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Riesling.
Deutsche
Weinfreunde mögen diese Sorte in der Hierarchie der Spitzensorten auf den
ersten Platz setzen. Für mich kommt sie an zweiter Stelle nach Cabernet
Sauvignon. Sie ist die anpassungsfähigste und am weitesten verbreitete der
noblen weissen Reben. Sie behält ihre prägenden
Charaktereigenschaften, wo immer sie auch angepflanzt wird. Die Sorte ergibt
Weine mit einer Farbe, die vom blassen Strohgelb mit einer Spur Grün über
Hellgelb bis zum kräftigen, fast dunklen Goldgelb reicht. Letzteres wäre eine
reiche Spätlese mit Flaschenalter. Ihr Bouquet ist fruchtig, nicht „traubig“,
in die Nase springend, erfrischend und sauber wie ein Flötenton; manchmal
blumig, manchmal honigartig und, wenn aus vollreifen Trauben produziert, mit
einem Anflug von Muskat. Die meisten Rieslinge sind trocken bis halbtrocken,
aber aus ihnen werden auch die reichsten süssen Dessertweine der Welt erzeugt.
Ein völlig anderes, markantes Gesicht ist
bei jenen Gewächsen anzutreffen, die einen festen Körper aufweisen. In
Deutschland haben sie nie einen sehr hohen Alkoholgehalt, weisen sich jedoch
durch ein exzellentes Gleichgewicht und einen schönen Abgang aus. Die höchste
Qualitätsstufe erklimmt sie im Rheingau, in der Pfalz und an der Mosel; am
spontansten erkennbar ist sie im Elsass. Es gibt auch seltene Mutationen
wie Roter Riesling und Blauer Riesling.
Der Wein hat eine extreme Langlebigkeit, Prädikatsweine halten 20 bis 30 Jahre
und auch länger. Besondere Beispiele sind ein 186 Jahre alter 1811er und ein
sogar 421 Jahre alter Würzburger Stein, die beide nicht nur genießbar waren,
sondern hervorragend gemundet haben.
Die Sorte wird auf Grund ihrer hervorragenden Eigenschaften auch häufig für
Neuzüchtungen herangezogen, zum Beispiel war sie Partner für die Rebsorten
Albalonga, Arnsburger, Bacchus, Ehrenfelser, Hölder, Kerner, Mariensteiner,
Müller-Thurgau, Optima, Osteiner, Rieslaner, Rieslinger, Rotberger und
Scheurebe. Der Verein Pro Riesling, Trier (Mosel-Saar-Ruwer) und die
Produzenten-Vereinigung Charta (Rheingau) bemühen sich um die Förderung
des Rieslings. Die bedeutende deutsche Vereinigung (Charta Rheingau) mit etwa 50
Weinbau-Betrieben wurde im Jahre 1984 von Bernhard Breuer gegründet. Nach
dem Vorbild der Hospices de Beaune findet seit dem Jahre 1977 jährlich im
November eine dreitägige Veranstaltung "Glorreiche Rheingau-Tage" mit einer zu
wohltätigen Zwecken durchgeführten Auktion (Wein-Versteigerung) deutscher Weine
im Kloster Eberbach statt.
Riesling hat zahlreiche Synonyme wie zum Beispiel:
Donauriesling, Hochheimer, Johannisberger (Deutschland), Johannisberg Riesling
(USA), Klingelberger, Moselriesling (Übersee), Rheinriesling (Österreich,
Slowenien), Rhine Riesling (Übersee), Riesling Renano (Italien), Rössling
(Deutschland), Ryzlink Rajinsky (Kroatien), Ryzlink Rynsky (Slowakei), White
Riesling (Übersee). Diese Vielfalt beweist die grosse Verbreitung in vielen
Ländern der Erde.
Nicht verwandt sind die Sorten Banat Riesling
(Welschriesling, Rumänien), Cape Riesling (Crouchen, Südafrika), Clare Riesling
(Crouchen, Australien), Frankenriesling (Silvaner), Gray Riesling (Trousseau
Gris, Kalifornien), Goldriesling (Kreuzung Welschriesling x Müller-Thurgau),
Mainriesling (Rieslaner), Missouri Riesling (USA), Okanagan Riesling (Kanada),
Schwarzriesling (Müllerrebe, Pinot Meunier) und Welschriesling (Österreich).
Die weltweite Verbreitung (Quelle Fischer/Swoboda):
Deutschland 21,197 ha (61,4 %)
Australien 4,256 ha (12,1 %)
Frankreich 3,407 ha (9,9 %)
USA 1,700 ha (4,9 %)
Österreich 1,643 ha (4,8 %)
Neuseeland 636 ha (2,5 %)
Kanada 440 ha (1,3 %)
Chile 293 ha (0,8 %)
Südafrika 276 ha (0,8 %)
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