht sagen, dass es ein saisonaler Wein ist. Es ist ein Wein für das ganze jahr. Ein Wein, den du immer dann trinkst, wenn du etwas reiches, würziges herzerwärmendes isst. Und es ist eine mediterrane Rebsorte, die diesen Ansprüchen gerecht wird. Sie verhält sich mit ein paar Sachen sehr gut. Sie passt ausgezeichnet zu gegrilltem Fleisch, lamm und Rind und allem, das einen rauchigen Charakter hat, diesen gegrillten Charakter und sie ist köstlich dazu. Aber zu was sie auch wirklich gut passt, ist was man mit der mediterranen Küche verbindet: Knoblauch, Olivenöl, Tomaten basierte Gerichte. Wissen Sie, zu solchen Sachen passt Zinfandel wirklich gut. Sachen mit Kräuter, sie ist sehr kompatibel damit.

Wein TV: Und einen schweren, dunklen Schokoladenkuchen?

Joel Peterson – Ravenswood: Wenn Sie den richtigen Zinfandel haben. Dazu braucht man die Süssen und ich verfechte diese Zinfandel nicht, die Zinfandel Ports, die speziell so gemacht werden. Das ist, nach was Sie suchen. Ich mag ihn eher mit wirklich guten würzigen Speisen und nicht so sehr Desserts.

Wein TV: Lassen Sie mich ein paar Fragen stellen zu wie Sie Ihre Weine machen und ihre Weinserien managen. Während den Anfängen der Weinindustrie in Kalifornien kam das Wissen über das wie Weine gemacht werden aus Europa. Kalifornien nahm dann aber den Schnellzug bezüglich dem Entwickeln neuer Technologien. Sind Sie diesen neuen Technologien gefolgt oder sind Sie eher der traditionelle Winzer?

Joel Peterson – Ravenswood: Wissen sie, die ersten, die den Schnellzug bezüglich neuer Technologien bestiegen, waren die Deutschen mit den Zentrifugen, Stahlgärtanks und dem Inox und all dem Zeugs. Sicher hat Kalifornien viel davon übernommen.
Ich tendiere mehr zur traditionellen Seite. All meine vineyard designates Weine zum Beispiel kommen in offene Gärtanks, mit dem Untertauchen von hand, der Gärung mit natürlicher Hefe, wissen Sie abgepresst direkt in die Fässer: 40% neue französische Eiche und sie bleiben dort für 16 Monate. Meine Theorie zu diesen Weinen ist, je mehr ich interveniere, desto schlimmer werden sie. So, ich komme der minimalen Intervention sehr nahe. Wissen Sie, wenn wir ein Problem haben, verstehe ich mich als Weindoktor. Ich war früher im medizinischen Bereich tätig, bevor ich Winzer wurde. Und so ist das meiste wirklich gesund.
Die meisten von uns sind aktiv und wir essen gut und schauen zu uns selbst, machen Fitness und erhalten uns vital. Aber wenn uns irgendeinmal eine Staphinfektion erreicht, die uns umbringen könnte, dann nehmen wir Antibiotika. Und dazu ist die Technologie da. Wenn es ein Problem gibt, kannst du das Problem angehen, kannst du den Wein davor bewahren, krank zu werden. So sollte sie gebraucht werden. Oder wenn du Mist baust, kannst du die Fehler ausbügeln. Aber wenn du gut bist, passiert dies nicht oft. Von diesem Standpunkt aus ist die Weintechnologie erstaunlich. Und sie ist auch erstaunlich aus dem Standpunkt heraus, sehr preisgünstigen Wein zu machen. Es ist hart 2'000 USD für ein französisches Eichenfass zu bezahlen und Wein darin reifen zu lassen, aus dem du nur wenig Geld machen kannst. Es geht nicht. Und so gibt es Wege wie leute diese Technologien benutzen, um günstige Weine zum Beispiel für Studenten zu produzieren, oder Leute, die sich sehr teure Weine nicht leisten können. Sie können heute sogar viel besseren Wein trinken, als früher. Ich erinnere mich, als ich nach Frankreich kam. Ich war ein Student und habe französischen Landwein getrunken. Er war bezaubernd weil ich dort war, aber in Wirklichkeit war er nicht gut, er war wirklich schlecht. Solche Weine bekommst du heute nicht mehr oft. So, mit diesen neuen Technologien erhält man heute wirklich schon eine gute Flasche Wein. Gut, wenn man offen dafür ist, dann ist das gut, aber wenn man mehr für einen Wein verlangen will, dann sollte man die traditionellen Techniken verwenden und sich nicht zu sehr auf diese Expertentechnologien verlassen.

