Neuanlage eines Weinbergs und

die verschiedenen Erziehungsformen

 

 

Aushauen der Rebfläche

Lässt die Leistungsfähigkeit der Rebenflächen nach, werden die alten Reben "ausgehauen" und neu gepflanzt. Der alte Weinberg wird samt der Rebwurzeln, aller Holzpflocke und Drähte abgeräumt.

Bodenvorbereitung

Zur Regenerierung der langjährig als Monokultur genutzten Böden müssen zur Vorbereitung des Bodens für die Jungpflanzen besondere Massnahmen der Bodenbearbeitung vorgenommen werden. Eine zwei- bis dreijährige Brache wird empfohlen - oft aber aus Kostengründen nicht realisiert. Diese Auszeit soll dazu beitragen die Flächen von Nemathoden und virusverseuchten Wurzeln zu befreien. Vorratsdüngungen sollten nach Ergebnissen von Bodenanalysen durchgeführt werden. Ist der Humusgehalt ungenügend kann es sinnvoll sein, Kompost oder "gute" Erde aufzubringen. Durch das ständige Befahren und Begehen des alten Weinbergs können Verdichtungen des Bodens auftreten. Als Gegenmassnahme setzt man die Tiefenlockerung ein. Vorher sollte durch eine Profilgrabung die Lockerungsbedürftigkeit des Bodens bestätigt werden.

Pflanzung

Ist der Weinberg soweit vorbereitet, beginn im Frühjahr oder Herbst die Phase der Pflanzung. Zur Auswahl stehen die maschinelle Pflanzung z.B. mit lasergesteuerten Geräten, Hydropflanzgeräte oder es wird von Hand gepflanzt.

Dazu werden zuerst die Gassenbreite, die Stammhöhe, die Reberziehungsart und der Stockabstand der künftigen Rebanlage festgelegt. Normalanlagen haben Gassenbreiten bis zu 1,8 m und erweiterte Normalanlagen sind 1,8 bis 2,2 m breit. Meist erfolgt die Anlage eines Drahtrahmens. Zusammen mit der Gassenbreite schaffen sie die wertvollen Grundlagen für die arbeitssparende Mechanisierung.

Unabhängig vom Pflanzverfahren erhält jede Rebe einen Pflanzpfahl. Erziehungsarten gibt es mehrere. Darunter versteht man das Zurechtschneiden und Festbinden der Reben nach einem bestimmten System. Als die Mechanisierung noch weniger fortgeschritten war, entwickelten sich viele regional angepasste Erziehungsarten.

Die Erziehungs-Systeme

Die bekanntesten und weltweit häufigst angewendeten Erziehungs-Formen sind:

Alberate: (auch Alberata): Alberate wird heute noch teilweise in Italien eingesetzt. Es ist ein sehr altes System, bei dem die Reben auf oder zwischen Bäumen wachsen (Alberate = Bäumchen). In den italienischen Regionen Emilia-Romagna, Toskana und Venetien sind lokale Subvarianten bekannt. In der Region Kampanien wird diese Form im Rahmen der DOC Aversa als kulturelles Erbe forciert.

Alberello: In Italien gebräuchliches, dem Gobelet ähnliches System.

Arched Cane (Bogenerziehung - auch Arcure, Capovolto und Guyot ad archetto): Variante des Guyot-Systems.

Arcure: Ebenfalls eine Variante des Guyot-Systems.

Barra:  Wird vorwiegend im portugiesischen Vinho-Verde-Gebiet verwendet. Die Ruten werden in etwa 1,50 Meter Höhe an einem einzigen Draht jeweils nach einer Seite gezogen.

Basket Training: Beim in Australien und Südafrika verwendeten Busch-System (Basket = Korb) stehen die Rebstöcke frei. Die Triebe geben den Halt.

Capovolto: Eine Variante des Guyot-Systems.

Cazenave: System im modifizierten Guyot-Schnitt  mit kurzen Armen, Zapfen und Fruchtruten auf einen horizontalen Cordon. Die Fruchtruten werden senkrecht an einen Draht gebunden. Es kann eine grosse Anzahl von Augen angeschnitten werden. Deshalb ist Cazenave für fruchtbare Böden gut geeignet. Dieses Erziehungs-System findet man vorwiegend in Italien.

