NORD-UNGARN
und 
|
Die Weinregionen
Nord-Ungarns
Weinbau grösseren Umfangs in Ungarn begründete König Béla IV. (1235-1270), den ersten Aufschwung im Tokajer-Gebiet gab es im 13. und 14. Jahrhundert.
Bereits 1654 schrieb ein Reisender, ein gewisser Daniel Speer in seinem Werk Ungarischer oder Siebenbürger Simplicissimus: “Sowohl im unteren als auch im oberen Ungarn gedeiht in den verschiedensten Gegenden starker und wohlschmeckend süsser Wein.” Obschon in Folge der geschichtlichen Wirren das obere Ungarn heute wesentlich kleiner ist, trifft die Feststellung von damals weiterhin zu. Dieser Teil Ungarns beheimatet ein Weinbaugebiet nach dem anderen: Mátraalja, Erlau, Bükk und Tokaj-Hegyalja.
Die Gemeinsamkeiten sind nicht nur
geografischer Natur. Überall die Weinbautraditionen eines Jahrtausends, überall
vulkanische Böden und in den Tuffstein gehauene urige
Wollen Sie sämtliche Weinstrassen des nördlichen Ungarns bereisen, nehmen Sie sich Zeit und machen Sie sich auf eine ausgedehnte Tour gefasst. Vom leicht-süffigen, jungen Weisswein bis zum goldgelben Nektar reicht die Palette der Weinspezialitäten, die hier entdeckt werden wollen.
Wein der Könige und König der Weine - "Vinum Regum - Rex Vinorum"
In Tokaj-Hegyalja gibt weder rot noch weiss den Ton an. Der goldgelbe Tokajer Aszú ist eine Kategorie für sich. Berge und Flüsse verleihen diesem Wein seinen Charakter. Erstere sorgen für den guten Untergrund und für das Holz der Fässer, letztere für das spezielle Mikroklima, das für die Trauben wahre Wunder wirkt. Die Winzer kennen und schätzen diese Geschenke, und es ist die Harmonie zwischen Mensch und Natur, die Tokaj-Hegyalja zu dem gemacht hat, was es heute ist: Weltkulturerbe. Den Aszú hat König Ludwig der XIV.
zum Wein der Könige und König der Weine erklärt, und auch die ungarische Nationalhymne besingt den Tokajer Nektar. Viele berühmte Persönlichkeiten liebten oder äusserten sich positiv über die Tokajer-Weine, so zum Beispiel Ludwig van Beethoven (1770-1827), Johann Wolfgang Goethe (1749-1832), Heinrich Heine (1797-1856), Franz-Joseph I. (1830-1916), Maria Theresia (1717-1780), Papst Pius X. (1835-1914), Franz Schubert (1797-1828), Victoria I. (1819-19019; Voltaire (1694-1778) und Wilhelm II. (1859-1941). Unter Katharina der Grossen (1729-1796) existierte eine Kosakenabteilung, deren Aufgabe es war, ihre Tokajer-Lieferungen nach St. Petersburg zu eskortieren. Papst Benedikt XIV. (1675-1758) meinte nach dem Genuss von Tokajer, den ihm Maria Theresia als Geschenk zugestellt hatte: Benedikta sit terra, quae te germinavit; Benedicta mulier, qui te misit; Benedictus ego, qui te bibi (Gesegnet ist das Gebiet, das dich brachte; Gesegnet die Frau die dich schickte; Gesegnet sei ich, der dich trinkt).
Zur "Erfindung" des Tokajers gibt es viele Legenden, hauptsächlich aber die folgende schöne Geschichte: Zu den Gütern des ungarischen Fürsten György Rákóczi I. (1600-1660) gehörte das Weinbaugebiet von Tokaj-Hegyalja.
Weinlese zu warten, bis die Gefahr gebannt sei.
Während des langen und sonnigen Herbstes begannen die Beeren zu schrumpfen, und es setzte Edelfäule ein. Die Winzer wurden angewiesen, bei der Lese die Trauben des Weinberges Oremus gesondert von den anderen abzupressen. Ostern 1651 wurde dann der erste "Tokajer Ausbruch" der Fürstin Zsuzsanna Lorántffy kredenzt. Die Ungarn ehren Szepsi-Laczkó als "Aszú-Erfinder".
Heute weiss man, dass die Legende überholt ist. Schon im Jahre 1635 werden in einer Bestandsaufnahme des Rákóczi-Kellers "7 Fass (Göncer) und 2 Àntalag (= kleines Fass) Aszúszölö-Bor" (= Aszútrauben-Wein) aufgeführt. Die erste schriftliche Erwähnung des Aszú-Weins findet sich weit früher in einem Testament und stammt aus dem Jahr 1571.