Wein TV: Sie produhzieren 34 verschiedene Weinqualitätsstufen, vom leicht zu trinkenden Alltagswein bis zum Top Premium Einzellagen-Wein sind dabei ihre Schlüsselfaktoren, auf allen Stufen, die Qualität zu erhalten?

Joel Peterson – Ravenswood: Wissen Sie, eines meiner Probleme als winzer ist zu entscheiden, wie gut ist gut genug! Wissen Sie, wenn ich günstigen wein produziere, wie gut mache ich ihn? Ich könnte ihn auf jeden fall besser machen, als ich ihn effektiv mache. So, was ich mache, wenn ich günstigen Wein mache ist, ich gehe raujs und besorge mir ein konkurrenzierendes Set Weine. Weine von denen ich weiss, dass sie mit meinen Weinen konkurrenzieren werden. In meinem Fall gehe ich und besorge mir ein Set aus der nächst höheren Kategorie. Wenn ich meine Weine für 6 Dollars verkaufen will, dann besorge ich mir Weine in der Preiskategorie zwischen 12 und 15 Dollars. Und ich vergleiche sie mit meinen Weinen. Wenn sie dann bei einer Blinddegustation nicht mit den oberen 10% dieser Kategorie mithalten können, habge ich meine Arbeit nicht gut genug gemacht. Dorthin will ich kommen. Kich möchte also jede Kategorie überbieten, aber ich möchte natürlich nicht bis zu dem Punkt überbieten, wo ich meine günstigen weine besser mache, als meine eigene höhere Weinlinie. Und diese Linie wieder besser als meine präzisen vineyard designates Weine. Alles was ich will, ist ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Ich will, dass sie ehrlich sind. Ich will, dass es Weine sind, die ich trinken kann. Wenn ich sie nicht trinken kann, gibt es keinen Grund zu produzieren.

Wein TV: Sie kaufen Trauben und schon gemachten Wein?

Joel Peterson – Ravenswood: Ja, mache ich!

Wein TV: In Frankreich sind dies die Négociants, die zum Teil einen guten Ruf geniessen. Sie nennen sich selbst auch Négociant. Was ist Ihre Herausforderung dabei, Trauben und Weine zu kaufen und wie kontrollieren Sie in diesem Fall die Qualität?

Joel Peterson – Ravenswood: Ja, es ist ein interessantes “Sowohl als auch” von Dingen, die ich mache, weil ich Verträge mit langen Laufzeiten habe für Weingärten. Wir sind vor Ort in diesen Weingärten und bearbeiten diese Weingärten. Und dort versichern wir uns, dass die Qualitäten erreicht werden, die wir haben wollen. Auch bei den Weingärten, bei denen wir keine absolute Kontrolle haben, arbeiten wir eng mit den Bauern zusammen. Es ist wie einen eigenen Weingarten zu haben. Und so ist es, wenn ich Zinfandel machen will. Denn die Leute, die diese tollen Weingärten besitzen und aus denen ich wirklich sehr guten Zinfandel mache, würden ihr Land nie an mich verkaufen. So, wenn ich den besten Zinfandel machen will, muss ich raus und ihn finden. Ich kann diese Weingärten nur bekommen, wenn ich die Trauben kaufe und ich langjährige Verträge abschliessen kann. Das ist, was ich mache und für meine mittlere Weinlinie und mein Top-Segment ist das so.
Für meine untere Linie, für meinen Vintners Blend Wein: Etwa 60% dieser Weine machen wir selbst mit unseren eigenen Trauben. Aber für ca. 40% gehe ich raus und schaue mir die Weine von andern Produzenten an, die Weine gemacht haben, die sie selbst nicht brauchen oder Mist gebaut haben, wie zuviel Eiche verwendet oder so ähnlich. Ich kaufe die Weine und agiere als „Blender“ die ein Négociant. Ich nehme meinen eigenen Wein und lege damit das Qualitätsfundament fest. Dann assembliere ich die Weine damit, die für den Wein, den ich produzieren will geeignet sind. Das erlaubt mir etwas mehr Flexibilität. Es erlaubt mir zum teil günstigere Weine zu machen, weil ich nicht ein so grosses Inventar halten muss. Ich klinke mich so etwa bei den letzen 3 Monaten des Produktionszyklus ein. Sol kann ich die Ersparnisse dem Konsumenten weitergeben. Es ist ein Weg, ein besserer Wein für einen günstigeren Preis zu machen. Wir agieren wirklich wie ein traditionelles Weinhandelshaus, für einige unserer Weine wie ein Négociant.