Château Thierry: Variante des Guyot-Systems, bei dem die Ruten bogenförmig an einen Pfahl neben dem freistehenden Rebstock gebunden werden.

Dachlaube: siehe unter Tendone.

Doppelstreckbogen: Siehe unter Guyot.

Duplex: Dieses Erziehungssystem wurde in Kalifornien entwickelt. Duplex ermöglicht eine weitgehend mechanische Ernte. Nur die Fruchruten (nicht die Laubtriebe) werden an einem Draht befestigt.

Elsass-Erziehung: Eine vorwiegend für weisse Rebsorten angewendete Form.  Die Fruchtruten werden in Form eines Doppelstreckbogens an einen hohen Drahtrahmen gebunden.

En Vaso: Siehe unter Gobelet.

Espalier-System (Spalier-System): Die Erziehung erfolgt in einer Ebene, häufig vor einer Wand (z. B. bei Zierreben beliebt). Der Stamm ist mit einem oder zwei Armen und mehreren Ruten mit einem Spalier oder einem Draht als Unterstützung versehen. Bei der französischen Form "Espalier-de-Thoméry" werden verschiedene Reben auf unterschiedlicher Höhe erzogen.

Éventail (dt. Fächer): In Frankreich gebräuchliches System (ähnlich aber nicht zu verwechseln mit der Fächerform) mit mehreren Armen, jeder mit einem Zapfen oder einer kurzen Fruchtrute. Früher war das System in Chablis mit flach auf dem Boden liegenden Armen gebräuchlich.

Fächerform: Bei diesem Erziehungs-System werden die Rebenstämme fächerförmig ausgebreitet, mit dem Vorteil, dass sie leicht mit einem Winterschutz bedeckt werden können. Die "Fächerform" wird deshalb vorwiegend in Gegenden mit kaltem Winter, zum Beispiel in Mitteleuropa und besonders in Russland verwendet. Die italienische Form heisst Ventagli.

Factory Roof System: Das Laubdach wird schräg aufwärts gezogen, zwei Rebzeilen bilden jeweils ein giebelförmiges Dach. Dieses System wird vor allem in Südafrika und Israel bei Tafeltrauben verwendet.

Geneva Double Curtain (CDC): Ein Anfang der 1960er-Jahre von Nelson Shaulis im Staate New York entwickeltes System, das eigentlich für die Rebsorte Concord entwickelt wurde. Der Zeilenabstand beträgt ungefähr drei Meter. Die Jungtriebe werden nach links und rechts geteilt und das Laub auf zwei herunterklappbare Drahtrahmen geleitet. Durch das Herunterklappen wächst die Pflanze nach unten. Die Wuchskraft wird gehemmt und der Lichteinfall verbessert.

Gobelet: (auch Albarello, Bäumchen, Busch, Bush Vines, En vaso, Goblet und Vase) Das Erziehungssystem Gobelet wurde schon in der Antike von den Griechen erfunden und später von den Römern übernommen. Die Reben werden ohne Unterstützung (Drähte, Rahmen oder ähnliches) in Buschform so an alleinstehenden Pfählen hochgebunden, dass eine "Becher- Form" entsteht (Gobelet = Becher oder Pokal). Gobelet eignet sich für schwachwüchsige Reben in einem trockenen Klima. In Frankreich wird diese Erziehungsform für mehr als ein Drittel der Rebflächen verwendet.