Das Weingut Oremus gibt es übrigens heute noch und sein voller Name lautet "Tokaj Oremus Szölöbirtok és Pincészet = Tokaj Oremus Weingut" mit Hauptsitz und Kellerei in der Gemeinde Tolcsva. Es ist im Besitz des Konsortiums der Familie Alvarez, an dem auch das berühmte spanische Weingut Vega Sicilia beteiligt ist. Hier werden die Tokajer Weine der letzten Dekade und die meisten Flaschen des sechsbuttigen "Tokajers des Jahrhunderts" aus dem Jahre 1972 aufbewahrt.
Tokaj-Hegyalja
Hier finden Sie kaum einen Winzer, der Sie nicht gerne in seinen Keller einlädt. In einigen dieser Keller hätte ein Pferdegespann keine Mühe umzukehren. Anderswo finden Sie kilometerlange Labyrinthe mit mehreren Etagen und an Rittersäle erinnernden Räumlichkeiten, wo die Weine verköstigt werden können. Unter graugrünem, zentimeterdickem Edelschimmel lagern teils jahrhundertealte Weine. Andere Keller muten dagegen schlicht und winzig an, aber auch hier bergen kleine Eichenfässer das edle Nass. Stimmung und Einzigartigkeit. Überall sorgt der Edelschimmel für ein konstantes Klima.
István Szepsy und andere bekannte Tokaj-Winzer
Im Jahre 1995 wurde der
Verein der
Tokajer Grossen
Weine
(rund 20 grosse,
bedeutende Produzenten), die so genannte "Tokajer Renaissance" mit dem
Ziel gegründet, den
Die wichtigsten Weinstädte
der Region
sind: Mád, Tokaj, Tolcsva, Tarcal und
Tállya. Anbaufläche:
ca.
5 246 Hektar.
Gemäss
Weingesetz 1997 zählen die vier Städte Sárospatak, Sátoraljaújhely, Szerencs und
Tokaj sowie 24 kleinere Gemeinden hinzu. In der
Slowakei wird
ein Wein nach Tokajer-Art erzeugt. Am Südwesthang des Zempliner Gebirges,
entlang der ungarischen Grenze, ziehen sich die Weingärten hin. In den fünf
Orten Veľká Trňa, Malá Trňa, Viničky, Veľká Bara und Černochov reift er in mehr
als 20 km in den weichen vulkanischen Tuffstein gegrabenen Kellern. Nach jahrelangen Streitigkeiten einigten sich
Anfang 2003 die beiden Länder, dass die innerhalb des 172 Hektar grossen
Gebietes erzeugten Weine die Herkunfts-Bezeichnung Tokaji
ebenfalls tragen dürfen.
Die Tokajer - Weine
Aszú
Naturbelassene, rosinensüsse Weinspezialität, vor allem aus mit Edelfäule (Botrytis) befallenen, dehydrierten Furmint- und Lindenblütler-Beeren mit ihrem hohen Gehalt an Zucker, Säure und Aromen. Der goldgelbe bis bernsteinfarbene Wein mit seiner unnachahmlichen rosinen- und honigartigen Geruchswelt und seinem langanhaltenden Bouquet wird häufig aus einem einzigen Weinberg gewonnen. Auch die zurückhaltende, stabile Säure zeichnet diesen Dessertwein aus, der zu den am längsten reifenden Weinen gehört.
Aszúesszencia
Nach unten beschriebenen Aszúverfahren hergestellte Weine, die deutlich über den Restzucker- und Extraktwerten von 6 puttonyos Aszús (Butten) liegen. Dieser Wein wurde erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts kreiert. Es gelten für ihn zumindest die gleichen Bedingungen wie bei Aszú. Der Aszúesszencia muss vor dem Verkauf aber fünf Jahre (davon drei im Holzfass) reifen. Auf dem Etikett wird die Anzahl der Puttonyos nicht angeführt. Er wird oft mit Esszencia verwechselt.
Szamorodner - Szamorodni
Natürlich süsser
Wein, dessen polnischer Name andeutet: so gekeltert, wie gelesen, gesunde und
edelfaule Beeren werden gemeinsam verarbeitet.
Abhängig von der Menge und Qualität der
enthaltenen Aszúbeeren kann der Wein trocken vergären (wenig Aszúbeeren) oder
aber einen hohen natürlichen Restzuckergehalt (viele Aszúbeeren) aufweisen. Aus dem gepressten Most entsteht
der charakteristisch wohlschmeckende und wohlriechende, goldgelbe Szamorodner,
je nach Zuckergrad des Mosts süss
oder trocken.
Der süsse
(édes) Szamorodni muss
zumindest. 30 g/l Restzucker, 25 g/l zuckerfreie Extrakte und 13% vol
Alkohol-Gehalt aufweisen - der trockene (száraz)
lediglich 25 g/l Extrakte und 13% vol.
Bei den süssen
Varianten vergärt der Restzucker nur
langsam zu Alkohol, deshalb können
nach einigen Jahren daraus trockene Typen
werden. Die Weine sind bis
20 Jahre
haltbar.
