Oechsle und das Mostgewicht

 

 

Das Mostgewicht verrät bereits einiges über die zu erwartende Qualität des Weins. Gemessen wird es in Oechsle.


Das Mostgewicht kennzeichnet das Gewichtsverhältnis von einem Liter Most zu einem Liter Wasser bei 20 ° C, also die spezifische Dichte des Mostes. Beträgt das Gewichtsverhältnis beispielsweise 1,076, so handelt es sich um einen Most von 76 Grad Oechsle. Ein weiteres Beispiel: Wenn das spezifische Gewicht des Mostes 1080 beträgt, hat er 80 Grad Oechsle. Nach der vollständigen Gärung wird der Wein dann ungefähr 80 Gramm reinen
Alkohol pro Liter enthalten, was wiederum einem Alkoholvolumen von etwa 10
Prozent entspricht.

Das Mostgewicht resultiert in erster Linie aus dem Zuckergehalt. Daraus lässt sich der maximal mögliche Alkoholgehalt ableiten. Aus dem Zuckergehalt ergibt sich letztlich der potentielle Alkohol-Gehalt im Wein.

Die Messung erfolgt mit einem Aräometer (Senkwaage) oder Refraktometer (Lichtbrechung). In Deutschland und Österreich stellt das Mostgewicht ein wichtiges Qualitäts-Kriterium dar, mit dem ein Wein schon durch den Anteil von Zucker im Most teilweise klassifiziert wird. Dies ist zum Beispiel ein wichtiges Kriterium bei der Vergabe einer evtl. amtlichen Prüfnummer. Es gibt mehrere Verfahren, Instrumente und Masseinheiten, die in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind.

Durch Mostkonzentration kann dem Most in kleinerem Umfang Wasser entzogen werden. Die verbleibenden Inhaltsstoffe konzentrieren sich und lassen höherwertige Weine zu. Allerdings ist das Verfahren sehr teuer und wird nur bei einigen Spitzenweinen in Auslesequalität eingesetzt. Unterschiedliche Mindestmostgewichte für einzelne Rebsorten und Anbaugebiete
geben nur einen Mindeststandard vor. Viele Winzer setzen betriebsintern deutlich höhere Standards.

Oechsle

Der deutsche Physiker, Goldschmied und Optiker Christian Ferdinand Oechsle (1774-1852) war ein erfinderisches Universal-Genie. Zu seinen zahllosen Erfindungen zählen zum Beispiel ein gefahrloses Knallgasgebläse für Lötarbeiten und das ”Lebensrad” (ein Vorgänger des Kinematographen). Daneben betrieb er noch eine Spiritus-Brennerei. In den 1820er-Jahren begann Oechsle zusammen mit seinem Sohn mit der Entwicklung von Mostwaagen (Spindeln) mit Gradeinteilung. Solche Geräte gab es zwar bereits seit 250 Jahren, aber Ochsle war der erste, der eine praktisch anwendbare Gradeinteilung auf den Spindeln entwickelte und diese Geräte ab den 1830er-Jahren in Serie herstellte. Sein Anspruch war, dass durch die Bestimmung des Mostgewichtes es möglich sein müsse, die Entwicklung des auszubauenden Weines besser vorauszusehen. Die nach ihm benannte Masseinheit „Oe“ (Oechsle) ist heute vor allem in Deutschland, in der Schweiz und in Luxemburg gebräuchlich.