Traubensorten:

Chardonnay und die ABC-Trinker

 

 

Die weisse Rebsorte zählt den ganz grossen der Welt, den Cépages nobles.

 

Nach Literaturangaben stammt sie aus den Bergen des Libanon und soll von Kreuzrittern nach Frankreich gebracht worden sein. Die römisch-katholischen Orden der Benediktiner und Zisterzienser haben danach für die Verbreitung in ganz Europa gesorgt. Im Libanon wird die Rebe unter dem ursprünglichen Namen Obaideh schon sehr lange kultiviert. Die Bezeichnung „Chardonnay" (übersetzt: Ort voller Disteln) stammt aus einer spätern Zeit und wahrscheinlich von einem gleichnamigen Ort in Burgund.

 

Über das Rhonetal erfolgte die Verbreitung nach Norden ins Burgund- und Chablisgebiet sowie in die Champagne, wo sie die weisse Rebsorte unter den drei zugelassenen Champagnersorten ist. In Kalifornien stehen mittlerweile mehr Chardonnayreben als in Frankreich selbst. Ein weltweiter Erfolg der innerhalb der letzten 2 Jahrzehnte aufgebaut worden ist.

 

Während in Frankreich die Rebsorte nur Mischungspartner (Champagner) oder ungenannte Rebsorte einer Gebietsbezeichnung (z.B. Chablis) war, wird sie heute auch verstärkt als Rebsortenwein vermarktet.

 

Die Stielbucht ist U- förmig und offen. Die Trauben sind meist kleiner als beim Weissburgunder. Die Farbe der Beeren ist gelb bis goldfarben.

 

Sie ist aber auch unter den Namen Arnoison, Aubaine, Beaunois, Blanc de Champagne, Chardenai, Chardenett, Chardonett, Epinette, Feinburgunder, Gamay Blanc, Gelber Burgunder, Goldener Weissburgunder, Grosse Bourgogne, Melon Blanc, Melon d´Arbois, Mâconnais, Morillon, Morillon Blanc, Obaideh, Petit Chatey, Petite Sainte-Marie, Pinot Blanc Chardonnay, Pinot Chardonnay, Rousseau, Roussot und Weißer Clevner bekannt. Genetische Untersuchungen ergaben, dass die Chardonnay-Sorte durch eine natürliche Kreuzung zwischen einem Pinot-Sämling und Heunisch entstanden ist – sie zählt also zur grossen Familie der Burgunder. Es gibt zahlreiche Spielarten, in Frankreich sind 34 Klone offiziell anerkannt. Eine seltene Mutation mit hellroten Beeren ist Chardonnay Rosé und eine Varietät nennt sich Chardonnay Blanc Musqué.

 

Alle grossen burgundischen Weissweine werden aus dieser edlen Rebosorte gewonnen, so zum Beispiel in den weltberühmten Appellationen Chablis, Aloxe-Corton, Meursault und Montrachet. Auch werden alle als "Blanc de blancs" gekelterten Champagner aus Chardonnay produziert und in den Champagner-Cuvées ist sie die wichtigste Rebsorte neben den roten Sorten Pinot Noir (Blauburgunder) und Pinot Meunier (Müllerrebe). In den letzten Jahren ist die Sorte ein beliebter Partner von Sémillon geworden, wofür sich der Begriff “Semchard” eingebürgert hat.

 

Die Preise für "Chardonnay-Trauben" sind üblicherweise sehr hoch. In der Champagne wurden 1989 pro kg EUR 4.-- bezahlt und in Kalifornien EUR 1.50 p/kg. In Südfrankreich lag der Liter Chardonnay-Wein des gleichen Jahrganges 3-400 % über dem Grosshandelspreis eines "gewöhnlichen" Weissweins aus der selben Region.
 

 

Die weltweite Ausdehnung

 

Chardonnay zählt zu den Top-Ten der Rebsorten weltweit. Hier eine Übersicht über die Aufteilung der insgesamt rund 140'000 ha weltweiten Rebflächen nach Ländern:

 

1.

USA: Kalifornien 44'509 ha, Oregon und Washington 3'203 ha

2.

Frankreich: 35'252 ha (Bourgogne, Jura, Champagne, Loiretal, Midi, Charentes

3.

Australien: 16'855 ha

4.

Italien: 11'800 ha

5.

Moldawien: ca 6'000 ha

6.

Süd-Afrika: 5'983 ha

7.

Chile: ca. 4'402 ha

8.

Slowenien: 3'565 ha

9.

Argentinien: 3'373 ha

10.