Wein TV: Als sie vor 30 Jahren mit Ihrem Weint begonnen haben, deponierten Sie ein Statement: No wimpy wines! Was genaue sind wimpy wines?

Joel Peterson – Ravenswood: Oh, Weine ohne Seele, ohne Charakter, ohne Herz, dünne Weine. Es war eigentlich eine Antwort auf etwas, was man White Zinfandel nannte. Es war rosa und süss und wimpy. Einer meiner Partner kam zu mir und sagte, ich müsste solche Weine produzieren und ich sagte ihm, er sei wohl nicht ganz bei Trost. Ich mache keine solchen Weine und ich sagte, ich mache keine wimpy Weine und er ging und hat dies jemandem erzählt. Er hat ihm gar erzählt, wir hätten ein Banner am Gärtank auf dem stehe, dass wimpy Weine hier nicht erlaubt seien! Und diese Person wollte uns besuchen und so mussten wir ein Banner anfertigen lassen. Das wurde unser Motto. Aber wissen Sie, nicht wimpy bedeutet nicht unbedingt von Muskel protzend, sondern geschickt und erfahren gefertigt mit grossem Potential. Sol kann es keine wimpy Ballettänzer geben. Denke an Baryshnikov zum Beispiel, er wäre nicht ein wimpy Ballettänzer.

Wein TV: Glauben sie, dieses Statement ist heute, 30 Jahre später noch gültig?

Joel Peterson – Ravenswood: Oh ja, absolut. Wir machen immer noch sehr typischen Zinfandel mit grossem Charakter mit viel Würze und Substanz. Ich bin vielleicht der grösste und mächtigste Zinfandel-Produzent auf dem Markt, aber eigentlich hoffe ich, dass dem nicht so sei. Für meinen geschmack wurde die Sache ein bisschen zu Steroide betont.

Wein TV: Sie sind ein erfahrener und erfolgreicher Winzer. Welches sind ihre grössten Errungenschaften und was bereuten sie am meisten während Ihrer Karriere als Winzer?

Joel Peterson – Ravenswood: Oh, das ist eine schwierige Frage. Meine grösste Leistung ist vermutlich die Fähigkeit, das zu tun, was ich liebe zu tun. Ich mache etwas, was die Leute wirklich lieben. Und ich werde tatsächlich dafür bezahlt, was wirklich bemerkenswert ist. Ich muss sagen, das ist ein ziemliches Wunder. Für mich ist es das erstaunlichste. Ich gehe beinahe jeden Tag hinaus zu meinem Weingut, klemme und frage mich selbst, darf ich das wirklich machen? Nun, das ist eine Leistung.
Eine andere grosse Leistung ist, dass ich einen Sohn habe und ich arbeite wirklich hart daran, ihn aus dem Weingeschäft rauszuhalten. Jetzt ist er an seinem MW und hat eben sein eigenes kleines Weingut gegründet, welches „Bedrock wine Company“ heisst. Er ist doppelt so gross wie ich, als ich begonnen habe. Wissen sie, er ist sehr enthusiastisch und viel gescheiter als ich und wird vermutlich sehr erfolgreich werden. So, das ist sehr gut.
Was ich bereue: Ich habe nicht viel zu bereuen. Ich muss sagen, dass ich diesbezüglich Glück gehabt habe. Wissen sie, das weingut wuchs vielleicht zu etwas grösserem als wir es je vermutet hatten. Das ist manchmal ein bisschen ärgerlich. Ich habe gelernt, damit umzugehen.

Wein TV: Vielen Dank, dass sie gekommen sind und dass ich Sie habe belästigen dürfen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Aufenthalt in der Schweiz.

Joel Peterson – Ravenswood: Ich bin sicher und tatsächlich kommen mein Familie und ich für Weihnachten zurück in die Schweiz, weil Weihnachten mit den Schweizern sicher der beste Ort ist, wo du dann sein kannst.



 


 

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