Alkoholfreier Wein und Sekt

 

 

Da der Alkohol Geschmacksträger im Wein ist, haben es alkoholfreie Weine nicht leicht, sich geschmacklich zu behaupten.  Alkohol "trägt" das Aroma, schmeckt also nicht selbst. Aber er hilft anderen Stoffen sich stärker zu profilieren - vor allem mit einem anhaltend "langen Abgang". Alkoholfreier Wein erinnert an angegorenen Traubensaft und der Geschmack ist rasch verklungen. Deshalb wird in der Regel noch Traubenmostkonzentrat zugesetzt. Entalkoholisierter Wein ist von "echtem" dennoch im Geschmack weit entfernt, was sich hoffentlich in Zukunft ändern wird. Am besten unter den Alkoholfreien schneiden Sekt und Apfelwein ab. Sekt enthält viel Kohlensäure, die ihn auch ohne Alkohol geschmacklich stabilisiert und spritzig schmecken lässt. Apfelwein enthält grundsätzlich weniger Alkohol.

Alkoholfreier Wein und Sekt werden hauptsächlich in Länder mit einer hohen Alkoholsteuer wie Schweden, Norwegen oder Finnland exportiert oder in islamische Länder mit Alkoholverbot, wie Saudi-Arabien. Die alkoholfreien Alternativen für den Wein- und Sektliebhaber finden aber immer mehr Anerkennung - auch in unsern Regionen.

Die Carl Jung GmbH auf Schloss Boosenburg in Rüdesheim (D) exportiert alkoholfreien Sekt in mehr als 20 Länder und glaubt die Gründe für die Nachfrage zu kennen:

  • Sicherheit im Strassenverkehr (Promille!)

  • Schwangerschaft und Stillzeit

  • Religiöse Gründe

  • Gesundheitliche Gründe

  • Nüchternheit am Arbeitsplatz

  • Altersbedingte Gründe (Jugend und Alter)

  • Weil einem nicht nach Alkohol zumute ist

  • Weil man nur 1/3 der Kalorien möchte

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Vorsicht:

Da entalkoholisierte Getränke einen ganz geringen Alkoholanteil besitzen dürfen, raten Experten ehemaligen Alkoholikern ab, als Ersatz alkoholfreien Wein zu trinken.

 

Dem Wein kann der Alkohol mit unterschiedlichen Verfahren entzogen werden:

Der Aufwand zur Herstellung alkoholfreien Weins ist beträchtlich und verteuert das Produkt wesentlich. Ein Teil der Mehrkosten kommt allerdings wieder herein, weil der entzogene
Alkohol für Branntwein genutzt werden darf.

Durch Destillation:

Reiner Alkohol hat einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser. Wird Wein erhitzt, dampft zuerst der Alkohol ab. Durch die hohen Temperaturen verliert der Wein allerdings die meisten seiner Geschmacksstoffe.

Durch "Vakuumrektifikation"

Der vergorene Wein läuft in einer "Rektifizierkolonne" heissem Wasserdampf entgegen. Dieser entzieht dem Wein schonend den Alkohol. Die Aromastoffe, die mit dem Alkohol abgetrennt werden, werden von diesem wieder abdestilliert und dem entalkoholisierten Wein zugeführt. Der Prozess wird im Vakuum durchgeführt. Dadurch siedet der Wein bei wesentlich niedrigeren Temperaturen und die Aromastoffe werden geschont. 

 

Durch Umkehrosmose oder Dialyse:

Mittlerweile gibt es Membranen, die so feine Poren haben, dass Alkoholmoleküle hindurchpassen, währen die grösseren Aromamoleküle zurückgehalten werden. In der Theorie ist dies die beste Methode, sie hat in der Praxis aber noch zahlreiche Mängel.

 

 

"Alkoholfreier Wein" aus dem Kloster

 

Das Kloster Einsiedeln stellt hervorragende alkoholfreie Produkte her. Der weisse Traubensaft NIVES aus Rivaner Trauben ist naturrein belassen. Er wird richtigerweise auch als Traubensaft und nicht als alkoholfreier Wein deklariert.