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Mein
Lieber,
Aus
beruflichen Gründen, habe ich das Glück, ziemlich oft Raritäten versuchen zu
können. Was Du als Genuss bezeichnest, ist doch eigentlich völlig subjektiv.
Wenn Du gerne Weine trinkst die sich schnell öffnen und deren Primäraromen,
Säure und Tannine eine Harmonie ergeben, kann ich das schon verstehen.
Wenn man aber einmal diverse Bordeaux aus einem so grossen Jahrgang wie 1947
probiert, bekommt man einfach Geschichten erzählt. Da ist ein Wein der völlig
kaputt ist und dessen Sterbeurkunde vermutlich schon Mitte der 60er Jahre
ausgestellt werden konnte und ein anderer Wein, der gar nicht weit entfernt
produziert wurde, aber noch die Kraft und Fülle hat, die erkennen lässt warum
1947 ein so grosses Jahr in Bordeaux war. Und wenn man dann die Augen schliesst
und sich überlegt wie die Welt 1947 wohl ausgesehen hat, bedeutet das für mich
den grössten Genuss.
Natürlich sind bei solchen Raritäten keine schmeichelnden Frucht- oder
Primäraromen mehr zu erwarten, aber Wein ist nun mal einzigartig.
Ich denke man muss einfach abwägen, wann man sich welchen Genuss gönnt . Ob man
eine Rarität probieren möchte, oder ob man z.B. einen passenden reifen Burgunder
als Essensbegleiter sucht, oder ob man mit Freunden zusammensitzt und vor dem
Kamin einen schweren Fruchtbetonten Shiraz zur Geselligkeit trinkt.
Auch wenn es sich um die unterschiedlichsten Formen handelt, so bedeutet für
mich jede dieser Formen, einen hohen Genuss und ich möchte auch keine dieser
davon missen.
Liebe Grüsse,
P.S.: Und vielleicht sitzt Du ja mahl mit hohem Alter vor einem schönen
Burgunder aus dem Jahre 1999 und überlegst Dir, was damals wohl so passiert ist
;-)

Dieses
Schreiben wurde tatsächlich in einem Chat-Raum im Internet gefunden. Der
Schreiber mag uns verzeihen, dass wir dieses Erlebnis hier abdrucken.
 
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