Esszencia - Essenz
Die nektarartige Spezialität wird aus dem honigähnlichen Traubensaft gewonnen, der aus den edelfaulen, handverlesenen Aszú-Trauben aufgrund des Eigengewichts von selbst herausrinnt. Der besonders hohe Zuckergehalt verhindert die Ausgärung, so bleibt der Alkoholgehalt niedrig. Der Restzuckergehalt einer Essenz kann 700 Gramm pro Liter überschreiten, es wurden aber auch schon weltrekordverdächtige Werte jenseits der 900 Gramm gemessen. Diese Spezialität wurde dokumentarisch erstmals im Jahre 1707 erwähnt. Im 19. Jahrhundert wurde er in der deutschsprachigen Literatur als "Tokayer Ausbruch Essenz" bezeichnet. In alten Zeiten wurde sie gar nicht als Wein betrachtet, sondern eher als Arznei. Zumeist gab man die Eszencia dem Aszú auch "wieder zurück" (machte man dies nicht, sprach man von einem "kastrierten Aszú"). Die Essenz dient so der Veredelung hochwertigster Aszúweine.
Die „Fordítás“ und „Máslás“ (Treberwein, Nachwein)
Beide Weinspezialitäten verfügen über die charakteristische Aroma- und Geruchswelt des Tokajers. Nicht ganz so süss wie der Aszú, sind sie ihm geschmacklich und qualitativ ähnlich. Dem Verfahren nach handelt es sich um Nebenprodukte des Aszúweines. Die „Fordítás“ (Übersetzung: Wendung, Treberwein) wird auf die Trebern, die "Máslás" (Kopie, Nachwein) auf den Satz des Aszús aufgesetzt. Nach 6-8 Stunden wird die Mischung erneut gepresst.
Tokajer Furmint
Etwas im Schatten der berühmten Geschwister, ebenfalls ein Wein einzigartiger Qualität. Sowohl oxidativ als auch reduktiv hergestellt ein besonders harmonischer und eleganter Tropfen. Wie auch der Tokajer Lindenblütler und Gelbe Muskateller (MUSCAT A PETITS GRAINS BLANCS) wird der Furmint neuerdings vermehrt in Spätlese zu süssem Wein verarbeitet.
Der Tokajer Aszú und seine Herstellung
Die erste schriftliche Erwähnung
stammt aus dem 16. Jh., vermutlich war er bereits im 15. Jh. bekannt. Seine
Herstellung wurde in den 1630-ern von Máté Szepsi Laczkó
Bei vorteilhafter Wetterlage spaltet sich die Haut der Trauben aufgrund von Regen und Tau, was die Bildung der Edelfäule (Botrytis cinerea) begünstigt. Die befallenen Beeren verlieren bei konstantem Fruchtzucker 80% ihres Wassergehalts. Bei der Lese werden die edelfaule Aszúbeeren gesondert in Butten verlesen, wo sich unter dem Eigengewicht der Beeren die Essenz absondert. Danach werden sie zu einem Brei zerstampft (der sogenannten Aszúpaste), der mit Jungwein oder gärendem Most aufgesetzt wird ( = Aszúmaische). Die Traubenkerne dürfen dabei nicht zerquetscht werden.
Nach 12-48 Stunden werden die
Aszúbeeren ausgepresst. Der Wein reift mindestens 2 Jahre in mit Edelschimmel
überwucherten Kellern in kleinen Eichenfässern heran, erst danach wird
Auf dem Bild links: In den Kellern die dick mit schwarzem Schimmel überzogen sind, lagern die Tokajer stehend. Alle 15-20 Jahre werden die Korken ausgetauscht.
Flaschen und Qualitäts-Stufen
Die Szamorodnis und Aszús werden traditionellerweise in weisse, langhalsige
Flaschen (mit Einbuchtung im Boden) mit 0,5 Liter Volumen gefüllt. Es gibt aber
auch zahlreiche andere Flaschenformen und Voluminas. Die Qualitätstsufen mit dem
gesetzlich vorgeschriebene Gehalt an Zucker (1) und zuckerfreiem Extrakt (2) in
Gramm per Liter sind: Master of Wine
Lesen Sie hier, was ein Master of Wine über den Tokajer schreibt (PDF - 27 Seiten in englisch)...
Programme Fast alle Orte in der Weingegend kennen ihr Weinlesefest. Je nach Lokaltradition findet es zwischen dem 15. August und dem 15. Oktober statt und bieten Gelegenheit für ein Aufleben des Volksbrauchtums und der örtlichen Gastronomie. Die Keller stehen freilich nicht nur zum Festtag offen, sie eignen sich insbesondere für Wochenendprogramme. Im Folgenden die wichtigsten Feste des Weins. Mehr darüber unter Tokaj - Stadt hier...
|