3 Legenden, die Zürichs Sechseläuten, Zunft Schwamendingen

Geschichte prägten

 

 

(Bild: Sechseläuten / Zunft Schwamendingen)

Teil 2: Das Grossmünster, die Wasserkirche und das Fraumünster

Länge ca. 1 km

www.ernestopauli.ch

Die Münstergasse

Teil 1 unserer virtuellen Stadtführung endete an der Kreuzung Napfgasse - Münstergasse. Sie finden den Punkt rot markiert auf der untenstehenden Karte.

 

 

Gerade hier, auf der linken Strassenseite der Münstergasse (Adresse: Napfgasse 4) empfehlen wir Ihnen, einen kleinen Halt einzulegen.

Da finden Sie das einzigartige und traditionsreiche Café Schober mit einer traumhaft eingerichteten Confiserie. Schweizer Schokolade, so weit Sie nur sehen wollen....

 

Gleich gegenüber dem Café Schober lohnt es sich ebenfalls kurz reinzuschauen. Dort, an der Münstergasse 19, befindet sich der alte Kolonialwarenladen Schwarzenbach. Ebenfalls eine Augenweide.

Wir könnten jetzt gleich die Münstergasse bis zum Grossmünster hoch gehen. Damit wir den Faden zu Zürichs Geschichte nicht verlieren, zweigen wir aber nach wenigen Metern rechts  in die Schoffelgasse ab und spazieren bis zum Limmatquai hinunter. Der Limmatquai ist nach der Bahnhofstrasse die wohl bekannteste Einkaufsstrasse Zürichs.

Wir halten links und finden nach ca. 200 m auf der rechten Strassen -Seite,  in die Limmat gebaut, das Helmhaus mit der Wasserkirche. Dort beginnt die Geschichte der Stadtheiligen Zürichs.

 

 

Die Stadtheiligen

Die frommen Geschwister Felix und Regula sollen um ca. 300 n.Chr.mit der Thebäischen Legion in die damalige Militärstation "Turicum" gekommen sein.

Hier wurden sie ihres christlichen Glaubens wegen gefoltert, zum Tode verurteilt und auf einer Insel in der Limmat, auf der heute die Wasserkirche steht, enthauptet.

Aber Felix und Regula erhoben sich und schritten, ihre abgeschlagenen Köpfe vor sich hertragend, bis zur Stelle des heutigen Grossmünsters.

Seit dem 13. Jahrhundert wird auch Exuperantius verehrt. 

 


 

Wie gehts weiter?

Nach Besichtigung des Helmhauses und der Wasserkirche überqueren wir den Limmatquai und begeben uns über die Treppe zum Grossmünster.

Die Wassserkriche

Die Forschungen lassen einen ersten romanischen Kirchenbau aus der Zeit um 1000 vermuten. Im Jahr 1256 schenkte Hartmann von Kyburg die Kirche dem Grossmünster-Stift. Bis zu dieser Handänderung war sie eine Eigenkirche der Kyburger und Herren von Hottingen. Die Wasserkirche könnte eine frühe Pfarrkirche und Fluchtort in kriegerischen Zeiten gewesen sein, da die romanische Kirche auf der Landseite über einen "ambitus", einen Mauerring, verfügte.

Unter dem Helmhaus, einer hölzernen Vorhalle, tagte damals das Schultheissengericht. Der Kirchenraum wurde im Spätmittelalter auch für öffentliche Veranstaltungen benutzt; so fand hier am 1. April 1489 die Versammlung statt, die zum Sturz von Bürgermeister Hans Waldmann führte. Kurz zuvor war es zu einem Neubau gekommen. Diese 1484 fertiggestellte spätgotische Kirche bildet das letzte Denkmal, das sich der mittelalterliche Glaubenseifer in Zürich setzte.

Ein grosser Findling, der heute noch in der Wasserkirche besichtigt werden kann, wurde zum sichtbaren Symbol für die Gedenkstätte. Hier sollen Felix und Regula geköpft worden sein.

