Traubensorten:

Pinot Noir und der erste

Gefangenen-Transport nach Australien

 

Nach neuesten genetischen Untersuchungen stammt die rote Rebsorte von einer natürlichen Kreuzung zwischen Traminer und Schwarzriesling (Pinot Meunier) ab. Daraus sind dann durch Mutationen die genetisch identischen Sorten Ruländer (Pinot Gris) und Pinot Blanc (Weissburgunder) sowie auch Blauer Arbst, Frühburgunder und Pinot Liébault entstanden.

 

Aus einer natürlichen Kreuzung des Pinot Noir mit einer Sorte der Familie Heunisch resultierten dann viele weitere Burgundersorten wie zum Beispiel Aligote, Auxerois, Chardonnay, Melon de Bourgogne und Morillon.

Charakteristisch für den daraus gekelterten Wein ist eine intensive, leuchtend rubinrote Farbe mit violetten Nuancen und ein fruchtig-beeriges Bouquet. Die Farbe der jungen Weine kann von einem kirschrot bis einen helleren Aubergineton reichen, die sich im Alter eventuell in Brauntöne verwandelt.

Der Geschmack ist vollmundig, körperreich und harmonisch hinsichtlich Säure- und Tannin-Gehalten. Das Aroma weist einen sortentypischen Ton nach zart-herben Bittermandeln auf. Primäre Fruchtaromen: Gewürze, Kräuter, Kirsche, Erdbeere, Himbeere, Veilchen, parfümiert, Pflaume und Rhabarber. Im Alter entwickelte Duftnoten: erdig, nach Wild riechend, Tabak und Pilze.

Das Blatt der Rebe ist schwach 3lappig, meist kaum eingeschnitten, Fläche wellig-blasig, konvexzähnig, Stielbucht V-förmig offen. Trieb: mit stark weißwollig behaarter Spitze; Knoten rosa, kurze Internodien. Holz dünn, rotbraun, Knoten braun, gut ausreifend. Die Traube mittelgross, walzenförmig, kompakt. Beere blauschwarz mit Wachsbelag, Saft farblos, länglich (u.U. deformiert), schwach bukettiert. Späte Blütezeit.

 

 

Cépages nobles

 

Der Name Pinot leitet sich vom französischen Wort für Fichtenzapfen (pin) ab, weil die Traubenform diesem sehr ähnlich ist. Sie zählt zu den besten Rebsorten der Welt, den so genannten Cépages nobles. Im französischen Burgund war sie möglicherweise schon im vierten Jahrhundert bekannt. Von den Zisterziensern wurde sie im 14. Jahrhundert nach Deutschland in das neu gegründete Kloster Eberbach mitgebracht, von dort gelangte sie wahrscheinlich nach Österreich.

 

 

Burgunder

Im deutschsprachigen Raum ist dies die Sammel-Bezeichnung für die zahlreichen Mitglieder der grossen Pinot-Familie, in Frankreich ist der Name "Noirien" (von noir=schwarz) gebräuchlich. Es gibt zahlreiche Synonyme wie Morillon Noir (alter französischer Name), Blauer Burgunder, Blauburgunder, Blauer Spätburgunder (Österreich), Clävner, Clevner, Klävner, Klebrot, Klevner (Schweiz), Malterdinger, Möhrchen, Pignola (Italien), Pinot Negro (Argentinien), Spätburgunder, Schwarzer Burgunder, Schwarzer Riesling, Süssedel und Süssrot (Deutschland). Sie treibt früh aus und ist daher empfindlich für Spätfröste und Verrieseln. Die qualitativ besten Ergebnisse werden auf Kalksteinböden und bei relativ kühlem Klima erzielt.

 

Der Rosé Oeil de Perdrix

Der heute nahezu auf der ganzen Welt verbreitete Pinot Noir war in seiner Heimat Frankreich lange Zeit nicht geachtet. Man kelterte daraus sehr gerne Rosé, was auch heute noch an der Loire, im Kanton Neuenburg/Schweiz und im Elsass beim Oeil de perdrix gebräuchlich ist. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Rebsorte als Basis für die ganz grossen Burgunderweine. Im Burgund gilt es als Tatsache, dass diese Rebsorte ganz besonders dafür geeignet ist, das spezifische und typische Terroir einer Lage in den Wein einzubringen; der berühmteste daraus gekelterte Rotwein ist wohl jener der Domaine de la Romanée-Conti aus dem besten burgundischen Bereich Côte d´Or.

