Magen-Darmentzündung

(Gastroenteritis)  

 

 

Ursachen
 
Gastroenteritis

ist in armen Ländern oft tödlich.

Eine Magen-Darm-Entzündung oder Gastroenteritis ist die häufigste Ursache für Durchfall bei Kindern. Sie zählt nach den Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Der Erreger, der bei 80 Prozent der Erkrankungen von Säuglingen und Kleinkindern verantwortlich ist, ist das Rotavirus. Vor allem in den Entwicklungsländern sterben jährlich etwa 1 Million Kinder in den ersten 5 Lebensjahren an einer Infektion mit dem Rotavirus.

 

Das Rotavirus ist in den meisten

Fällen verantwortlich für eine Infektion.

Es können aber auch viele andere Erreger eine Gastroenteritis auslösen:
  • Viren: Rota-, Adeno-, Entero, Astro-, Norwalk-Viren.
  • Bakterien: Salmonellen, Shigellen, E.-coli-Bakterien, Campylobacter jejuni, Yersinien, Clostridium difficile, Choleravibrionen und in seltenen Fällen Staphylococcus aureus.
  • Protozoen: Giardia intestinalis, Entamoeba histolytica, Kryptosporidien.

 

Es besteht Meldepflicht. Bei Infektionen durch enterohämorrhagische E. coli (EHEC) und infektiöser Gastroenteritis (bei Kindern unter 6 Jahren) besteht nach dem Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht.

 

 
Krankheitsbild
 
Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und leichtes Fieber können plötzlich auftreten. Als erstes verlieren die Kinder bei der akuten Magen-Darm-Entzündung den Appetit. Sie sind zudem unruhig, missgestimmt und scheinen abwesend. Die Stühle häufen sich anfangs und werden mit der Zeit dünnflüssig. Der Durchfall kann, oft zusammen mit Erbrechen und Fieber, auch sehr plötzlich auftreten. Der Stuhlgang hat dann breiigen bis wässrigen Charakter und wird spritzend ausgestoßen. Je nach Erreger und Ausmaß der Infektion kann er auch schleimig-blutig sein. Viele Kinder leiden unter heftigen Bauchschmerzen.

 

Gesundheitlich schädigend ist der hohe Verlust an Wasser und Elektrolyten. Bereits vor den Durchfällen kann man ein Stocken des Gewichtsanstiegs feststellen. Ein Kind im akuten Krankheitsstadium verliert deutlich an Gewicht. Verantwortlich für den Gewichtsverlust ist der unkontrollierte Verlust an Wasser. So kann ein krankes Kind mehrere Liter Wasser verlieren. Dieser Verlust kann für das Kind lebensgefährlich sein. Je jünger das Kind, desto schwerer wirken sich der Wasser- und Elektrolytverlust auf den Gesamtorganismus aus. Die Elastizität der Haut nimmt dabei ab. Eine angehobene Hautfalte verstreicht ganz langsam oder bleibt sogar länger stehen. Die Augen sind glänzend und liegen tief in den Augenhöhlen. Das Kind ist träge, teilnahmslos und benommen. Es hat keine Lust zu spielen und lächelt kaum. Das Gesicht erhält einen traurigen Ausdruck. Wenn das Kind schreit, besitzt das Schreien einen heiseren und schrillen Charakter.

 

Koma und Schock sind möglich. Ist der Wasserverlust (Dehydratation) groß, kann das Kind in einen Schockzustand verfallen. Dabei können auch Krampfanfälle auftreten. Die Beurteilung der Dehydratation ist für einen Arzt wichtig. Daraus leitet sich die Therapie ab.

 

 
Dehydratation Gewichtsverlust Symptome
leicht weniger als 5 Prozent des Körpergewichts durstig, unruhig
mittel 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts apathisch, trockene Schleimhäute, graue und schlaffe Haut, Hyperventilation, seltener Lidschlag, seltenes Wasserlassen, eingesunkene Fontanelle, glänzende Augen
schwer über 10 Prozent des Körpergewichts zu den Symptomen der mittleren Schwere kommen hinzu: deutliche Bewusstseinstrübung bis zum Koma, stehende Bauchfalte, Schocksymptome

 

Komplikationen treten selten auf. Als Komplikation kann es bei einer Gastroenteritis zu einem Darmverschluss kommen. Bei Säuglingen und Neugeborenen ist eine andere Komplikation aber gefürchteter. Sie können eine Kuhmilchproteinintoleranz entwickeln. Durch die angegriffene Darmschleimhaut kommt dabei das Blut in Kontakt mit Eiweißen aus der Kuhmilch Gegen diese Eiweiße entwickelt der Körper des Kindes dann Antikörper.

