Wein, Sekt stehend lagern?

 

 

Gestandene Wein-Guru's (und solche, die es sein wollen) sind sich einig: Das stehende Lagern von Wein gilt als übler Verstoss gegen die elementaren Grundsätze der Weinpflege. Weinflaschen müssen liegen, um das Austrocknen und Undichtwerden des Korkens zu verhindern.

Bei genauer Betrachtung zeichnet sich ab, dass die liegende Lagerung der Flaschen nicht in jedem Fall die bestmöglichste Form der Aufbewahrung ist. Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich Weine in Kellern mit genügender Luftfeuchtigkeit (mehr als 60%), über längere Zeit stehend gelagert, kaum anders entwickeln, als liegend.

In den sehr feuchten Kellern des Tokajs hat es beispielsweise Tradition, dass die edlen Aszú-Süssweine stehend reifen. Vorteile kann die stehende Lagerung auch bei einfacheren, mit qualitativ schlechtem Kork verschlossenen Weinen haben, die für den raschen Konsum gedacht sind. Weil der Wein in diesem Fall kaum Kontakt mit dem Kork hat, schwindet die Gefahr, dass er durch Korkgeschmack fehlerhaft wird. Analysen zeigen, dass jeder Wein durch Korkgeschmack, genauer gesagt durch die Verbindung Trichloroanisol, belastet ist. Nur liegt die Belastung in der Regel unter der Wahrnehmungsgrenze von 50 bis 100 ppt (Parts per Trillien). Je weniger der Wein mit Kork in Berührung kommt, desto grösser die Chance, dass dies so bleibt. Vor allem billige Presskorken sind nicht für den jahrelangen Kontakt mit Wein gemacht. Dies gilt ganz besonders für einfache Schaumweine wie Prosecco oder Sekt. Diese verwenden Korken aus zusammengeleimten Korkschnipseln. Nur die Korken teurer Schaumweine bestehen aus Scheiben von hochwertigem Kork.

Nicht restlos geklärt ist die Frage, ob die gespriteten, relativ alkoholstarken Weine (Sherry, Port, Madeira, Malaga, Banyuls, Marsala usw.) besser stehend oder liegend lagern.

In der Literatur gilt bis heute die Regel, dass mit Stöpsel (Kunststoff mit Kork) verschlossene Weine aufrecht, klassisch verkorkte Flaschen liegend reifen sollen. Gänzlich unangefochten ist die liegende Lagerung selbstverständlich bei grossen Rotweinen mit langjährigem Alterungspotenzial.