Eine Besonderheit sei noch erwähnt: Alle paar Jahrhunderte tauchte die Idee auf, unter der Wasserkirche sprudle eine Heilquelle. Unbestritten bleibt, dass Heilungen mit diesem "Quellwasser" vollzogen wurden.

 

Bild: Helmhaus und Wasserkirche

 

 

Bild: Wasserkirche innen

 

 

Bild: Wasserkirche innen

 

 

 

 

 

 

 
Bild: Grossmünster, das Wahrzeichen Zürichs

 

 

Bild: Grossmünster und Chorherrenstift

 

 

Bild: Kreuzgang, rekonstruiert 1851 unter Verwendung originaler Teile.

 

 

Bild: Die Bronce-Türe am Südportal des Grossmünsters wurde 1939 zum 455. Todestag Zwinglis eingeweiht.

 

Mehr über die Bronce-Türe und die Erklärung der darauf dargestellten Felder erfahren Sie hier.

Kirchenbauer Karl der Grosse

Karl der Grosse persönlich soll den Bau des Grossmünsters überwacht haben, nachdem ihn ein geheimnissvoller Hirsch an die Grabstätte der beiden Märtyrer Felix und Regula geführt hatte. Darum prangt die Statue des Kaisers hoch oben am Südturm des romanischen Bauwerks.

 

Bild: Statue Karl der Grosse in der Krypta des Grossmünsters.

 

Karl der Grosse habe vor seiner Zürcher Residenz, dem Haus zum Loch, eine Glocke aufstellen lassen, damit sich Rat- und Hilfesuchende jederzeit bemerkbar machen konnten. Eines Tages meldete sich als Bittstellerin eine Schlage, die den erstaunten Kaiser zur Richtstätte der Stadtheiligen hinunterführte, wo sie ihr Nest errichtet hatte. Dieses war jedoch samt den Eiern von einer hässlichen Kröte besetzt worden. Der Kaiser schaffte Ordnung, was ihm die Schlange mit einem kostbaren Edelstein vergalt. Karl der Grosse sah auch in diesem Ereignis einen Fingerzeig Gottes und bestimmte, dass auf der Insel eine weitere Kirche errichtet werde.

 


Das Grossmünster und die Zürcher Reformation

Beim betreten des Grossmünsters fällt die Kargheit und Nüchternheit des Raumes auf. Das ist eines der Ergebnisse der kirchlichen Erneuerung, die Reformator Huldrych Zwingli nach seinem Amtsantritt (1519) anstrebte: Altäre, Bilder, Skulpturen, Orgel - alle was äusserlichen Glanz verlieh und vom Hören des Wortes Gottes abklenkte, liess er entfernen.

Die Zürcher Kirche geriet in eine unaufhaltbare, zeitweise überstürzte Bewegung (Bildersturm, Täuferfrage). Zwinglis Tod in der Schlacht bei Kappel 1531 war der vorläufige Schlusspunkt. Viele Zürcher atmeten auf.

Bild: Heinrich Bullinger

Da wurde Heinrich Bullinger als Pfarrer ans Grossmünster gewählt. Mit seinen Schriften sicherte er die reformatorischen Neuerungen. Ihm vor allem verdanken die reformierten Kirchen ihre heutige Gestalt. Das von ihm verfasste "Zweite Helvetische Bekenntnis" (1566) galt im In- und Ausland als wichtigste Zusammenfassung reformierter Lehre.

 

Grossmünster Zürich

Die vermutlich zweitälteste Kirche Zürichs ist das Grossmünster.

Zum ersten Mal berichtet Martin von Bartenstein, der gegen Ende des 15. Jhdt im Augustiner - Chorherrenstift auf dem Zürichberg lebte, die Sage von der Entstehung des Grossmünsters.