 

 

Pinot Noir (rot) weltweit "nur" 62.000 ha Rebfläche

 

Frankreich: In der Champagne bedeckt der Pinot Noir mit ca. 25'800 ha rund 30% der Rebfläche. Dort wird er weiss gekeltert (dies nennt man Blanc de noirs) und ist neben den beiden Sorten Pinot Meunier und Chardonnay wichtigster Bestandteil feinster Champagner. Insgesamt dürften in Frankreich ca. 12'000 ha mit Pinot Noir - Reben bestückt sein. In Deutschland erreicht die Rebsorte mit knapp 7,500 Hektar und ca. 8% der Gesamt-Rebfläche den ersten Platz unter den roten Sorten und ist besonders in den Weinbaugebieten Ahr, Baden (grösster Anteil mit über 5.000 Hektar), Pfalz, Rheinhessen und Württemberg verbreitet. In der Schweiz belegt sie beinahe einen Drittel der Rebfläche (rund 4.100 ha). In der Westschweiz ist der Pinot Noir Bestandteil des Dôle. in Österreich beträgt der Anteil mit über 400 Hektar nur weniger als 1%. In Italien gibt es Bestände (ca. 3'500 ha) vor allem im Norden und Rumänien kultiviert Pinot noir auf ca. 1500 ha Rebfläche.

 

Die Konkurrenz aus den Ländern der "Neuen Welt"

In Chile schätzen wir die Anbaufläche mit etwas über 1600 ha.

In den USA wird "Pinot noir" in Kalifornien mit über 4500 ha (z.B. auf den Weingütern DeLoach, Gloria Ferrer, Edna Valley, Hanna, Merry Edwards, Navarro, Rochioli und Sanford) und in Oregon (durch die Vineyards Argyle, Elk Cove, Erath, King Estate und Sokol Blosser) kultiviert. Geringere Bestände sind aus Washington und Idaho bekannt.

Der amerikanische Kellerei-Riese E. & J. Gallo will jetzt den Weinbau des Burgund auf seinem eigenen Terrain herausfordern. Im Sonoma County will die Firma jetzt massiv Pinot noir auspflanzen, wie Gina Gallo 2002 in London erklärte. Sie zeigte sich sicher, dass das ausgewählte Terroir zu den besten der Welt, Burgund inklusive, gehören werde. Die Anstrengungen auf dem Feld des Pinot noir könnten - einmal vom Ego der amerikanischen Erzeuger abgesehen - aber auch ein Reflex auf die steigende Überproduktion bei Chardonnay und Cabernet Sauvignon sein.

 

 

Captain Arthur Philip

 

Es ist gut möglich, dass ein geklonter Pinot Noir-Rebstock im Januar 1788 von Kapitän Arthur Phillip (*1738; † 1814) - Siehe Bild unten -  mit der ersten Flotte von Auswanderern nach Australien gelangte. Der Sohn eines Frankfurters Buchhändler und einer Engländerin trat mit 17 der Marine bei. Zum Ende des "Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763)" quittierte er seinen Dienst bei der englischen Marine. Phillip versuchte sich als Landwirt, was schliesslich scheiterte. Von 1774 bis 1778 trat er mit Erlaubnis der englischen Admiralität in den Dienst der portugiesischen Krone. Für die portugiesischen Marine führte er erste Überseedeportationen durch. Bei Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775 - 1783) wurde er nach England zurückberufen. Nach dem Verlust der 13 Kolonien stellte die Regierung Grossbritanniens Überlegungen an, wohin man die Strafgefangenen transportieren könnte. Vorher waren sie nach Amerika verbracht worden. Die Admiralität erinnerte sich an die Forschungsreise James Cooks und wählte Australien als Gefängnisstätte aus. 1786 wurde Phillip mit den Vorbereitungen beauftragt. Im Mai 1787 fuhren elf Schiffe nach Botany Bay, Governor Arthur Phillipdie als Erste Flotte in die Geschichte eingingen. Am 26. Januar 1788 landeten sie in einer Bucht des Port Jackson, an der Stelle, wo sich heute das Sydney Opera House befindet. Phillip benannte diese Bucht nach dem damaligen englischen Innen- und Kolonialminister Thomas Townsend Sydney Cove.