Guyot: Nach dem Franzosen Jules Guyot (geb. 1807) benannt. Die im europäischen Qualitäts-Weinbau am häufigsten praktizierte Erziehungsform. Beim Rebschnitt wird die dem Stamm zweitnächste Fruchtrute stehen gelassen, auf sechs bis fünfzehn Augen angeschnitten, dann gebogen und am untersten Draht festgebunden. Diese trägt dann in diesem Jahr die Trauben. Die dem Stamm nächste Fruchtrute wird auf zwei Augen angeschnitten und trägt dann im Jahr darauf die Früchte. Im deutschsprachigen Raum wird Guyot auch als Streckbogen-System bezeichnet. In Österreich, Deutschland und im französischen Burgund und Bordeaux ist die häufigste Methode der Doppelstreckbogen. Dabei werden dem Rebstock zwei Fruchttriebe belassen und an den untersten Draht gebunden. Auf den oberen Drähten wachsen die Jungtriebe. Eine Variante ist der Einfachstreckbogen. Bei diesem wird nur ein Fruchttrieb belassen. Zahlreiche Subvarianten sind bekannt.

Hochkultur:  In Österreich von Dr. Laurenz Moser III. (1905-1978) in den 1930er-Jahren entwickelt. Die Rebstöcke werden in relativ weiten Abständen von 3 bis 3,5 Meter (1 Stock 3 bis 4 m² = rund 3.000 Stöcke/ha) gesetzt und 1,20 bis 1,40 Meter hoch am Drahtrahmen gezogen. Daraus resultiert eine bessere Belichtung und Belüftung der Stöcke und bietet die Möglichkeit der Mechanisierung.

Hudson River Umbrella: Im Osten der USA eingesetztes Erziehungs-System.Seine Bezeichnung leitet sich aus der einem Regenschirm ähnlichen Form ab. Die Triebe werden vom Rebstock-Kopf im Bogen nach unten gezogen. Ein ähnliches System ist Umbrella Kniffin.

Kordon-Erziehung: Die weltweit verbreitetste Form. Bei der Kordon-Erziehung werden ein oder zwei Kordone (Schenkel) stehen gelassen und nach dem Rebschnitt (zwei bis fünf Augen werden belassen) links und rechts an den Drähten festgebunden. Eine in Frankreich entwickelte Variante ist Cordon de Royat.

Latada: Traditionelles Hocherziehungs-System (auch Ramada) im portugiesischen Vinho-Verde-Gebiet.  Die Reben werden bis zu drei Meter hoch gezogen. Die Rebstöcke werden oft mit anderen Feldfrüchten gemischt angebaut.

Lyra:  (auch U-System) Lyra wurde Anfang der 1980er-Jahre von Dr. Alain Carbonneau bei der INRA in Bordeaux entwickelt. Es werden an zwei V-förmig gesetzten Pfählen (die dem  griechischen Musikinstrument Lyra ähneln) die Triebe so geteilt, dass zwei Laubwände mit einem Hohlbereich in der Mitte entstehen. Durch die Verdoppelung der Blattoberfläche erreicht man damit eine bessere Ausnützung der Sonnenenergie. Es ist eine Abart des Geneva Double Curtain.  Im Gegensatz zu diesem sind die Triebe aber aufwärts gerichtet. Die mechanische Bearbeitung und Ernte ist begünstigt.

MPCT (Minimal Pruned Cordon Trained): In Australien verwendetes Kordon-System, das einen Minimalschnitt ermöglicht.

Palmette:  Der Rebstock besteht zumeist aus vier Trieben, die paarweise übereinander an Drähten auf die Seite gezogen werden. Palmette wird vorwiegend in wärmeren Regionen eingesetzt.

Parral: Siehe unter Tendone.

Parron: Siehe unter Tendone.

Pendelbogen: Weit verbreitete Erziehungsform in Deutschland. Es werden zwei Ruten herzförmig (deshalb wird diese Form auch "Herzerziehung" genannt) oder eine Rute kreisförmig an den Rebstock gebunden. Auch unter folgenden Bezeichnungen bekannt: Ganzboden, Doppelbogen, Halbbogen und Rundbogen.

Pergola: Sehr altes System aus südlichen Gebieten. Die Reben werden auf Spalieren hochgezogen. Je nachdem, ob die Triebe nur auf eine Seite oder zwei Seiten gezogen werden, spricht man von einarmig oder zweiarmig. In Italien ist eine Dachneigung von rund 20 bis 30 Grad am häufigsten anzutreffen. Ist es horizontal, dann nennt man es Tendone.

