Quitten, Frucht der Liebesgöttin

und ein sehr feiner Gelee

 

 

 

Im Gegensatz zum antiken, italienischen und südslavischen Aberglauben, spielt die Quitte bei uns kaum eine Rolle. Südungarische schwangere Zigeunerinnen nehmen aber beispielsweise Quittenstückchen mit Blutstropfen eines kräftigen Mannes besprengt bei abnehmendem Mond, um kräftige Kinder zur Welt zu bringen. "So die schwangeren Weiber oft Quitten essen, sollen sie sinnreiche und geschickte Kinder gebären". Gegen die Leberfäule der Kühe gibt man den Kühen in andern Regionen am St. Martinstag einen Quittenschnitz.

Weltweit gibt es um die 200 Sorten Quitten. Es gibt Apfel- und Birnenquitten, japanische und chinesische Zierquitten, man kennt die Quitte auch unter dem Namen Kretischer Apfel oder Schmeckbirne. Die alten Griechen sollen es gewesen sein, die der gelben Frucht zu kulinarischer Ehre verholfen haben. Als Frucht der Aphrodite war sie obendrein heilig und galt als Symbol für Liebe, Glück und Fruchtbarkeit.

 

Blütenpracht bei 100 Jahre altem Gehölze

Die Früchte der Quitte sind den Jüngeren heute leider kaum noch bekannt. Dabei könnte man fast sagen, dass sie die Urform unseres Obstes sind. Quitten sind zu jeder Jahreszeit eine Zierde für den Obstgarten. Was soll man mehr an ihnen bewundern - ihre grossen, weissen oder rosa Blüten im Frühjahr, von denen man in China sagt, sie seien „in der Farbe der rosigen Wolken der Dämmerung“, oder ihre wohl duftenden Früchte im Herbst? Reife Quitten sind wie ein goldener Oktobertag, kräftig in der Farbe, leuchtend quittengolden über dunkelgrün schimmerndem Laub.

Quitten wachsen normalerweise als 3-6m hohe und breite, mehrstämmige und baumartige Gehölze, die weit über 100 Jahre alt werden können. Die sperrige Ausdehnung dürfte wohl ein Grund dafür sein, weshalb sie in den heutigen Gärten wenig zu sehen sind. Die Früchte wiegen 200 bis 500 g.

 

Mutter der Marmelade

Roh sind Quitten, auch Venusapfel oder Adonisapfel genannt, normalerweise ungeniessbar. Weiche Quittensorten, die auch roh genossen werden können, reifen nur unter warmer, südlicher Sonne. Das Fruchtfleisch der Quitte ist mit zahlreichen Steinzellen durchsetzt, die die Frucht hart, trocken und knorpelig machen. Quitten eignen sich zur Verarbeitung zu Süssigkeiten wie zum Beispiel Quittengelee und Quittenbrot. Schon die Portugiesen wussten dies und nannten sie "marmelo" - Honigapfel. Ihr Quittenmuss ist die Urform unserer heutigen "Marmelade". Gibt man Apfel- und Zwetschgenmus einen kleinen Quittenanteil bei, werden diese dadurch schmackhafter.

Man kann Quitten aber auch gut entsaften sowie zur Likör- oder Weinherstellung verwenden, ein Soufflé oder einen pikanten Guss für Früchtekuchen zubereiten. In den mediterranen Ländern werden zu vielen Fleischgerichten gekochte Quittenstücke gereicht. Die bekannte spanische Paste "Dulce de membrillo" wird aus Quitten hergestellt.

Die ursprüngliche Heimat der Quitte war vermutlich der Iran, Armenien und der Kaukasus, Südostasien, wo es noch heute die meisten Sorten gibt. Ihren botanischen Namen "Cydonia oblonga" verdankt die Quitte jedoch der antiken Stadt Kydonia (heute Chania) auf der griechischen Insel Kreta. Dort bauten Bauern die Früchte vermutlich erstmals als Feldobstkultur an. Eine bedeutende Rolle spielten sie wohl auch in der griechischen Mythologie. Quitten galten früher als Glücks- und Fruchtbarkeitssymbol. So glaubt man heute, dass etwa der goldene Apfel des Paris oder die Hesperiden-Äpfel eigentlich Quitten waren. Als Frucht der Liebesgöttin Aphrodite (röm. Venus) galt sie als Symbol für Glück, Liebe und Fruchtbarkeit. Im alten Rom waren die gelben Früchte als Weihegabe an die Nachtgöttin in den Herrenzimmern zu finden, wo sie ihren starken, zitronenähnlichen Duft verbreiten und die Angebetete betören sollte.  Die alten Römer verwendeten sie als Opfergaben und zur Parfümherstellung.

 

Quitten und Gesundheit

Vor ca. 2000 Jahren fand die Quitte Eingang in die Medizin. Schon für Hippokrates war die Quitte die "für Heilzwecke nützlichste Frucht". Nördlich der Alpen verbreitet, war die Pflanze auch der Hildegard v. Bingen bekannt. Hieronymus Bock (1539), versicherte, die Quitten seien für so viele Krankheiten gut, dass sie für eine Apotheke gelten könnten, aus der die armen Leute sich ihre Arzneien holen: „Kurz, niemand besitzt, wie ich meine, genug Gewandtheit im Reden, dass er die guten Kräfte der Quitten so erklären kann, wie sie es verdienen“. Die Quitte war schon im Altertum die einzige der alteingewanderten Obstarten, von der man fast alle Teile in der Heilkunde oder zu praktischen Zwecken genutzt hat. Die Ärzte gaben damals Quittensaft als Gegenmittel bei Vergiftungen, diese Wirkung beruht auf dem Anteil an Pektinen und Phenolen.