Ob die Kirche auf Karl den Grossen (742-814) zurückgeht, lässt sich nicht beweisen. Es steht hingegen fest, dass "St. Peter" die älteste Kirche Zürichs und Mutterkirche der "Felix - und - Regula - Kirche" war und dass zur Zeit der Gründung des Fraumünsterstiftes (853) bereits eine "Felix - und - Regula - Kirche" bestand. Vermutlich gab es seit den Zeiten Karls des Grossen bei der überlieferten Grabstätte der Stadtheiligen eine Kirche mit einem kleinen Männerkloster.

Die mächtige romanische Kirche wurde immer mehr zu einem Wahrzeichen der Stadt. Auf dem Münsterhügel befand sich eine sehr alte Klosteranlage. Darüber erstellte man im 11. Jhdt eine dreischiffige Basilika, was wohl im Zusammenhang mit dem Aufblühen Zürichs unter Kaiser Heinrich III. stand. Möglicherweise wurde diese frühromanische Kirche durch Krieg zerstört. Jedenfalls kommt es schon um 1100 zum Bau des heutigen grösseren Münsters, als dessen älteste Teile Krypta und Chor betrachtet werden. Im Laufe von rund hundert Jahren, also im 12. Jhdt, folgten fünf verschiedene Bau-Etappen: Zwölfbotenkapelle, südliches Seitenschiff, Westfront, nördliches Seitenschiff. Um 1180 folgten die Pfeiler des Mittelschiffs mit den romanischen Turmbauten und dem Kreuzgang.

Noch ein Wort zu den Türmen:

Zur Zeit der Erbauung der Kirche waren sie nur um weniges höher als der Dachfirst des Kirchenschiffes. Kurz vor der Reformation erhielten sie Nadelhelme.

Nach einem Brand wurde ihnen 1786 die heutigen Turmhelme aufgesetzt, die gewissermassen zum Kennzeichen Zürichs geworden sind.


Wie gehts weiter?

Nach Besichtigung des Grossmünsters kehren wir zurück zum Limmatquai, zur Wasserkirche und überqueren die Limmat in Richtung Münsterhof. Dort wartet die dritte Legende und das Fraumünster auf uns.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Huldrych Zwingli

Mehr über Huldrych Zwingli

oder direkt zu www.zwingli.ch

 

 

Leuchtender Hirsch

Als König Ludwig der Deutsche, ein Enkel Karls des Grossen, auf der Burg "Baldern" bei Zürich wohnte, musste er feststellen, dass seine beiden Töchter Hildegard und Berta die Nächte auswärts zu verbringen pflegten.

Seine Nachforschungen ergaben, dass sich die beiden Mädchen Nacht für Nacht zu einer Kapelle am linken Limmatufer gegenüber dem Grossmünster begaben und dort beteten.

Dabei wurden sie von einem Hirsch durch die Dunkelheit geleitet, dessen Geweih mit Lichtern besetzt war.

König Ludwig liess an der Stelle der Kapelle ein Damenstift errichten, dem seine Töchter als erste Äbtissinnen vorstanden und das über reichen Grundbesitz verfügte. Ihre Besitzungen reichten bis ins Elsass.

Bild: Fraumünster

 

Das Fraumünster

Die Kirche mit Frauenkloster wurde 853 von König Ludwig dem Deutschen gestiftet.

Bewohnt wurde das Kloster vorwiegend von Frauen des süddeutschen Hochadels und war politisch und kulturell hochbedeutend für die ältere Geschichte Zürichs.

Der karolingische Vorgängerbau ohne Turm und Krypta, doch ebenso gross wie der heutige, wurde ab 1250 von einem Neubau abgelöst.

Bedeutende Bauteile sind der romanische Chor und das hochgewölbte Querschiff, in dem der Übergang zum gotischen Stil sich abzeichnet.

Bedeutendster Schmuck des Fraumünsters sind heute seine Farbenfenster:

Nordfenster im Querschiff von Augusto Giacometti "Das himmlische Paradies", 1947. Der fünfteilige biblische Fensterzyklus im Chor (1970) und im südlichen Querschiff (1980) sind Werke Marc Chagalls.