Pyramide: Nach der Pyramiden-Form benanntes und in Italien gebräuchliches System. Die Triebe werden über mehrere am oberen Ende zusammengebundene Pfähle gezogen.

Raggiera: In Italien gebräuchliches System (auch Raggi). Hier werden die Reben an radspeichenartig gespannten Drähten hoch gezogen.

Ruakura (auch Twin Two Tier Trellis = Zwillings-zwei-Reihen-Spalier): In Neuseeland in der gleichnamigen Forschungs-Station entwickeltes System. Die Laubmasse wird in vier Laubwände aufgeteilt.

Scott Henry: Das Erziehungs-System Henry Scott wurde Anfang der 1980er-Jahre vom gleichnamigen Traubenbauer in Oregon entwickelt. Die Triebe werden getrennt, mit der Laubmasse vertikal nach links und rechts geteilt. Es bildet sich so auf beiden Seiten je eine zwei Meter hohe Laubwand, eine mit den Blättern nach nach oben und eine mit den Blättern nach unten. Diese Form erbringt höhere Erträge und eignet sich sehr für eine mechanische Ernte. Ein modifiziertes System ist Smart-Dyson Trellis.

Slanting Trellis (Neigungs-Spalier): Das Laubdach wird auf ein schräggestelltes Unterstützungs-System gezogen. Es eignet sich für Tafeltrauben und für Keltertrauben.

Spalliera (Cordone): Klassische Form, bei der die Reben auf zwischen Pfählen gespannten Drähten gezogen werden. Spalliere wird vor allem in Italien eingesetzt.

Streckbogen: Im deutschsprachigen Raum gebräuchlicher Name für Guyot; siehe dort.

Sylvoz: Nach dem Italiener Carlo Sylvoz benanntes Erziehungs-System. Die Fruchtruten werden mit etwa zehn Augen an einen Draht unterhalb des Kordons befestigt.

Tatura Trellis (Tatura-Spalier): An der australischen Forschungs-Station Tatura entwickeltes System. Zwei um 60° geneigte Laubdächer treffen in der Mitte der Rebzeile zusammen.

Tendone: Eine Variante des Pergola-Systems. Ähnliche Systeme kennt man unter Arbour in englischsprachigen Ländern, Parral in Argentinien, Parron in Chile, Dachlaube oder Tunnel im deutschsprachigen Raum und Verandha in Südafrika. Die Rebstöcke werden zwischen Balken mit Querdrähten bis in zwei Meter Höhe gezogen. Sie bilden ein dichtes Laubdach. Die Frucht und das tiefer hängende Laub werden stark beschattet. Dieses Hocherziehungs-System  ist vor allem in Süditalien, in Südamerika und in Portugal (hier zum Beispiel in der DOC Vinho Verde) verbreitet. 

Tunnel: Siehe unter Tendone.

U-System: Siehe unter Lyra.

Vase: Siehe unter Tendone.

Verandah: Dem Tendone (Pergola) ähnliches, schräg angeordnetes Hocherziehungs-System. Im Gegensatz zu diesem entsteht keine geschlossene Dachlaube. Wird zum Beispiel  - wie der Name erahnen lässt - auch in Südafrika verwendet.

Ventagli: Siehe unter Fächerform.

Vertiko: Der Kordonarm wird beim Erziehungs-System Vertiko an einem Pfahl ohne Heftdrähte senkrecht nach oben gezogen. Die Triebe hängen dann frei herab und müssen bis dreimal eingekürzt werden. Diese Form wird in geringem Masse in Deutschland, Österreich und Tschechien eingesetzt. Durch den hohen Altholzanteil gibt es eine erhöhte Anfälligkeit für Anthraknose und vermehrten Befall durch die Kräuselmilbe.

VSP (Vertical Shoot Positioning): Bei dem weltweit angewendeten System VSP werden die Laubtriebe vertikal nach oben gezogen und mit Heftdrähten befestigt.

Hier geht es weiter mit den Arbeiten nach der Pflanzung an einer Neuanlage....