Schimmelpilz, Süssweine und der

Tokajer Aszú

 

 

 

Botrytis cinerea

So heisst jener Schimmelpilz, der an unreifen Weinbeeren zur gefürchteten Rohfäule und damit zu katastrophalen Einbußen führen kann.

In Tokaj-Hegyalja, am Neusiedlersee, an Rhein, Main und Mosel sowie in der Sauternes-Appellation hingegen erweist sich die Botrytis cinerea als wahrer Segen für Weinproduzenten und Händler. Damit dies der Fall ist, müssen insbesondere zwei klimatische Bedingungen erfüllt sein: Zum einen bedarf es einer hohen Luftfeuchtigkeit, damit die Botrytis sich überhaupt verbreiten kann. Dies garantieren in der Tokajer Region die Flüsse Theiss und Bodrog sowie deren Schwemm- und Sumpfgebiete.

Zum anderen ist ein langer und trockener Herbst nötig, damit für die Herstellung edelsüsser Weine geeignete weisse Rebsorten voll ausreifen können. Werden diese Beeren von der Botrytis befallen, kommt es statt der verheerenden Graufäule zur so genannten Edelfäule. Die Botrytis perforiert regelrecht die Beerenhaut, es kommt zu einem extremen Wasserentzug und enormer Zuckerkonzentration in den schrumpfenden Beeren. Diese werden dann in mehreren Lesegängen pro Herbst einzeln aus der Traube herausgepflückt.

Zudem sorgt die Bodenbeschaffenheit für die geschmackliche Abgrenzung zu vergleichbaren Elsass- oder Sauternesweinen. Das vulkanische Gestein ist ausserordentlich reich an Mineralien, die einzelnen Riolit- und Zeolitvarianten machen die Tokajer Weinregion mit ihren vier weißen Sorten Furmint, Lindenblättriger, Muscat Blanc a Petit Grains und Zéta zu einer der komplexesten Weingegenden der Welt. Dabei kann es vorkommen, dass die Zusammensetzung des Bodens über Hunderte von Metern gleichmässig ist, während an anderen Orten die Bodenbeschaffenheit im Extremfall alle zehn Meter wechselt. Dazu verfügt fast jede Lage über ein eigenes Mikroklima.

Der Markenname Tokajer und sein Jahrhunderte alte Weltruhm verbinden sich automatisch mit jenen Trockenbeerenauslese-Weinen, die mit Hilfe der Botrytis cinerea hergestellt werden und den Namen Aszú tragen.

Mehr über die Rebkrankheit Graufäule erfahren Sie hier...