Neuseeland: 2'449 ha

11.

Spanien: 2'200 ha

12.

Bulgarien: ca. 2'000 ha

13.

Rumänien: ca. 650 ha

14.

Israel: 600 ha

15.

Portugal: 500 ha

16.

Ungarn: ca. 500 ha

17.

Griechenland: ca. 500 ha

18.

China: ca. 500 ha

19.

Länder mit geringerem Chardonnay-Bestand: Uruguay, Brasilien, Kanada, Österreich, Belgien, Zypern, Malta, Marokko, Deutschland, Tschechien, Mexiko und die Schweiz etc.

 

 


Wodurch kam es zu diesem Höhenflug des Chardonnay?


Die Anbaugebiete in denen die Anbauausweitung des Chardonnays in den letzten 10 bis 20 Jahren erfolgte, liegen im warm-trockenen Klimabereich aus dem die Rebsorte wahrscheinlich stammt. Ihre markante Säure wird unter diesen Klimabedingungen nicht so weit reduziert wie bei anderen weissen Rebsorten, so dass die Alkohol-Säurebalance in warm-trockenen Anbaugebieten die Erzeugung eines relativ spritzig-fruchtigen Weines bzw. eines gehaltvollen, alkoholreichen, aber nicht brandig wirkenden Weissweines ermöglicht. Die Chardonnay-Rebsorte eignet sich somit bestens für warm-trockene Weinanbaugebiete in der Welt, weshalb jährlich weitere Tausende von Hektaren mit dieser Sorte bestockt werden.

 

Das Weissweinbild dieser südlichen Weinbauländer ändert sich mit der säurebetonten Sorte, den neuen Techniken der Ganztraubenpressung, der gekühlten Vergärung und dem Gebrauch fruchtliefernder Hefen entscheidend und schafft ein neues Weißweinimage, das mit den ehemals süßen Dessertweinen oder den brandig-plumpen, oxidativ ausgebauten Weissweinen nichts mehr zu tun hat. Man kann sagen, dass sich mit der Sorte Chardonnay auch eine kleine Revolution in der weltweiten Weissweinproduktion vollzogen hat, deren Muster nun auch auf andere Sorten wie z.B. Sauvignon blanc oder Riesling übertragen wird.

 

 

Weinbauliche Vorzüge und Probleme der Rebsorte Chardonnay

 

Auch unter verschiedensten Klimabedingungen ist die Sorte ertragreich, der einzige Nachteil ist der frühe Austrieb. Sie eignet sich auch besonders gut für einen Barrique-Ausbau. Dadurch erfolgt ein Aromatisieren des Weines, weil zusätzliche Stoffe in den Wein gelangen. Die Franzosen haben darin schon über 300 Jahre lange Erfahrung. Die Barrique-Weine werden in diesen Fässern längere Zeit ausgebaut, das heisst reifen gelassen.

 

Die sortenreinen Weine sind aber nicht unbedingt sehr lange lagerfähig. Bei Verschnitten wird in hohem Masse der spezielle Charakter bewahrt.

 

Durch entsprechende Klonenselektion wurde die in nördlicheren Breiten verrieselungs-empfindliche Sorte blütestabiler und kann heute als sehr ertragsstark gelten. Für gehaltvolle Weine bedarf es jedoch der gezielten Ertragsbegrenzung und Ausdünnung. Die Rebsorte ist relativ robust, wenig anfällig für Pilzkrankheiten und mit wenig Geiztrieben behaftet. Die Beeren sind saftig, die Beerenhaut etwas dünn, so dass Beerenbotrytis, meist jedoch erst im späten Reifestadium, auftreten kann. Die hohen Säurewerte stellen anscheinend auch einen gewissen Schutz vor starkem Traubenwicklerbefall und Wespenfraß dar. Die Vollreife ist spät und sollte soweit als möglich auf die Säurewerte abgestimmt werden. Bei gezielter Ertragsbegrenzung wird dieses Reifestadium auch entsprechend früher erreicht. Die gesunde Beerenhaut ist für die Aromabildung sehr wichtig, um die der Sorte zugesprochene Aroma-ausprägung nach Honigmelone, Grapefruit und reifendem Apfel zu erhalten.


