Toskana:

Vino Nobile di Montepulciano

 

 

DOCG für trockenen Rotwein in der italienischen Region Toskana. Die Zone mit 1.200 Hektar Rebfläche umfasst in der Gemeinde Montepulciano (Provinz Siena) die Hänge von 250 bis 600 Meter Seehöhe. Die Stadt Montepulciano liegt 120 Kilometer südöstlich von Florenz im oberen Chiana-Tal, zählt zu den schönsten der Toskana und wird als ”Perle der Renaissance” bezeichnet.

Einmal jährlich im August findet in der Stadt das Weinfässer-Rennen ”Bravio delle Botti” statt, bei dem Vertreter der acht ”feindlichen” Stadtteile fünf Doppelzentner schwere Weinfässer durch die steilen, engen Gassen rollen.

Montepulciano war die Heimat zweier Päpste und einer von ihnen - Paul III. (1468–1549) - zog den Wein seiner Heimatstadt allen anderen vor. Dessen Kellermeister lobte ihn im Jahre 1549 als „vollkommenen Wein“. Der Ursprung des Weines geht auf das Jahr 1300 zurück, er war schon im Mittelalter in ganz Europa berühmt und vielgepriesen. Der italienische Dichter Francesco Redi (1626-1698) betitelte ihn in seinem Gedicht „Bacchus in der Toskana“ als den „König der Weine“. Eine englische Delegation reiste im Jahre 1669 nach Montepulciano, um den Wein für den Königshof in London zu besorgen. Viele weitere Dichter haben ihn besungen, der heute auch als "Doyen aller toskanischen Weine" bezeichnet wird. Der beste Wein wurde traditionell immer für den Papst und die Kurie im Vatikan reserviert. Daher stammt auch der erst ab dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Zusatz bzw. schmückende Beiname ”Vino Nobile”, der Wein für die Vornehmen - den Adel.

Mit dem Brunello di Montalcino (ebenfalls Toskana) zählt er zu den zwei Weinen, die im Jahre 1980 als erste die DOCG-Klassifikation erhielten. Er ist unbestreitbar einer der herausragenden Rotweine Italiens. Die besten Bereiche (Lehm- und Sandboden) sind Argiano, Caggiole, Canneto, Casalte und Valiano. Der Wein wird aus Prugnolo Gentile - Sangiovese-Klon (70-100%), Canaiolo Nero (10-20%), sowie anderen zugelassenen weißen und roten Sorten (bis 20%, davon maximal 10% weiße – jedoch keine aromatischen wie z. B. Malvasia) gekeltert. Der Wein besitzt ein Veilchen-Bouquet, reift zumindest zwei Jahre in Eichen- oder Kastanienfässern, muss zumindest 12,5% vol. Alkohol-Gehalt haben und ist lange lagerfähig. Der Wein darf nur im Anbaugebiet in Bordeaux-Flaschen abgefüllt in den Handel kommen. Mit drei Jahren Lagerung (davon sechs Monate in der Flasche) und 13% vol Alkohol-Gehalt darf er im Etikett zusätzlich die Bezeichnung Riserva führen. Rotweine aus der gleichen Gemeinde (aber anderem Bereich) mit weniger strengen Bestimmungen sind als DOC Rosso di Montepulciano klassifiziert.