 

 
Therapie
 
  Das Ziel der Behandlung einer Magen-Darm-Grippe ist vor allem das Wiederauffüllen des Körpers mit Flüssigkeit (Rehydratation). Auch Nährstoffen müssen wieder zugeführt werden. Dabei sollten die Schäden berücksichtigt werden, die der Darm davongetragen hat. Das bedeutet Diät.

 

Bei leichten Fällen reichen diätetische Maßnahmen aus. An erster Stelle steht jedoch die Flüssigkeitszufuhr. Bei einer leichten Dehydratation brauchen außer einer Diät keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden. Als erstes sollte Tee gegeben werden. Der Tee sollte mit Salz und Zucker versetzt werden (Glucose-Salz-Tee). In der Apotheke sind auch fertige Lösungen erhältlich. Nach einem Tag beginnt der stufenweise Wiederaufbau der Nahrungsaufnahme. Magenberuhigend wirkt in den ersten 2 Lebensmonaten Reisschleim. Ältere Säuglinge vertragen Karottensuppe oder Karottenbrei besser. Kleinkinder können Karottenbrei oder Kartoffelpüree (mit Wasser, nicht mit Milch) bekommen.

 

Rezept Karottensuppe: Rezept für Karottensuppe nach Moro: 500g geschälte Karotten in 1 Liter Wasser 1 bis 1,5 Stunden kochen, danach durch einen Sieb pressen oder in einem Mixer pürieren. Danach auf 1 Liter Suppe einen knapp gestrichenen Teelöffel Kochsalz hinzufügen und in kleinen Mengen verabreichen.

 

Schonnahrung enthält weniger Fett und Zucker. Danach sollten die Kinder Schonnahrung (wird auch oft als Heilnahrung bezeichnet) bekommen. Dabei handelt es sich um Normalkost, bei der aber der Fett- und Laktosegehalt reduziert ist. Magenschonend und unterstützend sind auch Röstbrot, Zwieback, mit Schale geriebener Apfel, Banane, Produkte aus gemahlenen Johannisbrotfrüchten.

 

Die Dauer richtet sich nach den Bedürfnissen des Kindes. Teephase und Diät sollten zusammen nicht länger als 2 Tage andauern. Die Dauer der Schonnahrung orientiert sich am Zustand des kranken Kindes. Obwohl die Schonnahrung keine dauerhafte Ernährung darstellt, kann sie dem Kind verabreicht werden, bis sich die Stühle und der Zustand des Kindes normalisiert haben. In schwereren Fällen kann das auch einige Wochen lang andauern.

 

Bei schwere Erkrankungen müssen Wasser und Elektrolyte intravenös substituiert werden. Eine Gastroenteritis mit mittlerer oder schwerer Dehydratation steht der sofortige Ersatz der Flüssigkeit und der Elektrolyte im Vordergrund. Kinder, die nicht erbrechen, können elektrolythaltige Lösungen trinken. Bei Kindern, die auch unter Erbrechen leiden, muss die Substitution über einen Tropf (intravenöse Flüssigkeitszufuhr) durchgeführt werden. Der Bedarf an Flüssigkeit ist je nach Alter unterschiedlich. Auch die Zufuhr der Elektrolyte ist unterschiedlich. Sie richtet sich nach den Untersuchungswerten des einzelnen Kindes. Deshalb muss ein Arzt die individuell erforderliche Substitutionslösung von Fall zu Fall berechnen. Wichtig ist, dass die Rehydrierung nicht zu schnell erfolgt. Das hilft, Krampfanfälle zu vermeiden.

 

Antibiotika nur in Ausnahmefällen. Antibiotika sind bei den meisten Gastroenteritiden nicht erforderlich. Das liegt daran, dass diese Erkrankungen in der Regel von allein ausklingen. Allerdings kann, bei einigen Fällen eine Antibiotikagabe erforderlich sein. Das ist meistens dann der Fall, wenn das betroffene Kind eine andere schwere Grunderkrankung hat.

 

 
Arztbesuch / Vorsorge
 
Wann zum Arzt? Leidet ein Säugling länger als sechs Stunden an Durchfall und/oder Erbrechen, so sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Bei Kleinkindern sollten sie nicht länger als 12 Stunden warten. Durchfall und Bauchkrämpfe können auch auf eine Blinddarmentzündung hinweisen.

 

Die Qualität der Lebensmittel ist wichtig. Wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die Vermeidung von Infektionen. Dabei sollten Sie besonderes Augenmerk auf Ihre  Lebensmittel richten. Verwenden Sie keine verdorbenen oder alten Lebensmittel. Besonders gefährdet im Hinblick auf Salmonellen sind Eis, Mayonnaise, rohe Eier (z. B. in Süssspeisen), Geflügel. Ungewaschenes Obst und Salate können Durchfallerreger übertragen. Rohmilch ist nur gekocht zu empfehlen