Chardonnay du Monde

 

Seit dem Jahre 1994 wird jährlich im März auf dem Château des Ravatys, dem Weingut des Pasteur-Institutes in Saint-Lager/Burgund ein grosser Wein-Wettbewerb für Produzenten, die Weine aus der Rebsorte Chardonnay herstellen, durchgeführt. Bis zu 1100 Weinmuster aus aller Welt nehmen daran Teil. Im Jahr 2003 beteiligten sich 37 Länder. Es werden je nach Herkunft Kategorien gebildet, die höchste Auszeichnung ist die "Gold Medal of Excellence". 2003 schafften es 41 Produzenten zur Gold-Medaille, aber keiner zur Gold-Medal of Excellence. Dazu wurden 207 Silber- und 103 Bronze-Medaillen verteilt. Eine genaue Aufstellung aus dem Jahr 2003 kann hier heruntergeladen werden....

 

Der Wettbewerb 2004 findet 11. bis 14. März 04 statt. Wir werden darüber berichten.

 

60 % der Juroren stammen nicht aus Frankreich und alle wurden vor der Veranstaltung nach den Regeln des OIV im Paul Bocuse-Institut bei Ecully (Lyon) eingehend geschult.

 

Besonders zu erwähnen sind folgende Weine: Aus Australien der "Show Reserve Chardonnay 1999" (Windham Estate), aus Chile der "Chardonnay Reserva Colchagua Valley 2001" (Vina Casa Silva) und der "Aresti Estate Rio Claro 2001" (Direct Wines), aus Spanien "René Barbier Seleccion 2000" (R. Barbier) und "Gran Vina Sol - Penedès" (Miguel Torres), aus Frankeich "Mâcon-Igé La Cra 2000" (Domaine Fichet), "Chablis Grand Cru Les Clos 2000" (Domaine Servin), "Chablis 1er Cru - Chatrerie 2000" (Domaine Laroche), "Champagne - Coeur de Terroir 1989" (Champagne Doquet-Jeanmaire) etc., aus Südafrika "Chardonnay Reserve - Coastal Region 2001" (Riebeek Cellar) und aus den USA der "Chardonnay Reserve Columbia Valley 1999" (Château Ste Michelle), "Schug Carneros heritage Reserve 2000" (Schug Carneros).

 

..und die Schweiz?

 

Trotz geringem Chardonnay-Bestand im Vergleich zu den "grossen Nationen" (weniger als 250 ha) haben sich die Schweizer Winzer bei diesem internationalen Wettbewerb sehr gut gehalten: Eine Goldmedaille, 21 Silbermedaillen und 5 Bronzemedaillen konnten nach Hause gebracht werden. Hier die Aufstellung der Gold- und Silbermedaillenträger:

 

Medaille

Wein

Winzer

Chardonnay de Bonvillars 2000

Michel RYSER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chardonnay - Côte de l'Orbe 2000

Christian DUGON

Chardonnay de Sezenove 1999

Cave de Sezenove

Neuchâtel Chardonnay 1999

Caves du Château d'Auvernier

Chardonnay AOC Bonvillars 2000

Domaine la Boulaz

Chardonnay de Sierre - Valais - Vertiges 2001

Cave St. Mathieu

Chardonnay - Les Coteaux de Sierre - Valais 2000

Cave Clos des Cypres

Chardonnay de Peissy 1999

Domaine des Trois Etoiles

Chardonnay - Satigny 1999

Domaine de Champvigny

Chardonnay - Le Premier - Neuchâtel 1999

Grillette Domaine de Cressier

Chardonnay du Pays de Vaud - Les Oenocrates 1999

Jean & Pierre Testuz

Valais AOC - Cuvée Amadeus 2000

Cave de Montany

Valais - Chardonnay Barrique 2000

Kellerei Leukersonne

Chardonnay du Valais - Vertiges 2001

Cave St. Mathieu

Malanser Chardonnay 2000

Ueli und Jürg LIESCH

Wannenberg Chardonnay - Würenlingen 2000

Weingut zum Sternen A. Meier

Villeneuve - Clos du Chatelard 2000

Hammel

Vilette Grand Cru 2000

Domaine du Daley

Mont s/Rolle - Domaine de Crochet 2000

Hammel

Chouilly AOC - Cuvée des Grenats 2000

Domaine du Paradis

Schaumweine:

 

Brut du Valis Millésimé

Jacques Germanier

Baccarat - Blanc de Blancs

La Cave de Genève

 

 


ABC – anything but Chardonnay (alles ausser Chardonnay)

 

Unter diesem Slogan gehen der globale Weinmarkt bzw. die Designer des globalen Weingeschmackes bereits weg vom sich abzeichnenden Massenprodukt Chardonnay hin zu anderen Rebsorten. Man trinkt "alles ausser Chardonnay" - ein Trend der Primadonnen weg von einem (möglicherweise zu) erfolgreichen Produkt. Mehr darüber finden Sie hier...