Captain Arthur Phillip, der nach seiner Ankunft in Australien erster Gouverneur wurde, hielt schriftlich fest, dass der Weinbau in einem so günstigen Klima bis zu jedem gewünschten Grad der Perfektion getrieben werden kann. Unverzüglich wurde mit der Anpflanzung der mitgebrachten Rebstöcke begonnen (Am Standort der heutigen Farm Cove). Die ersten Jahrzehnte wurde allerdings trotz seiner Weisung so exzessiv Rum getrunken, dass das Lager den Namen "Rum-Corps" bekam. Richtig Fuss fasste der Weinbau erst zweihundert Jahre später als der Schotte James Busby (1802-1871), der sich Weinkenntnisse in Frankreich erworben hatte, nach Australien auswanderte.

In kühleren Weinregionen Australiens können Spitzenweine aus dieser Rebsorte hergestellt werden. Schwerpunkte des Anbaus für Pinot Noir in Australien: Geelong im Yarra Valley und auf der Mornington Peninsula. Zur Zeit sind ca. 2.800 ha mit Pinot Noir bestückt.
 

In Südafrika sind zur Zeit etwas über 530 ha mit Pinot Noir bestückt.

 

Möchten Sie mehr über die Mondial du Pinot Noir 2005 wissen, mehr...

 

Aufstellung der bekannten Synonyme für Pinot Noir

 

KLAEVNER;PINOT MARE;NOIRIEN;MORILLON;AUVERNAT;PLANT DORE;CORTAILLOD;VERT DORE;SAMTROT;BORGOGNA NERO;CERNA RANKA;SPACOK;FRANC NOIREN;PIGNOLA;MODRA KLEVANJKA;ROUCI MODRE;FRANC PINEAU;SAVAGNIN NOIR;SALVAGNIN;PIGNOL;ROUCI MALE;APROFEKETE;SHPACHOK;OKRUGLA RANKA;CLEVNER;NOBLE;NOBLE JOUE;SCHWARZKLEVNER;ARBST;ASSMANNSHAEUSER;AUVERGNAT;AUXERRA;NOIR MEUN;NOIRIED;NOIRIEN TERNENT;NOIRUN;ORLEANS;PETIT BOURGUIGNON;PETIT NOIRIN;PETIT PLANT DORE;BLAUBURGUNDER;KLEVNER BLAU;BURGUNDAC CRNI;NAGYBURGUNDI;PIGNOLO;PINEAU;PINEAU NOIR;PIGNOLET;PIGNOLIGA;PINO CORNI;PINOT;PINOT CLEVNER CL. MARIA- FELD;PINOT D'AY;PINOT DE FLEURY;PINOT DE GEVREY;PINOT DE MIGRAINE;PINOT DROIT;PINOT FIN;PINOT FRANC;PINOT GO;PINOT NEGRU;PINOT NERO;PLANT A BON VIN;PLANT DE CUMIERES;PLANT DE LA DOLE NOIR;PLANT FIN;PLANT MEDAILLE;PLANT NOBLE;RAISIN DE BOURGOGNE;RAUCY;ROTER ASSMANNSHAEUSER;ROTER BURGUNDER;ROUCI;ROUGET;KISBURGUNDI;BURGUNDSKE MODRE;BLAUER BURGUNDER;CHPATCHOK;BLAUER SPAETBURGUNDER;PINOT TINTO;SPAETBURGUNDER;PINEAU DE CHAMBERTIN;LANGEDET;KARAPINO;MOR BURGUNDER;MASSOUTEL;GRIBALET NOIR;SAVAGIN NOIR;PETIT VEROT;KLEVNER KEK;CLAEVNER BLAU;KLEBROTH;GUT BLAU;MOEHRCHEN SPAET;SUESSEDEL;MALTERTINGER;NUERNBERGER BLAU;MOHRENKOENIGIN;SUESSSCHWARZ;DICKBLAU;NEYRAN;PINOT SALVAGNIN