Interessant ist, dass ein Auszug aus den Quittensamen auch in der heutigen Kosmetik eingesetzt wird. Sehr hautverträglich soll er sein, reizmildernd und entzündungshemmend (zum Beispiel in Quitten-Körpermilch und Quitten-Gesichtscreme).

Aus den Samen der Quitte, auch Küttenkerne genannt, lässt sich Quittenschleim zubereiten. Dazu werden die ganzen Kerne (niemals zerstossene Kerne verwenden, weil sie Blausäure enthalten) mit wenig frischem Wasser gekocht. Der zähe Schleim kann für Umschläge bei Verbrennungen, Verbrühungen und rissiger Haut verwendet werden. Als "Hustenbonbons" leisten getrocknete Quittenkerne, einfach nur gelutscht, wirksame Dienste. Zerkauen sollte man die Kerne aber nicht, sie schmecken extrem bitter. Die medizinische Verwendung der schleimhaltigen Samen wurde aber erst durch die Araber in Europa bekannt. Hier einige Anwendungsbeispiele der Quitte als Medizin:

1. Cydoniae fructus: in der Volksheilkunde bei Hals-, Magen- und Lungenleiden, gegen Durchfälle und Blutspeien sowie mangelnde Menstruation. Die Wirksamkeit bei diesen Indikationen ist nicht ausreichend belegt. In der Galenik wird ein Quittenaroma aus den Fruchtschalen zur Aromatisierung von Arzneimitteln verwendet. Im Haushalt wird die Quitte zur Herstellung von Gelee und Kompott eingesetzt.

2. Cydoniae semen: in der Volksheilkunde zur Herstellung eines Schleimes, der bei Husten, zu Umschlägen bei Verbrennungen, bei aufgesprungener und rissiger Haut und wunden Brustwarzen verwendet wird.

 

Die Inhaltstoffe

Was hält man heute vom Heilmittel Quitte? Sind alle Inhaltsstoffe der Pflanze schon bekannt? Sicherlich nicht, denn sie steht ja im Schatten anderer Früchte. In den meisten Büchern, die sich mit der gesunden Ernährung aus Pflanzen befassen, fehlt sie oder man erwähnt sie nur am Rand. Wir sagen, was sie vorzuweisen hat:

200 g dieser Frucht decken den Tagesbedarf an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Energie und Nährstoffen zu folgenden Anteilen:

86 Kcal

   

0 mg Cholesterin

   

1,38 BE

   

Vitamin C zu 35%

   

Vitamin E zu 8%

   

Folsäure zu 12%

   

Kalium zu 12 %

   

Mangan zu 5 %

   

 

Einkauf und Lagerung der Quitten

Achten Sie beim Einkauf auf den Duft der Quitten, reife Früchte duften intensiv nach Zitrone und Apfel. Ausserdem ist auf ihrer Schale kaum noch etwas von dem charakteristischen Flaum zu finden. Kleine Quitten schmecken übrigens besser als große. Es gibt zwei Quittensorten: die in der Form eines Apfels und Birnenquitten. Apfelförmige haben eine härtere Schale und sind weniger saftig als Birnenförmige, dafür sind sie herzhafter im Geschmack. Keine Früchte mit Rissen oder Flecken kaufen. Quitten sind sehr schnell verdorben, wenn sie Druckstellen bekommen.

Vollreife Quitten können im Gemüsefach des Kühlschranks noch bis zu einer Woche aufbewahrt werden. Quitten nicht mit anderen empfindlichen Lebensmitteln zusammen lagern, weil sich das intensive Aroma der Quitten übertragen kann.Früchte, die noch nicht ganz reif und weich sind, lassen sich an einem kühlen Ort (hier nicht Kühlschrank) einen Monat aufbewahren. Tiefgefroren halten sich Quitten ca. ein Jahr. Sie müssen vorher geschält und blanchiert werden.

 

Kartoffel-Quitten-Rösti

400 g Quitten
400 g mehlige Kartoffeln
50 g Sahne
Kräutersalz, Pfeffer
Koriander, gemahlen
1 El Butterschmalz
120 g Cashewkerne
200 g junger Lauch
Sojasauce (Tamari)
1 El Butterschmalz

Quitten waschen und mit einem trockenen Tuch abreiben. Quitten und Kartoffeln schälen, Quitten entkernen und beides grob reiben. Sahne darunter mischen und mit Kräutersalz, Pfeffer und Koriander würzen. In einer Pfanne in heißem Butterschmalz jeweils ein Esslöffel Masse von beiden Seiten braten. Cashewkerne in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten. Lauch in Streifenschneiden und in Butterschmalz andünsten. Mit Kräutersalz, Pfeffer und Tamari abschmecken. Cashewkerne untermischen und Lauchgemüse zu den Rösti servieren.
 

 

Quitten-Gelee und Quitten-Pasten

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